Die "Herrnsheimer Klauern"

Mit 62,5 Hektar sind die „Herrnsheimer Klauern“ ein geschlossenes Waldgebiet im Norden von Worms, am Stadtteil Herrnsheim gelegen. Die Bezeichnung „Klauer“ deutet auf ein natürliches Feuchtbiotop hin. Der Name hängt mit dem Wort „Knäuel“ zusammen, im Mittelhochdeutschen um 1200 als Kliuwe oder Kliuwl in der Bedeutung „Kugel, Knäuel, Klumpen“. In den „Klauern“ wurden Weiden angepflanzt, deren Ruten zum Herstellen von Körben, aber ebenso für das Aufbinden der Reben im Frühjahr verwendet wurden. Motiv für die Benennung (Knäuel) ist die knollige Form der geschnittenen Weidenköpfe. Diese für Rheinhessen charakteristischen und nur in Rheinhessen vorkommenden Waldgebiete sind nicht mit den forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen zu vergleichen. Die „Klauern“ nehmen eine Mittelstellung zwischen Niederwald und Buschwald ein. Oftmals waren und sind sie undurchdringlich, weil zwischen den Bäumen ein dichter Bewuchs aus Büschen, Stockausschlägen und Lianen (Waldrebe, Efeu oder Geißblatt) wuchert. Einzelne, größere Bäume überragen die Wäldchen. Das Besondere an den „Klauern“ ist, dass sie, obwohl sie von offenen, fließenden Gewässern völlig unabhängig sind, floristisch und ökologisch eher einem Hartholzauewald ähnlich sind.
Die „Herrnsheimer Klauern“ sind das einzige, größere, zusammenhängende Auewaldbiotop Rheinhessens. Der Wald erstreckt sich auf einer Länge von ungefähr 3 Kilometern und einer durchschnittlichen Breite von 450 Metern von Süden nach Norden. Er folgt einer leichten Bodenmulde, dem Rest eines sehr alten, vorgeschichtlichen Rheinarms. In dieser Bodensenke sammelt sich Stauwasser an, das von einem Quellhorizont gespeist wird, der an einigen Stellen im westlichen Teil zu Tage tritt.
Eigentümer der „Herrnsheimer Klauern“ ist das Land Rheinland-Pfalz.

Der frühere Wald

Die „Herrnheimer Klauern“ waren vor 1870 bäuerlicher Kleinstprivatwald. Dieser Wald wurde niederwaldartig bewirtschaftet und bestand vorwiegend aus Gestrüpp. Auf den durchlässigeren Böden breitete sich der Weiden-Pappel-Auewald aus. An den etwas trockeneren Standorten kam der Eschen-Ulmen-Auewald vor. Der Erlenbruchwald war nur in unmittelbarer Umgebung der Quellhorizonte in den vermoorten Niederungen zu finden, wo sich das Wasser staute. Die geschlossene Baumschicht  wurde überwiegend von Stieleiche, Esche und Feldulme gebildet. Dazu kamen noch Silberpappel, Feldahorn und Bergahorn. Ebenfalls üppig entwickelt war die Strauchschicht. Daran beteiligt waren Weißdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Hasel, Kratzbeere, Traubenkirsche, Gemeiner Schneeball, Liguster, Hopfen und Waldrebe.
Als Motiv für den Ankauf der bäuerlichen Kleinstparzellen ab 1870 war wohl die interessante Jagdmöglichkeit in den Klauern. Die Jagd hatte Vorrang vor der Forstwirtschaft. Die Waldwirtschaft wurde nur sehr extensiv betrieben. Im Hartholzauewald fand eine unregelmäßige Bewirtschaftung statt. Im Weichholzauebereich wurden die Weiden niederwaldartig bewirtschaftet. Durch die Vertiefung der Gräben um 1935 wurde ein großer Teil des Waldes erstmals zugänglich und eine Bewirtschaftung erst möglich. Der Wald verjüngte sich von selbst. Anpflanzungen fanden fast nicht statt. Leider wurde während des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren der Wald geplündert, weil der Holzbedarf für die notleidende Bevölkerung besonders groß war. Dies hatte auch zur Folge, dass die devastierten Waldbestände zum großen Teil in schnellwachsende Pappelreinbestände umgewandelt wurden.
Bis zu Beginn der 70er Jahre war der Herrnsheimer Wald von hoch anstehendem Grundwasser geprägt. Meliorationsarbeiten, Entwässerungsmaßnahmen und Wasserentnahmen zur Feldberieselung für gewerbliche Zwecke haben den Grundwasserspiegel erheblich absinken lassen. Nach einem Zeitungsbericht vom Januar 1993 soll der Grundwasserspiegel im Wormser Norden in drei Jahren um rund 1,20 Meter gefallen sein. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden- Württemberg hat 1992 erhebliche Schäden an Pappeln und Eichen festgestellt. Die damals etwa 40jährigen Pappeln starben großflächig ab. In den überwiegenden Fällen wurde extrem starker Befall von eine Prachtkäferart festgestellt. Auch die standortgerechten Stieleichen wiesen Prachtkäfer- und Bockkäferbefall auf. Die Experten der Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg waren der Meinung, dass der starke Prachtkäferbefall nicht primär, sondern durch andere Ursachen ausgelöst worden SEi. Als mögliche Ursachen wurde die über mehrere Jahre lang anhaltende Trockenheit und die Grundwasserabsenkung genannt. Zwischen 1970 und 1995 mussten auf einer Fläche von etwa 40 Hektar die kranken und absterbenden Pappeln und Eichen eingeschlagen werden.
Auch die Windwürfe vom Frühjahr 1990 machten dem Herrnsheimer Wald erheblich zu schaffen. Auf etwa 10 Hektar entstanden Kahlflächen.

Waldbewirtschaftung heute

Nach dem Einschlag der Pappel-Monokulturen hat das Forstamt Rheinhessen begonnen, die ehemals typischen Edellaubwälder wieder zu begründen. Stieleiche, Hainbuche, Bergahorn, Vogelkirsche, Linde und Elsbeere sind die Baumarten, die mit den gesunkenen Grundwasserständen besser zurechtkommen. Durch die Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt an der Weinstraße wurden im Jahre 2002 alle Waldbestände aufgenommen und kartiert. Für die „Herrnsheimer Klauern“ gibt es einen Betriebsplan, der den Holzeinschlag, die Bestandespflege und die Aufforstungen regelt. Entsprechend den Boden- und Standortverhältnissen sind die „Herrnsheimer Klauern“ ein reines Laubwaldgebiet. Auf 84 Prozent der Fläche kommen Edellaubhölzer vor. Stieleiche mit 12 Prozent, Buche mit 3 Prozent und sonstige Laubhölzer mit 1 Prozent bilden einen interessanten Auewald. Die „Herrnsheimer Klauern“ werden nach den anerkannten Regeln der Forstwirtschaft ordnungsgemäß und nachhaltig im Sinne einer naturnahen Bewirtschaftung vom Land gepflegt und erhalten. Alle Waldflächen sind für den lokalen Klimaschutz sowie für die Erholung der Bevölkerung von herausragender Bedeutung.

Waldpfad

Der Waldpfad in den „Herrnsheimer Klauern“ ermöglicht dem Waldbesucher den Einblick in ein Auewaldrelikt auf einer Länge von 3,5 Kilometer. Gemeinsam mit dem „Grünen Kreis Worms e. V.“ wurde in den Jahren 2003/2004 ein Waldpfad konzipiert. Die Einrichtung dieses Waldpfades wurde von dem ortsansässigen Möbelhaus Gradinger finanziell unterstützt. Am Badesee Herrnsheim beginnt der Waldpfad und informiert auf Informationstafeln den Waldbesucher über Holzverwendung, Waldbiotope, Tiere und Pflanzen im Wald. Damit sollen einerseits das Waldbewusstsein gefördert, andererseits aber auch Informationen über unseren heimischen Wald gegeben werden. Der „Grüne Kreis Worms e. V.“,  das Deutsche Rote Kreuz, die Stadt Worms und hier insbesondere das Umweltamt der Stadt Worms und die Bürgerschaft der Stadt Worms sowie aus dem Stadtteil Herrnsheim haben die Einrichtung des Waldpfades tatkräftig unterstützt. 

Zukunft

Die „Herrnsheimer Klauern“ werden naturnah bewirtschaftet. Nach und nach entsteht wieder ein standorttypischer Laubmischwald, soweit dies die Standortverhältnisse aufgrund des gesunkenen Grundwasserstandes ermöglichen. 

Auf der Hälfte der Gesamtfläche der Herrnsheimer Klauern ist im nördlichen Teil ein Waldrefugium eingerichtet worden.

Gleichzeitig steht der Herrnsheimer Wald der Bevölkerung von Worms und Umgebung als interessantes Naherholungsgebiet zur Verfügung. Das Land Rheinland-Pfalz hat sich durch den Ankauf des Waldes verpflichtet, dieses einmalig schöne Waldgebiet bei Worms zu pflegen und im Sinne eines nachhaltigen Landschafts- und Waldschutzes zu erhalten. In diesem Sinne sind die Bürgerinnen und Bürger von Worms, insbesondere aus dem Stadtteil Herrnsheim aufgerufen, sich weiterhin für einen gesunden Wald in einer intakten Landschaft einzusetzen.

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