Pressearbeit bedeutet neue Perspektiven einzunehmen. © Markus Hoffmann

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Symposium anlässlich 25 Jahre Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz

25 Jahre Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz Umweltministerin Margit Conrad:

"Menschen brauchen Natur, deshalb muss Naturschutz mit dem Menschen gehen"

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz wird 25 Jahre alt. Zum Jubiläum findet ein zweitägiges Symposium zur "Erfindung von Natur und Landschaft" statt, bei dem das Verhältnis von Mensch und Natur thematisiert wird. Den Eröffnungsvortrag hält Karl Kardinal Lehmann.

"Wir setzen uns intensiv mit dem richtigen Weg im Umgang mit der Natur auseinander. Naturschutz ist immer auf den Menschen bezogen; daher ist es entscheidend, eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen", stellte Umweltministerin Margit Conrad zur Eröffnung fest. "Nachhaltige Entwicklung sieht Natur immer in Verbindung mit anderen Lebensbereichen wie Arbeit, Kultur, Umweltschutz oder soziales Miteinander. "Menschen brauchen Natur, deshalb muss Naturschutz mit dem Menschen gehen."

Umweltministerin Conrad dankte allen, die in den letzten 25 Jahren die Stiftung Natur und Umwelt begleitet haben. "Ohne die Stiftung, ihre Vorstands- und Fördermitglieder, ihre Unterstützer und Partner wären viele wichtige Impulse für die Entwicklung des Landes nicht möglich gewesen."

1979 wurde die Stiftung des öffentlichen Rechts vom Land Rheinland-Pfalz begründet und im Landespflegegesetz verankert. Zweck war und ist die Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt; die Wege dahin haben sich im Lauf der Jahre verändert. In ihren Anfängen hatte sich die Stiftung primär auf die Förderung von Flächenankäufen und auf den Artenschutz konzentriert. Im Laufe der Jahre gewann jedoch die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung, die Aufklärung über Natur sowie die Öffentlichkeitsarbeit zunehmend an Bedeutung und Gewicht.

Immer wichtiger wurde die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung, die Akzeptanz vor Ort findet. Dazu gehören Projekte mit langem Atem, bei denen sich Naturschutz und nachhaltige Nutzung verbinden. Ein Beispiel: Die größte frei gehütete Ziegenherde Europas beweidet Trockenrasen in Rheinland-Pfalz. Dahinter steht der Gedanke, dass Flächen nicht durch klassische Landschaftspflege, sondern durch Nutzung besser freizuhalten sind. Der Verkauf von Ziegen-Produkten trägt überdies zur Finanzierung der Herde bei.

Weiterhin unterstützt die Stiftung umweltpädagogische Veranstaltungen und innovative Projekte zum Thema Nachhaltigkeit wie zum Beispiel Naturfreizeiten oder Naturpatenschaften. Erstmals fand in diesem Jahr der Geo-Tag der Artenvielfalt auch in Rheinland-Pfalz statt - eine publikumswirksame Aktion, koordiniert von der Stiftung. Verbände, Organisationen, Schulen und Kommunen erhalten Unterstützung, wenn sie Artenvielfalt erforschen und erklären. Dabei wird die Liste der rheinland-pfälzischen Artenvielfalt laufend ergänzt.

Auch den klassischen Artenschutz verliert die Stiftung nicht aus den Augen: inzwischen verbuschte Trockenrasen werden wieder beweidet ? die EU fördert das LIFE-Projekt. Durch die wiederhergestellte Offenland-Situation können wertvolle Pflanzengesellschaften zurückkehren.

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz hat ihren Sitz in der Mainzer Rheinstraße. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad ist Vorsitzende des elfköpfigen ehrenamtlichen Vorstands; außerdem gibt es einen Förderkreis, dem insbesondere Unternehmen und Verbände angehören. Es gibt zahlreiche Verbindungen zu Organisationen und Institutionen. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Glücksspirale. Die Stiftung finanziert sich aus den Zinsen ihres Stiftungskapitals und aus den Ausschüttungen der Glücksspirale. Darüber hinaus unterstützen der Förderverein sowie Unternehmen und Privatpersonen die Stiftungsarbeit durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Für die Zukunft will sich die Stiftung noch stärker als Plattform für die gesellschaftliche Umweltdiskussion positionieren.

Statements von Referenten, die an der Tagung in Mainz teilnehmen:

Die konstruierte Landschaft

Prof. Dr. Jörg Dettmar
TU Darmstadt, FB Architektur, Entwerfen und Freiraumplanung

Am Ende des Industriezeitalters haben wir es in Deutschland mit einer vollständig konstruierten Landschaft zu tun, auch die meisten Naturschutzareale unterstützen diesen Charakter nur, geht es doch meistens um die Erhaltung von Lebensräumen vergangener Kulturzustände. Mit dem Übergang zum Informationszeitalter stellen sich nun einige zentrale Fragen. Welche Rolle haben Natur und Landschaft bei der urbanisierten Gesellschaft des Informationszeitalters? Welche ökonomisch tragfähigen Bausteine zukünftiger Landschaften sind heute schon absehbar? Welche zukunftsfähige Strategie braucht ein Naturschutz, der im Grundsatz als notwendig anerkannt ist, im Konkreten aber immer weniger Menschen interessiert?

Darf Veränderung sein? Naturschutz zwischen gestern und heute

Prof. Dr. Joachim Wolschke-Bulmahn
Vorstand der Stiftung Naturschutzgeschichte, Königswinter

Ich werde mich in meinem Vortrag unter anderem an historischen Beispielen mit Konzepten eines sozial orientierten Naturschutzes befassen, die in der Weimarer Republik Bedeutung erlangten und die aus einer sozialen Perspektive zu beachtlichen Erfolgen des Naturschutzes führten. Dieser Ansatz zu einem sozial orientierten Naturschutz wurde durch den Nationalsozialismus "nachhaltig"" zerstört und konnte erst ab etwa den 1970er Jahren allmählich neu entwickelt werden. In der Geschichtsschreibung des Naturschutzes nach 1945 wurde ebenfalls über lange Zeit nicht auf diese historische Dimension des Naturschutzes in Deutschland hingewiesen, die durchaus auch heute noch Perspektiven aufzeigen kann.

Landschaftsdynamik und ihre Wahrnehmung

Prof. Dr. Werner Konold
Universität Freiburg, Institut für Landespflege, Sprecher des deutschen Rates für Landespflege

Die Wahrnehmung und Bewertung von Landschaft, die Auffassung darüber, warum und wie sich die Landschaft zu wandeln habe, und die Beurteilung der Veränderung von Landschaft sind zeitgebunden und je zeitgenössisch von Agieren und Reagieren gekennzeichnet. Menschen, für die Landschaft wirtschaftliche Grundlage ist, also Erzeuger, Produzenten und deren Experten, haben und hatten immer eine grundlegend andere Einstellung zu Landschaft als diejenigen, denen Landschaft primär Rekreationsraum und Raum für Naturschutz ist. Die eine Gruppe sucht Veränderung, die andere Gruppe hängt am Hergebrachten und akzeptiert Veränderung nur mit zeitlicher Verzögerung. Für die Zukunft ist es wichtig, konvergierende Formen der Landnutzung zu etablieren.