Spinner schwämmen den Ober-Olmer Wald

Schmetterlinge vermehren sich in Massen

„Der Ober-Olmer Wald ist gerade „überschwämmt“ mit Spinnern!“ So berichtet es zumindest Joscha Erbes vom Forstamt Rheinhessen, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Klingt kurios, tatsächlich ist der Verursacher der Schwammspinner, ein nachtaktiver Schmetterling, der in diesem Jahr nach langer Zeit mal wieder ein Massenvermehrungsjahr hat. Vermutlich profitiert er von den beiden warm-trockenen Jahren 2018 und 2019. Im Frühjahr bis Juni haben die Raupen viele Löcher in die Blätter der Baumkronen von Eichen und Hainbuchen gefressen. Nicht so schlimm, normalerweise! Besonders die Eiche vermag mit dem Johannistrieb, der nach Ende des Raupenstadiums wächst, Kronenverluste auszugleichen. Kommt aber anhaltende Trockenheit dazu, schwächeln die Bäume schon mal. „Durch den Trockenstress der letzten 2 Jahre könnte der Raupenfraß dazu beitragen, dass dieses und nächstes Jahr eine nennenswerte Anzahl an Altbäumen abstirbt“, fürchtet Erbes. „Es kommt gerade zu viel auf einmal, Trockenheit, Hitze, Raupenfraß, auch die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen z.T. neben denen des Schwammspinners. Da wird auch die ein oder andere 140jährige Eiche bei draufgehen.“ Schaut man sich im Lennebergwald um, sieht man ein anderes Bild. „Da fressen auch manche Insekten an den Bäumen, aber die Trockenheit dort ist wegen der sandigen Böden viel schlimmer!“ Im Ober-Olmer Wald wird es nun spannend. Je nach Witterungsverlauf der nächsten Monate und v.a. des nächsten Jahres könnten sich die Schmetterlinge noch stärker vermehren und kompletten Kahlfraß produzieren. Erbes nennt es „Klimawandel live!“

Hintergrund:

Der Name Schwammspinner kommt vom Aussehen der Eigelege. Die Eier werden mit sogenannter Afterwolle in eine Art „Schwamm“ verpackt, um sie vor Kälte und Fraßfeinden zu schützen.

Die ausgewachsenen Falter sind weiß mit verschieden stark ausgeprägter Musterung. Die Männchen sind dunkel mit großen Fühlern, mit denen sie die Pheromone der Weibchen orten. Derzeit fliegen am Tagen dicht über dem Waldboden im Ober-Olmer Wald sehr viele männliche Falter.