Nach „Sabine“: Im Wald droht weiterhin Gefahr

Sturmtief „Sabine“ hat gerade erst die heimischen Wälder ordentlich durchgerüttelt, da warnt der Deutsche Wetterdienst bereits vor einer neuen Sturmlage am Wochenende. Im Wald herrschen derzeit erhöhte Gefahren. Aus Sicherheitsgründen sollte man von einem Waldbesuch in den nächsten Tagen absehen. Schrägstehende, teils entwurzelte Bäume könnten jederzeit umfallen, abgebrochene Äste herunterbrechen.

Zunächst gehen die Forstämter daran die Wege wieder frei und sicher begehbar zu machen. Das kann noch einige Tage dauern. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die derzeitige Wetterlage kaum beruhigt. Meteorologen kündigen weitere kräftige Sturmböen in den nächsten Tagen an.

Gefahren beim Waldbesuch bestehen vor allem durch angeschobene Bäume. Sie fallen leicht um, da ihre Wurzeln kaum noch Verankerung im Boden finden. Auch abgebrochene Äste in Baumkronen könnten herunterbrechen und zur tödlichen Falle werden. Erholungssuchende sollten ihren Winterspaziergang derzeit lieber in die offene Landschaft verlegen.

Klimastress – Der Wald leidet

Häufigere Extremwetterereignisse und steigende Durchschnittstemperaturen – die Forstleute spüren deutliche Anzeichen des Klimawandels im Wald und sorgen sich. Nach dem Hitze- und Dürrestress der vergangenen beiden Jahre sind viele Bäume so geschwächt, dass sie sich gegen Schädlinge kaum wehren können. Alleine der Borkenkäfer hat seit Anfang 2018 bereits 4,6 Millionen Bäume in den Wäldern von Rheinland-Pfalz absterben lassen. Vor dem Hintergrund bringen Sturmschäden wie jetzt durch „Sabine“ nicht nur Probleme für die Sicherheit der Waldbesuchenden mit sich. Sie können die Massenvermehrung des Borkenkäfers weiter anheizen. Jede einzelne Fichte die nicht schnell genug aufgearbeitet wird, bietet einen idealen Brutraum für den Buchdrucker, die häufigste Borkenkäferart. Dabei steigen die Schäden pro Käfergeneration exponentiell um den Faktor 20. Das heißt Jungkäfer die im Frühling aus einer befallenen Fichte schlüpfen, befallen 20 neue Fichten und deren Nachkommen können bis zum Herbst schon 400 Fichten dahinraffen. Forstleute sind daher in einem ständigen Wettlauf mit der Zeit um die Schäden einzudämmen.

Aufbau möglichst klimastabiler Wälder

Im Rahmen des naturnahen Waldbaus arbeiten Forstleute und Waldbesitzende bereits seit Jahren daran, die Wälder auf den Klimawandel vorzubereiten. Labile Fichtenwälder – oftmals entstanden aus Reparationshieben nach dem zweiten Weltkrieg - werden nach und nach in arten- und strukturreiche Mischwälder überführt. Försterinnen und Förster setzen dabei in erster Linie auf „Naturverjüngung“. Das heißt, sie fördern die natürliche Ansamung junger Bäumchen. An Stellen, wo von Natur aus geeigneter Baumnachwuchs fehlt, wird die „Naturverjüngung“ bedarfsweise durch aktives Pflanzen standortgerechter und klimastabiler Mischbaumarten ergänzt. Dazu zählen etwa Buche, Eiche, Bergahorn oder Weißtanne. Der Mischwaldanteil in Rheinland-Pfalz beträgt heute bereits 82 Prozent und die Buche ist wie von Natur aus wieder häufigste Baumart. Es gibt aber noch viel zu tun. Gemischte Wälder sind den vielfältigen Herausforderungen und Risiken der Zukunft am besten gewachsen. Fallen einzelne Baumarten aufgrund von Extremereignissen, Schadinsekten oder Pilzen aus, können andere Baumarten diese Lücke ausfüllen.