Klimakrise durchlöchert die Wälder

Erholungssuchenden fällt es schwerer kühlen Kopf zu bewahren

Ob beim Wandern oder Joggen, bei einer gemütlichen Fahrradtour oder auf dem Pferderücken: „Unser Wald ist ein wunderbarer Ort, um Belastungen und Stress besser zu bewältigen,“ schwärmt Förster Gregor Nassen, „besonders in der Urlaubszeit“. Im Moment sind die Forstleute jedoch in großer Sorge um die grüne Idylle. Nur in einem gesunden und starken Wald finden die Menschen die ersehnte Erholung. Hitze und Dürre, Sturm und Borkenkäfer haben dem Wald arg zugesetzt. Rund 2 Millionen Bäume mussten seit dem Extremwetter 2018 in Rheinland-Pfalz notgeerntet werden. Betroffen ist eine noch weit größere Zahl. Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Der gerade zu Ende gegangene Juni 2019 brachte neue Hitzerekorde in Deutschland und Rheinland-Pfalz.

Kaum ein Wald ohne Schäden
39,6 °C in Bernburg (Sachsen-Anhalt) und 38,9 °C in Bad Kreuznach: Nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in Deutschland und Rheinland-Pfalz in einem Juni so heiß wie am Sonntag den 30. Juni. Egal wo man derzeit im Wald unterwegs ist – fast überall sind die Spuren des Klimawandels sicht- und auch spürbar: Absterbende Nadelbäume mit braunen Kronen, Laubbäume die im Frühling erst gar nicht ausgetrieben sind, Kahlflächen auf denen Fichten notgefällt werden mussten um der Massenvermehrung des Borkenkäfers zu begegnen, Sturmwurflücken, große Holzstapel am Wegesrand, verdorrte Jungpflanzen, Eichenprozessionsspinnerbefall. „Wir kommen derzeit mit der Schadenaufarbeitung kaum hinterher, es fehlt an Personal, Maschinen, Transportkapazität und Absatzmöglichkeiten. Der Holzmarkt ist europaweit überschwemmt“, fasst Förster Nassen die aktuell schwierige Situation zusammen. Dort wo die kühlenden Baumwipfel fehlen, spüren das natürlich auch die Waldbesucherinnen und Waldbesucher. Ganz ungewohnt scheint Ihnen an immer mehr Stellen im Wald die Sonne auf den Kopf.

Forstleute und Waldbesitzende stärken den klimakranken Wald
„Dabei haben wir in Rheinland-Pfalz schon vor rund 30 Jahren damit begonnen, den Wald schrittweise umzubauen und auf die Folgen der Klimaveränderung vorzubereiten“, erläutert Nassen. Ziel der Forstleute ist ein strukturreicher, stabiler Mischwald. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Wald bestmöglich zu stärken. Mischbaumarten wie Eiche werden gezielt gefördert. Sie kommen mit Hitze und Trockenheit besser zurecht als beispielsweise die Fichte. Gepflanzt wird dort, wo ein Baumartenwechsel zum Beispiel hin zu mehr Laubbaumarten, ohne Unterstützung von Natur aus viele Jahrzehnte benötigen würde. „Außerdem setzen wir im Wald auf Vielfalt. Je größer die Zahl der Baumarten, desto geringer ist das Risiko. Wegen der langen Lebensdauer von Waldbäumen ist der Waldumbau aber eine Jahrhundertaufgabe. Sie erfordert noch sehr viel Zeit, Ausdauer und Investitionen“, macht Gregor Nassen deutlich. Gerade wegen dieser notwendigen Investitionen ist der derzeitige Preisverfall beim Schadholz besonders bitter. So sank der landesweite Durchschnittspreis bei der Fichte seit Anfang 2018 um rund 25 € oder 30 Prozent pro Kubikmeter.

Hintergrund:

Temperaturen im Waldesinneren bis 8 Grad kühler als in der Stadt
Wer sich im Wald bewegt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit, dies gilt insbesondere an Hitzetagen. Im Wald ist es angenehm frisch und kühl. Weil Bäume mit ihrem mächtigen Blätterdach viel Schatten werfen, heizen sich Wälder nicht so stark auf. „Der Wald bildet sein eigenes Mikroklima aus. Im Wald ist die Lufttemperatur im Sommer kühler als z.B. auf einer Wiese. Nur ein kleiner Teil der Sonnenstrahlen gelangt durch die Blätter auf den Boden. Der Waldboden liegt also die meiste Zeit des Tages im Schatten.

Bei den Lufttemperaturen im Sommerwald können Unterschiede von 3° bis 6°C gegenüber dem Freiland und 4° bis 8°C gegenüber von Städten eintreten. Große zusammenhängende Waldflächen in der Nähe von Städten oder große Stadtwaldflächen beeinflussen das Stadtklima. Die Temperaturunterschiede zwischen Wald und Stadt bewirken einen ständigen Luftaustausch. Dadurch gelangt die reine kühle Luft auch in die Siedlungsgebiete, deshalb sprechen Fachleute auch gerne von der „grünen Lunge“.