Höfken: „Försterinnen und Förster leisten seit Jahrzehnten einen unschätzbaren Beitrag zu Klimaschutz und Waldschutz“

Forstministerin fordert Rückkehr zur Sachdiskussion / 84 Prozent von einer halben Milliarde Bäume sind krank

„Mit Erstaunen habe ich die Forderung der CDU nach vier Millionen Bäumen für Rheinland-Pfalz zur Kenntnis genommen“, sagte Forstministerin Ulrike Höfken heute in Mainz. „Das große Problem der halben Milliarde Bäume in Rheinland-Pfalz sind Dürre und Hitze und die daraus resultierende Anfälligkeit für Schädlinge durch die Klimakrise. Es trifft leider auch Laubbäume wie die Buche. Es nutzt leider nichts, Bäume zu pflanzen, wenn sie an Trockenheit eingehen und wenn nicht alles daran gesetzt wird, die Treibhausgase zu reduzieren. Aber die Ursachen des Problems übergeht die CDU, nicht nur durch das große Rollback beim Klimaschutz auf der Bundesebene. Nur 45 Cent gibt die Bundesministerin pro Hektar angesichts der Krise zusätzlich zur Unterstützung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Und auch hier im Land bekämpft CDU-Vorsitzender Baldauf die Erneuerbaren Energien, kämpft an vorderster Front gegen jedes Windrad und unterstützt jede Rodung für den Straßenbau. Wir werden den Klimaschutz weiter massiv einfordern und gemeinsam mit den Kommunen voranbringen“, sagte die Ministerin weiter.

„Zudem möchte ich klarstellen: Unsere Försterinnen und Förster arbeiten bereits seit Jahrzehnten erfolgreich an einem nachhaltigen Waldumbau und einem naturnahen Wald. Sie leisten täglich eine hervorragende Arbeit und ich möchte mich an dieser Stelle ganz ausdrücklich bei allen Beschäftigten im Forst dafür bedanken, wie sie sich in der Vergangenheit für unseren Wald als Ökosystem eingesetzt haben“, so die Forstministerin. Die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache, so Höfken: 82 Prozent des Waldes in Rheinland-Pfalz sind Mischwälder, der Anteil an Laubbäumen liegt bei 60 Prozent. Die häufigste Baumart ist die Buche, gefolgt von der Eiche. Der gesamte Staatswald ist FSC-zertifiziert und rund zehn Prozent der Staatswaldfläche wird sich selbst überlassen. Und bei den jährlich stattfindenden Waldjugendspielen – gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und den Sparkassen organisiert – haben an mehr als 30 Terminen auch in diesem Jahr rund 15.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen.

„Doch unserem Wald geht es wirklich schlecht. 84 Prozent der Bäume waren bereits Ende 2018 krank. Ich sorge mich seit mehr als einem Jahr ernsthaft um die Zukunft unseres Waldes: Tausende Bäume fallen dem Borkenkäfer zum Opfer. Die Trockenheit hat erstmals dazu geführt, dass die Buchen nicht mehr wie gewohnt ausgetrieben haben. Jungbäume vertrocknen. Die Schäden durch fehlende Niederschläge und Hitze sind noch nicht zu beziffern“, sagte Höfken weiter. „Während die CDU vier Millionen Bäume fordert, haben unsere Försterinnen und Förster täglich ein Schreckensbild vor Augen und müssen weitreichende Entscheidungen für die Zukunft treffen.“ Viel wichtiger sei, wirksamen Klimaschutz in allen Sektoren zu betreiben, um die Ursache für die enormen Waldschäden zu bekämpfen.

„Trotzdem geht es selbstverständlich auch um Akuthilfe. Bereits jetzt sind zwischen zwei und drei Millionen Bäume den Klimawandel zum Opfer gefallen. Aber wir haben längst gehandelt. Es gibt deutlich mehr Fördermittel für den Ausgleich der Klimaschäden, wir arbeiten hier Hand in Hand mit kommunalen und privaten Waldbesitzenden. Im Bundesrat haben wir schon vor Monaten eine bessere finanzielle Unterstützung gefordert – denn der Wald ist Klimaschützer. Die wenigen Cent pro Hektar, die Frau Klöckner versprochen hat, helfen niemandem. Nicht nur wir brauchen ihn, auch die folgenden Generationen haben das Recht auf einen klimaresilienten und gesunden Wald“, so die Forstministerin. Rheinland-Pfalz schöpft im Übrigen die zusätzlich vom Bund bereitgestellten Mittel für den Forstbereich aus und kofinanziert sie. Darüber hinaus hat das Land diese Mittel durch Umschichtung sogar noch einmal deutlich aufgestockt.

Der Großteil der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern wächst durch die sogenannte Naturverjüngung, also durch eine natürlichen Ansamung aus dem Altbaumbestand. „Neun von zehn Jungbäume wachsen auf diese Art nach“, sagte Höfken. Nur da, wo es wirklich notwendig ist, müssen Bäume gepflanzt werden. Das sind allein im Staatswald pro Jahr etwa 700.000 bis 850.000 Pflanzen, im gesamten rheinland-pfälzischen Wald sind es etwa drei bis vier Millionen Bäume. „Durch die Trockenheit konnten wir aber im Herbst 2018 keine Bäume pflanzen, sie wären alle eingegangen. Die Lage ist wirklich ernst“, sagte Höfken und betonte: „Ich würde mich daher freuen, wenn wir über die Zukunft des Waldes wieder eine Sachdiskussion führen könnten, die zu nachhaltigen Lösungen führt und vor allem wertschätzt, was diejenigen tun, die unseren Wald schützen und erhalten. Die absolute Priorität hat der Klimaschutz.“