Waldnachrichten © stock.adobe.com / Anton

© stock.adobe.com / Anton

© stock.adobe.com / Anton

 

Der Star - Vogel des Jahres 2018

Ein echter Star am Himmel

Manchem Winzer mag wohl vor einigen Wochen beim Lesen der Tageszeitung fast die Kaffeetasse aus den Händen gefallen sein: Der Star wurde vom Naturschutzbund Deutschland zum Vogel des Jahres 2018 gewählt.

Im Weinbau können Stare durch ihren Appetit auf Weintrauben erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichten. Denn sie fallen mit großem Appetit in Massen, sprich in Schwärmen über Weinberge her. Warum wurde dann ein solcher Konkurrent um ein verehrtes Genussmittel zum Vogel des Jahresgewählt?

Weil es um diesen total faszinierenden Vogel leider nicht gut bestellt ist.

Eine Million Starenpaare haben wir alleine in Deutschland in nur zwei Jahrzehnten verloren. Jetzt gilt es, den Star durch praktischen Naturschutz und Sicherung des Lebensraums zu unterstützen“, sagt Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender.

Die Zahl der Stare hat sich deutlich reduziert. Die beeindruckenden Vogelschwärme gibt es im Herbst zwar noch zu bewundern, allerdings seltener und meist kleiner als noch vor Jahrzehnten.

Diese Schwarmbildung ist ein einzigartiges Naturschauspiel. Im Herbst bestehen solche Schwärme aus vielen Tausenden Vögeln, der größte wurde bislang in Schleswig- Holstein 2016 beobachtet; man schätze die Zahl auf 220000 Tausend! Der Schwarm schützt die Vögel vor Angreifern, als Einzelvögel wären sie unterwegs viel leichter Beute als im Schutz der Masse. Dabei orientieren sich Stare im Schwarm an bis zu sieben Nachbarvögeln, in dem sie versuchen immer den gleichen Abstand zu den Nachbarn zu halten. Dadurch entstehen unglaublichen Choreografien am Himmel. Tausende Vögel bewegen sich wie ein einziges Wesen am Himmel.

In der Pfalz begeistern die Vogelschwärme, die morgens von den Auenwäldern, wo die Vögel gerne übernachten, in die Weinbauregionen ziehen- und abends wieder zurück. Das abendliche Gezwitscher in den Bäumen das nach und nach ruhiger wird, bis schließlich Stille einkehrt, muss man einmal erlebt haben.

Stare sind auch sonst eher soziale Wesen. Am Futterhäuschen verblüfft es  immer wieder, wie viele Stare friedlich zusammen auf engstem Raum fressen können, ohne Stress zu bekommen. Auch andere Arten wie Sperling und Meisen werden geduldig als Nachbarn ertragen. Sie mögen es auch, wenn viele Artgenossen in der unmittelbaren Nähe brüten.

Gebrütet wird bevorzugt in Baumhöhlen. Wenn es solche aber nicht gibt, weicht er Star auch alle denkbaren Alternativen aus, Mauernischen und Hohlräume aller Art dienen als Ersatz.

Manche Stare sind Standvögel und bleiben im Winter da, zumindest bei uns im Südwesten. Andere ziehen gen Süden, um den Staren Platz zu machen, die von Norden und Osten zu uns ausweichen. Da ist der Star an sich flexibel. Wie auch anderen Gebieten. Der NABU beschreibt auf seiner Internetseite die Paarbildung beim Star als „ziemlich komplizierte Beziehungskiste“

Manche Stare sind monogam, andere haben mehrere Vogeldamen gleichzeitig. Zwischen der ersten und zweiten Brut wird gerne mal der Partner gewechselt. Und auch Eifersucht scheint es zu geben. Männchen bleiben nach der Paarung gerne dicht beim Weibchen, damit sie sich nicht anderweitig umschaut. Es scheint gewisse Parallelen zwischen dem Vogel Star und anderen Stars zu geben…

Und noch was kann der Star: Stimmen imitieren:  Es macht den Ruf anderer Vögel genauso nach wie Klingeltöne des Handys, das Blöcken von Schafen und den Klang von Alarmanlagen. Es gibt Stare die gackern wie Hühner von den Bäumen herunter.

In früheren Jahrhunderten bereicherten Stare, die quasi als Haustiere in Nistkästen am Haus lebten, den Speiseplan der armen Bevölkerung.  Man holte die Jungvögel kurz vor dem Flüggewerden aus den Kästen. In südlichen Gefilden soll es solche Kästen angeblich immer noch geben. Uns ist das heute fremd,  vor allem weil wir keinen Hunger mehr kennen. Gott sei Dank- auch für den Star.

Der Star muss heute geschützt werden. Seine Bestandes Entwicklung steht beispielhaft für viele Arten, deren Zahl sich drastisch reduziert hat. 

Martin Klatt vom NABU bringt es auf den Punkt: „Dort wo früher, um es mal vereinfacht zu sagen, noch Kühe auf der Weide rumrannten und der Star an den Insekten der Kuhfladen wunderbar Nahrung finden konnte, da ist heute nichts mehr. Da sind heute Maisäcker, die Kühe stehen im Stall, und das setzt den Vögeln enorm zu“

zum Vogelportrait