Der schwarz- blaue Ölkäfer – das Insekt des Jahres 2020

Oder: Was Sie schon immer über Potenzmittelchen, Giftmorde und unerwünschte Untermieter wissen wollten

Bereits 1500 vor Christus wurden im alten Ägypten Ölkäfer erwähnt, was alte Papyrusschriften beweisen. Der Käfer enthält ein Gift- und Heilmittel das Menschen seit Jahrtausenden zum Wohl und Wehe der Mitmenschen nutzen.

All Ding ist Gift, es kommt auf die Dosis an

Der Käfer enthält das Reizgift Cantharidin. Die alten Ägypter schrieben dem Mittel eine wehenfördernde Wirkung zu. Wobei sie sicher eine sehr geringe Dosis gewählt haben. Denn bereits kleine Mengen wirken auf den menschlichen Körper giftig. Die Giftmenge im Körper eines einzelnen Käfers ist für einen Erwachsenen bereits tödlich. Es drohen Nieren- und Herzkreislaufversagen. Das Gift soll zehnmal wirksamer sein als Strychnin. Trotzdem hat sich der Mensch immer wieder an die Einnahme des Mittelchens gewagt. Denn es galt als Wundermittel bei speziell männlichen Beschwerden. In Honig zubereitet soll das Gift die Potenz des Mannes retten, wenn sich entsprechende Probleme einstellten. An dieser Stelle sei vor Selbstversuchen dringend ab- und der Besuch des Facharztes angeraten.

Im antiken Griechenland nutze man das Gift des Käfers für Hinrichtungen, im Mittelalter setze man es erfolgreich für Giftmorde ein.

Faszinierende Biologie

Die Entwicklung des Käfers ist ein Wunder in der Biologie. Auffällig an dem Käfer ist der extrem große Hinterleib. Diesen brauchen die Weibchen auch, denn sie legen fünf- bis sechsmal im Abstand von ein, zwei Wochen jeweils bis zu 9000 Eier. Da kommen locker mal 50000 Eier pro Weibchen zusammen.

Dass die Welt nicht binnen kurzer Zeit von Ölkäfern überflutet wird, liegt an der speziellen Lebensweise der Larven. Diese klettern nach dem Schlüpfen auf Blüten und warten dort auf Insekten, die diese besuchen und klammern sich fest. Aber nur, wenn sie auf der Reise als blinder Passagier zufällig bestimmte Wildbienenarten erwischen, kann deren Leben weitergehen. In den Nestern dieser seltenen Wildbienenarten leben die Käfer von den Eiern und Larven der Wildbienen und von dem gesammelten Blütenpollen und Nektar. Schließlich verpuppen sich die Larven und ab März schlüpfen die fertigen Käfer. Die Chance die richtige Wildbienenart zu erwischen ist extrem gering. Und trotzdem funktioniert die Methode seit Jahrmillionen.

Die Lebensräume werden weniger

Insbesondere in unseren Auenwäldern sieht man hie und da noch schwarz- blaue Ölkäfer. Aber die Bestände sind bundesweit rückläufig und die Art wird auf der roten Liste der bedrohten Tierarten geführt. „Carl Bosch, der Vorstandsvorsitzende der BASF aus der Zeit um den 1. Weltkrieg, war ein leidenschaftlicher Käfersammler und hatte auch einige Ölkäfer in seiner Sammlung gehabt. Sein Sammlungsort war Ludwigshafen. Das wäre dort heute sicher wesentlich schwieriger. Von den 14 in Rheinland-Pfalz und Saarland vorkommenden Ölkäferarten sind 13 auf der Roten Liste, 5 davon sind ausgestorben, weitere vier sind vom Aussterben bedroht“, schreibt ein Redakteur der Umweltredaktion des SWR in dem Blog U wie Umwelt.

Vielleicht begegnet Ihnen ja der auffällige Käfer im Frühjahr bei einem Waldspaziergang. Freuen sie sich über den seltenen Gesellen und nutzen sie ihn nicht zur Beseitigung bestimmter Wehwehchen oder unliebsamer Zeitgenossen.

Volker Westermann