Der Reichswald bei Kaiserslautern ist heute eine einzigartige Einrichtung, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen.
Bereits im 14. Jhd. wird in einer alten Niederschrift von "Keyserslutern und des kuniges land doryn" gesprochen. Dieses Land war im Eigentum des Königs und wurde auch als "Königsland und Reich" bezeichnet.
Zur Urbarmachung des Landes bzw. Reiches, vor allem zur Rodung von Wald, erhielten fremde Siedler als Anreiz vielerlei Nutzungsrecht. Unter anderem waren das die Waldweide, das Nutzen von Holz zum Bauen und Heizen und zunächst auch das Fischen in anliegenden Gewässern. Über viele Jahrhunderte hat der Reichswald bei Kaiserslautern wesentliche dieser Nutzungsrechte für die Bevölkerung bis in die Gegenwart bewahrt. Mit einem "Reglement" wurde im Jahr 1839 nach vielen Jahren des Rechtsstreits ein Vergleich zwischen den Nutzungsberechtigten und dem Waldeigentümer geschlossen, der die Nutzungsrechte im Reichswald bis heute regelt. Diese waren u.a. das Raff- und Leseholzrecht, das Streunutzungs- und das Weiderecht.
Heute ist der Reichswald Staatswald; er gehört dem Land Rheinland-Pfalz und wird von Landesforsten, dem Forstamt Kaiserslautern, bewirtschaftet. Die Reichswaldfläche beträgt 5058 Hektar. Die Nutzungsrechte für die Bewohner werden durch die Reichswaldgenossenschaft (RWG; www.rwg-kl.de ) vertreten. Die Verwaltungskommission der RWG, das Entscheidungsgremium, besteht aus 7 Mitgliedern, die von den Gemeinden und der Stadt Kaiserslautern bestimmt werden. Der Vorsitzende der Kommission ist immer der Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern.
Die RWG ist bis heute zur Hälfte an den Einnahmen und den Ausgaben der Bewirtschaftung des Reichswaldes beteiligt. Rodung und Verkauf von Reichswald erfordern die Zustimmung der RWG. Jeder Einwohner von Kaiserslautern und den 14 berechtigten Dörfern erhält bei Bau seines Wohnhauses einen Zuschuss aus der Bauholzberechtigung von der RWG. Die Rechte sind deshalb auch in der Bevölkerung sehr bewusst und bleiben so lebendig.
Die Reichswaldgemeinden sind die Stadt Kaiserslautern, und zwar nur der Kernstadtstadtbereich mit dem Ortsteil Morlautern, die Stadt Ramstein-Miesenbach, die Gemeinden Hütschenhausen, Kottweiler-Schwanden, Niedermohr, Steinwenden, Weilerbach, Erzenhausen, Eulenbis, Mackenbach, Rodenbach, Schwedelbach und der ehemalige Ortsteil Nanzdiezweiler der Gemeinde Nanzdietschweiler.

Quelle: Friedel, H. 1989: "Der Reichswald bei Kaiserslautern"; Verlag Paque -Druck und Verlag- GmbH, Ramstein