In Rheinland-Pfalz steht pro Kopf sehr viel mehr Wald zur Verfügung als im Bundesdurchschnitt. Auf jeden Einwohner beziehungsweise jede Einwohnerin von Rheinland-Pfalz entfallen rechnerisch 2.100 Quadratmeter Wald. Rheinland-Pfalz ist mit 42,3 Prozent Waldanteil gemeinsam mit Hessen das relativ waldreichste Bundesland, dementsprechend hoch ist die Bedeutung des Waldes für Rheinland-Pfalz.

Waldfläche im Vergleich

Waldfläche Deutschland Rheinland-Pfalz Bayern Schleswig-Holstein
Landesfläche in Quadratkilometer 357.168 19.847 70.551 15.799
Einwohner (Millionen) 81,8 4 12,6 2,8
Waldfläche in Quadratkilometer 114.000* 8.400 24.329 1.638
Waldanteil an der gesamten Landesfläche in Prozent 32* 42,3 34,4 10,4
Wald / Einwohner in Quadratmeter 1.404* 2.100 1.962 580
* www.Bundeswaldinventur.de

Entwicklung der Waldfläche

Wiederaufforstung einer Fläche mit Fichte; Bild: Sebastian Heinrich
Wiederaufforstung einer Fläche mit Fichte; Bild: Sebastian Heinrich

Zahlreiche Chronisten berichten aus dem 19. Jahrhundert, dass viele Regionen fast gänzlich entwaldet waren. Gründe dafür waren die starke Übernutzung der Wälder durch die Landwirtschaft und der hohe Holzverbrauch der Industrie. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann eine enorme Wiederaufforstungswelle, wobei überwiegend Nadelhölzer, insbesondere die Fichte angepflanzt wurden, weil sie relativ schnell einen hohen Holzertrag versprachen und weil oftmals eine Aufforstung zunächst mit Pionierbaumarten notwendig war. Die Waldfläche hat in Rheinland-Pfalz seit 1950 weiter um 11,1 Prozent zugenommen. Damit liegt Rheinland-Pfalz bei der Zunahme der Wälder deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die Waldverluste wurden bei weitem kompensiert. Sie entstehen insbesondere durch die Anlage von Wohn- und Industriegebieten, den Straßenbau wie auch der neuen ICE -Trasse Köln-Frankfurt. 

Waldfläche Deutschland Rheinland-Pfalz
50er Jahre 99.500 Quadratkilometer 7.555 Quadratkilometer
2012 114.000 Quadratkilometer 8.400 Quadratkilometer
Zunahme 14.500 Quadratkilometer 845 Quadratkilometer
Zunahme in Prozent 11,4 Prozent 11,1 Prozent
Quelle: 3. Bundeswaldinventur

Baumartenverteilung in Rheinland-Pfalz

Die Wälder in Rheinland-Pfalz waren ursprünglich Buchen-Eichen-Mischwälder und Buchenwälder. Sie bedeckten 90 Prozent der Landesfläche in Rheinland-Pfalz. Zerstörung der Wälder auch infolge der beiden Weltkriege und Übernutzung zu Zeiten der Industrialisierung sowie eine daraus resultierende Nadelholzwelle hatten das Gewicht deutlich zugunsten der Nadelhölzer insbesondere der Fichte und der Kiefer verschoben. 

Erstmals seit Einführung regelmäßiger Bundeswaldinventuren im Jahr 1987 nimmt die Buche den höchsten Waldflächenanteil aller Baumarten in Rheinland-Pfalz ein. Auch von Natur aus käme die Buche am häufigsten bei uns vor. Sie wächst derzeit auf 21,8 Prozent der dauerhaft für Waldbäume vorgesehenen Waldfläche (Holzbodenfläche einschließlich Lücken und Blößen). Damit liegt sie vor der Eiche (20,2 Prozent). Danach folgt die Fichte (19,5 Prozent). Auf den weiteren Plätzen finden sich Kiefer (9,9 Prozent), andere Laubbäume niedriger Lebensdauer wie z.B. Birke, Weide, Erle oder Pappel (8,8 Prozent), andere Laubbäume hoher Lebensdauer wie z.B. Ahorn, Esche oder Hainbuche (7,9 Prozent), Douglasie (6,4 Prozent), Lärche (2,4 Prozent) und Tanne (0,7 Prozent).

Quelle: BWI3; Bild: Gregor Nassen
Quelle: BWI3; Bild: Gregor Nassen

Der Laubbaumanteil liegt in Rheinland-Pfalz bei fast 60 Prozent, der Nadelbaumanteil bei knapp 40 Prozent. Auf ca. zwei Prozent des Waldes kommen Lücken und Blößen vor. Im Staatswald des Landes beträgt der Laubbaumanteil 54 Prozent, der Nadelbaumanteil 44 Prozent. Auch hier sind zwei Prozent Lücken und Blößen.

Anteil an der Waldfläche (Holzboden) im Vergleich der drei Bundeswaldinventuren. Anteil der Lücken und Blößen wurde in der Grafik nicht berücksichtigt; Bild: Gregor Nassen
Anteil an der Waldfläche (Holzboden) im Vergleich der drei Bundeswaldinventuren. Anteil der Lücken und Blößen wurde in der Grafik nicht berücksichtigt; Bild: Gregor Nassen
  BWI 1 (1987) BWI 2(2000) BWI 3 (2012)
Alle Laubbäume 49,9 % 56,2 % 58,7 % (Nur Jungwald bis 4 Meter Höhe = 76,9 % )
Alle Nadelbäume 49,0 % 42,1 % 38,8 % (Nur Jungwald bis 4 Meter Höhe = 23,1 % )

Struktur der Wälder

Ziel der naturnahen Waldwirtschaft in Rheinland-Pfalz sind heute artenreiche und somit stabile Mischwälder.

Mischwälder mit verschiedenen Baumarten kommen in Rheinland-Pfalz auf 82 Prozent der Fläche (Holzboden) vor. Die Fläche der Mischwälder ist seit 2002 um 14.000 Hektar oder 2 Prozent gestiegen.

Auf 69 Prozent der rheinland-pfälzischen Waldfläche stehen zwei- oder mehrschichtige Wälder. D.h. die Bäume wachsen hier in mindestens zwei Waldetagen übereinander. Damit haben die zwei- und mehrschichtige Wälder seit 2002 um über 100.000 Hektar oder 31 Prozent zugenommen.

Struktur der Wälder in Rheinland-Pfalz

Mehrschichtige Wälder mit einem durchschnittlichen Totholzanteil von 23 Kubikmeter Totholz pro Hektar, wie in Rheinland-Pfalz, dienen dem Artenreichtum des Waldes; Bild: Ingrid Lamour
Mehrschichtige Wälder mit einem durchschnittlichen Totholzanteil von 23 Kubikmeter Totholz pro Hektar, wie in Rheinland-Pfalz, dienen dem Artenreichtum des Waldes; Bild: Ingrid Lamour

Einheiten ähnlicher Waldflächen werden in der forstlichen Fachsprache "Bestände" genannt und können sich in ihrer Struktur wie folgt unterscheiden:

Reinbestände
Das sind Bestände, die weder aus verschiedenen Arten noch Bäumen verschiedenen Alters zusammengesetzt sind. Sie erscheinen dem Betrachter homogen und monoton. Die Buche bildet von Natur aus Reinbestände aus. Deswegen ist die Zahl von 15 Prozent Reinbeständen kein Indiz für unnatürliche Wälder.

Mischbestände
Mischung der Arten in einem Waldstück
Mischung des Alters der Bäume in einem Waldstück
Mischung von Art und Alter der Bäume in einem Waldstück

Strukturreiche Bestände
Bestände, die aus verschiedenen Arten von Bäumen verschiedenen Alters zusammengesetzt sind.

Sonstiger Wald
Sonstiger Wald sind Waldflächen, wie zum Beispiel Steillagen, die nur schwierig bewirtschaftet werden können und in denen nur selten Holz geerntet wird.