(Sturnus vulgaris)

Foto: NABU / Georg Dorff
Foto: NABU / Georg Dorff

Noch ist er allgegenwärtig! Der Star fällt zwar nur auf, wenn im Spätsommer sein schwarzes Gefieder wie mit Perlen übersät wirkt oder er im Frühling seinen ungewöhnlichen, schnarrend –schmatzenden Gesang zum Besten gibt. Wenn sich die Stare im Spätsommer aber zu großen Schwärmen sammeln , wird erkennbar, dass der Vogel noch zu den häufigsten und weit verbreiteten Arten Deutschlands gehört. Aber auch seine Bestandszahlen haben erhebliche Einbußen erlitten. Durch moderne Bauweise und Sanierungen in Städten und Dörfern fehlen dem Höhlenbrüter Nistmöglichkeiten. Und noch etwas fehlt ihm: Mist! Geradezu typisch ist das Bild des schwarzen Vogelpaares, das suchend auf der Weide von Kuhfladen zu Kuhfladen schreitet, um die angelockten Insekten oder sich im Dung entwickelnden Larven aufzupicken. Durch die zunehmende Stalltierhaltung wird dieser Anblick immer seltener. Der allgemein beobachtete dramatische Rückgang der Insekten und die intensivierte Landwirtschaft  werden auch für die Starenbestände gravierende Folgen haben. Der grauschwarze Vogel trägt eine gewisse Bescheidenheit zur Schau, dabei ist er ein hervorragender Insektenvertilger  - und ein großer Freund von Kirschen und Weintrauben .  So ist das Verhältnis zwischen Mensch und Star durchaus zwiespältig, er steht als „Mitesser“ im Obst- und Weinbau unter Beobachtung.  Er kann als öffentlicher Indikator für den Artenrückgang gelten: Die Bevölkerung in Dorf und Stadt nimmt viel stärker den Rückgang der Allerweltsvögel  Spatz und Star wahr, als das Verschwinden einer Rarität in einem entfernten Waldwinkel.

Gute Gründe für den Naturschutzbund Deutschland e.V., den Star zum Vogel des Jahres 2018 zu küren.

Aussehen:

Der Star ist etwa 20 Zentimeter groß und damit etwas kleiner als eine Amsel, die zudem wesentlich längere Schwanzfedern hat. Er unterscheidet sich deutlich durch einen geradlinigeren, schwirrenden Flug und ein aufrechtes Schreiten vom oft  geduckten Hüpfen der Amsel mit ihrem eher flatternd-wellenförmigen Flugbild.

Das Männchen  hat im Frühjahr ein schwarzes, metallisch glänzendes  Gefieder  mit blassen Sprenkeln auf Rücken und Flanken, das Weibchen ist eher matt mit deutlicheren hellen Sprenkeln am ganzen Körper, auch auf dem Bauch. Die sehr spitzen Schnäbel sind bei beiden Geschlechtern gelb, haben beim Weibchen eine rötliche,  beim  Männchen eine bläuliche Basis. Im Herbst erfolgt ein Gefiederwechsel, die sogenannte Mauser. Die neuen Federn sind bräunlich und haben weiße Spitzen. Beide Geschlechter wirken dann wie dicht mit Perlen besetzt. Im Laufe des Winters nutzt sich das Gefieder ab und die Punkte werden unscheinbarer oder verschwinden gänzlich, sodass zur Paarungszeit im Frühjahr  insbesondere das Männchen wieder in seinem glänzend schwarzen Prachtkleid prahlt.

Verbreitung:

Das Brutgebiet des Stars um fasst ganz Europa und reicht in einem breiten Gürtel bis in die zentralasiatischen Steppengebiete.  Im Norden und Süden sind die ganzjährigen Vorkommen weniger dicht. Je nach Lebensort sind Stare Teilzieher unterschiedlicher Ausprägung. Viele der Vögel bleiben auch im Winter in Mitteleuropa,  überwiegend ziehen sie jedoch  in die Mittelmeerländer oder – als mögliche Folge der Klimaerwärmung  - zunehmend auch nur in den Südwesten Deutschland. Ein großer Teil der Stare, die wir im Winter beobachten, sind Gäste aus Skandinavien und Osteuropa.

Lebensraum:

Offene Agrarlandschaften sind heute die Lebensräume des Stars und er profitiert in erster Line von der Weidewirtschaft, zusammenhängende Waldgebiete meidet er hingegen. Als Kulturfolger brütet er nicht nur in Baumhöhlen, sondern nutz auch Nischen und Hohlräume in Gebäuden und geht in Parkanlagen, Gärten und Friedhöfen auf Nahrungssuche.

Verhalten:

Stare lieben die Gesellschaft von Artgenossen  und grenzen keine eigenen Reviere ab.  Die Paarbildung ist unterschiedlich: Während einige Männchen in Einehe leben, haben andere mehrere Weibchen gleichzeitig. Insbesondere, wenn die erste der beiden Bruten misslingt, wenden sich die Männchen anderen Partnerinnen zu. Ein aus menschlicher Sicht unschöner, aber der Arterhaltung dienender Vorgang. Ein einzigartiges Naturschauspiel sind die riesigen Starenschwärme im Spätsommer mit koordinierten Flügen voller plötzlicher Wendemanöver, abrupter Sinkflüge und dem  lautstarken abendlichen Einfall in die Schlafbäume.  Die Schwarmbildung dient der Arterhaltung. Greifvögeln als Hauptfeinden fällt es so schwer, sich auf ein einzelnes Beutetier zu konzentrieren, was die Erfolgschancen mindert.

Nahrung:

Stare sind vielseitig bei der Nahrungswahl, die Jungvögel benötigen aber ausschließlich proteinreiche Insekten, Schnecken und Wümer, die die Altvögel am Boden suchen. Regenwürmer im Boden werden „gezirkelt“:  die Stare stechen zunächst in die Erde und öffnen dann den Schnabel, um das Loch zu erweitern. Nur so können sie die Beute im Loch packen.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Stare beziehen im März ihre Nisthölen. Das Weibchen bebrütet ab April die vier bis sechs weiß- bläulichen Eier alleine aus. Nach 12 bis 13 Tagen schlüpfen die Jungen und werden anschließend etwa drei Wochen in der Bruthöhle gefüttert und einige wenige Tage außerhalb des Nestes. Oftmals folgt ein zweites Gelege. Die Brutzeit endet in den letzten Julitagen.

Weitere Informationen zum Vogel des Jahres 2018 : https://www.nabu.de/news/2017/10/23266.html