Hirschkuh; Bild: Ingrid Lamour
Hirschkuh; Bild: Ingrid Lamour

Jagd ist für die Landesregierung zunächst eine legitime, nachhaltige Nutzung der Wildarten als Ausfluss des Eigentumsrechts. Auf den umfassenden gesetzlichen Grundlagen sowohl des Bundesjagdgesetzes wie des Landesjagdgesetzes haben Jagd und die damit verbundene Pflicht zur Hege so zu erfolgen, dass ein an den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepasster, artenreicher und gesunder Wildbestand erreicht wird. Dabei sind gleichzeitig die Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes zu pflegen und zu sichern. Wildschäden sind möglichst zu vermeiden. Gerade für die wertvollen weinbaulichen, landwirtschaftlichen und forstlichen Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz ist diese Aufgabe der Jagd unverzichtbar.

Jagd, wie sie die Landesregierung versteht, berücksichtigt die berechtigten Belange des Tierschutzes ebenso wie die Erhaltung und den Schutz im Bestand bedrohter oder zurückgehender Wildtiere sowie solcher Tiere, die im Sinne des Gesetzes zum Wild zählen aber keine Jagdzeit haben (Luchs, Wildkatze, Greifvögel, zahlreiche Entenarten, und so weiter). Durch den umfassenden Auftrag zur Wildhege und zum Lebensraumschutz pflegen und erhalten Jäger und Jägerinnen zahlreiche Biotope auch für andere Tiere und Pflanzen. 
Die Jagdstrecken in Rheinland-Pfalz belegen, dass die nachhaltige Nutzung der bejagbaren Wildtiere im Einklang mit der Biodiversitätskonvention von Rio de Janeiro aus dem Jahr 1992 steht. Die Wildbestände werden nur in dem Umfang jagdlich genutzt, wie sie tatsächlich nachwachsen. Basis einer modernen und ökologischen Erkenntnissen entsprechenden Jagdausübung ist die umfassende und praxisgerechte Ausbildung, Prüfung und Fortbildung aller Jägerinnen und Jäger in Rheinland-Pfalz.

Seit Mitte der 1990er Jahre gilt das Rotwild auch im Naturschutz als Leitart für den Biotopschutz, die Sicherung der biologischen Vielfalt und insbesondere den Erhalt großer unzerschnittener, verkehrsarmer Räume. An der Erhaltung dieser so markanten, großen, Rudel bildenden Säugetierart und seiner Lebensräume haben die Jägerinnen und Jäger des Landes Rheinland-Pfalz einen entscheidenden Anteil.
Das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten hat sich wegen der besonderen Bedeutung des Rotwildes mit dem Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. als Vereinigung der Jäger auf eine gemeinsame Empfehlung zur Verantwortungsvollen Bewirtschaftung des Rotwildes in Rheinland-Pfalz verständigt.

Wald und Wild

Ziel der Landesregierung und der Waldbesitzenden ist eine stärker ökologisch orientierte Waldentwicklung und damit ein naturnaher Waldbau, der die Vielfalt und Stufigkeit unserer Waldbestände ebenso wie die Naturverjüngung und den Laubholzanteil fördert. Die Jägerschaft identifiziert sich weit überwiegend mit diesen Zielen und ist bereit, einen ganz erheblichen Beitrag durch starke Bejagung insbesondere von Reh- und Rotwild zu leisten.
Örtlich sind aber in unterschiedlichem Ausmaß Wildschäden im Wald immer noch zu hoch und beeinträchtigen die waldbauliche Zielerreichung beziehungsweise verursachen erhebliche Kosten zum Schutz des Waldes gegen Wild. Es bedarf deshalb einer Übereinstimmung bei den Waldbesitzenden, in ihren Zielen bezüglich der Waldwirtschaft einerseits und der Nutzung der Jagd andererseits. So sind hohe Wildbestände und hohe Jagdpachten in der Regel nicht mit geringen Wildschäden und naturnahem Waldbau vereinbar.

Muffellämmer; Bild: Ingrid Lamour
Muffellämmer; Bild: Ingrid Lamour

Gesetzgeber und Landesregierung haben in den letzten Jahren eine Fülle von Rahmenbedingungen geschaffen, die einen Ausgleich von Wald und Wild unterstützen sollen. So wurden zum Beispiel durch Rechtsverordnung in Rheinland-Pfalz die Bewirtschaftungsbezirke und die höchst zulässige Wilddichte von Muffel-, Dam- und Rotwild festgelegt. Durch eine Verankerung der waldbaulichen Gutachten für die Abschussfestsetzung im Landesjagdgesetz wurden sachliche Hinweise der Zielerreichung gegeben. Zudem kann heute der Grundbesitzer, abhängig von dem Ergebnis des waldbaulichen Gutachtens, vom Pächter den körperlichen Nachweis der Erlegung des Schalenwildes fordern. Die Fütterung und Kirrung des Schalenwildes wurde umfassend geregelt. Nach einem grundsätzlichen Verbot gibt es gesetzlich festgelegte Ausnahmen sowohl hinsichtlich der Zeit als auch nach der Art der Futter- beziehungsweise Kirrmittel. Nach dem neuen Landesjagdgesetz ist zur Verringerung von Wildschäden die Ausweisung von Wildschutzgebieten, das heißt Zonen der Ruhe für das Wild durch Wegegebote an Waldbesucher und Waldbesucherinnen, möglich. Auch durch bundesweite Initiativen versucht das Land Rheinland-Pfalz noch bessere Rahmenbedingungen - etwa durch verbesserte Jagdzeiten auf Rehwild zu schaffen. 

Hilfestellungen leistet das Land ferner durch die Unterstützung aller Ansätze, die auf eine Kooperation zwischen Jägerschaft, Waldbesitzenden, Forst- und Jagdbehörden hinwirken. So werden mit der jüngsten Novellierung des Landesjagdgesetzes landesweit die Hegegemeinschaften für Rot-, Dam- und Muffelwild als Körperschaften des öffentlichen Rechts gesetzlich verankert und mit wichtigen Funktionen z.B. bei der Abschussfestsetzung ausgestattet.

Ein Schlüssel zur Konfliktminimierung liegt auch bei den Jagenden selbst. Wie gejagt wird, mit welchen Mitteln und Methoden (Jagddruck, Störung) hat ein bisher oft unterschätzten Einfluss auf die Wildschäden. Aber auch der Forstbetrieb hat umfangreiche Möglichkeiten, zur Lebensraum- und Äsungsverbesserung und damit zur Verminderung von Wildschäden im Wald.

Niederwild

Rebhuhn; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Rebhuhn; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Der deutliche Rückgang von Hasen, Fasanen und Rebhühnern liefert Hinweise auf ökologisch verbesserungswürdige Lebensraumverhältnisse in der Feldflur. Mit der Auflage eines auf Hegeblöcke konzentrierten Programmes mit dem Namen, "Das Mögliche Tun" will das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten gemeinsam mit dem Landesjagdverband Rheinland-Pfalz eine neue Offensive zur Lebensraumverbesserung und Niederwildhege starten.