Wiederbesiedlung und Vorkommen

Ruhige Waldgebiete sind die bevorzugten Lebensräume des Schwarzstorches; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Jungstörche während ihrer ersten Ausflüge; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Nur selten begibt er sich in die Nähe des Menschen und wenn, schwebt er in Gefahr; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Der Schwarzstorch ist mittlerweile wieder - zum seltenen - Bewohner unserer heimischen Wälder in Rheinland-Pfalz geworden. Der scheue und heimliche Vogel reagiert sehr empfindlich gegenüber Störungen. Brutverluste und Nestaufgaben können die Folge sein. Die Art benötigt also ruhige Waldgebiete. Nur selten kreisen die Vögel über ihrem Brutgebiet. Sie fliegen ihr Nest nicht von oben, sondern seitlich durch den Waldbestand gleitend an. Sie leben so verborgen, dass selbst Förster gelegentlich nicht wissen, dass in ihrem Revier der Schwarzstorch brütet. So ist es also kein Wunder, dass ein Geheimnis um ihn weht.

Im Jahre 1890 wurde das damals letzte Schwarzstorchpaar in Rheinland-Pfalz festgestellt. In der Folge blieb der eindrucksvolle Waldvogel für lange Zeit aus den - heute rheinland-pfälzischen - Wäldern verschwunden. Mit einer ersten Brut im Jahre 1982 in der Schneifel begann die Wiederbesiedlung unseres Bundeslandes. Es setzte eine überaus positive Bestandsentwicklung ein, die zu einem stabilen Brutbestand von derzeit 30 – 40 Schwarzstorchpaaren mit Schwerpunkt im nördlichen Rheinland-Pfalz führte. Das derzeitige Verbreitungsgebiet umfasst Westerwald, Taunus, Eifel, Hunsrück und Saar-Nahe-Bergland. Im Pfälzerwald wurde bislang noch kein Brutvorkommen bestätigt, aber es wird vermutet.

Brütete die Art in historischer Zeit in Urwäldern, findet sie heute in naturnah bewirtschafteten Wäldern geeignete Lebensbedingungen. Dies zeigt, dass die nachhaltige, pflegliche und naturnahe Bewirtschaftung der Wälder in Rheinland-Pfalz die Voraussetzung für die erfolgreiche Wiederbesiedlung in der jüngeren Vergangenheit geschaffen hat. Es ist kein Zufall, dass die Wiederbesiedlung und der Bestandsaufbau des Schwarzstorches in Rheinland-Pfalz  mit der Umstellung auf die Naturnahe Waldbewirtschaftung zeitlich übereinstimmen. Näheres dazu finden Sie auf der Seite: „Naturnahe Waldbewirtschaftung durch die Förster hilft dem Schwarzstorch“.

Nachfolgende Tabelle stellt die Bestandsentwicklung in der Region Trier dar, die etwa ein Viertel der gesamten Landesfläche umfasst. Aufgelistet sind nur die tatsächlich nachgewiesenen Brutvorkommen. Die „Dunkelziffer“ nicht genau lokalisierter Brutplätze beträgt schätzungsweise 30 – 50 % des wirklichen Bestandes, so dass wir von 10 – 14 Brutpaaren in der Region Trier ausgehen können.

Schwarzstorchnester mit nachgewiesenen Bruten in der Region Trier

(Landkreise BIT, DAU, TR, WIL und Stadt Trier)

Jahr Anzahl besetzter Nester davon Brutverluste Anzahl ausgeflogener Jungvögel
1982 1 0 3
83 1 0 4
84 1 0 4
85 1 0 2
86 1 0 3
87 0 0 0
88 0 0 0
89 1 0 2
90 1 0 4
91 3 0 11
92 2 0 5
93 3 0 10
94 2 0 7
95 2 0 6
96 2 0 8
97 2 0 8
98 3 1 7
99 3 0 8
2000 3 0 9
01 5 1 14
02 3 0 9
03 3 0 10
04 3 0 8
05 4 0 11
06 4 0 12
07 5 1 13
08 7 0 23
09 7 0 25
10 5 1 19
Summe: 78 4 245

Aussehen

Junge Schwarzstörche (erstes Lebensjahr) mit braunem Gefieder und gelblichem Schnabel. Die Flügelspannweite misst bis zu zwei Meter; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Junge Schwarzstörche (erstes Lebensjahr) mit braunem Gefieder und gelblichem Schnabel. Die Flügelspannweite misst bis zu zwei Meter; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Dass der Schwarzstorch nicht nur schwarz ist zeigt sich im Sonnenlicht; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Dass der Schwarzstorch nicht nur schwarz ist zeigt sich im Sonnenlicht; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

„Black is beautiful“. Das gilt im besonderen Maße für den Schwarzstorch.

Geringfügig kleiner als der Weißstorch, besitzt ein stehender Schwarzstorch eine Länge von 90 bis 105 cm. Seine Flügelspannweite beträgt 175 bis 200 cm. Trotz dieser beachtlichen Größe beträgt sein Gewicht nur etwa 3 kg.

Zwar kann man Männchen und Weibchen äußerlich nicht unterscheiden, wohl aber die Altersstufen.

Der schwarze Kopf, Hals, Brust und die Flügel der Altvögel unterscheidet den Schwarzstorch auf den ersten Blick von seinem weißen Vetter. Die namensprägenden schwarzen Körperpartien besitzen einen grünlichen bis violetten Metallglanz. Nur im Flugbild erkennt man, dass die Flügel nicht insgesamt schwarz sind, sondern unterseits weiße Achselfedern besitzen. Diese bilden zusammen mit der weißen Bauchfärbung ein markantes, das Flugbild prägendes weißes Dreieck. Beine, Schnabel und die unbefiederte Haut um das Auge weisen eine kräftige rote Farbe auf.

Jungvögel in ihrem ersten Kalenderjahr tragen ein nicht so lebhaft gefärbtes Jugendkleid.
Die schwarzen Gefiederpartien der Altvögel sind bei ihnen noch mattbraun, an Kopf und Hals etwas aufgehellt. Schnabel und Beine sind grünlichgelb und nicht rot wie bei den Altvögeln.

Auch Jungvögel im zweiten Kalenderjahr haben noch ein mattbraunes Gefieder, der Schnabel ist jedoch fleischfarben bis mattrot, ebenso die Beine. Das unterscheidet sie von den Jungvögeln im ersten Kalenderjahr, das noch mattbraune Gefieder unterscheidet sie hingegen von den älteren Vögeln.

Lebensraum

Nahrungssuche im Forellenbach. „Beschirmt“ von Erlen fühlt sich der Schwarzstorch sicher; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Nahrungssuche im Forellenbach. „Beschirmt“ von Erlen fühlt sich der Schwarzstorch sicher; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Schwarzstörche bevorzugen zum Brüten größere, naturnahe Laub- und Mischwälder im Reifestadium (alte Bäume). Zur Nahrungssuche sind zahlreiche Kleingewässer und Feuchtgebiete im näheren und weiteren Umfeld erforderlich, insbesondere naturnahe Bachläufe und Täler.
Als Nestbäume werden in Rheinland-Pfalz  folgende Baumarten genutzt: 53 % Buche, 35 % Eiche und 12 % andere Baumarten. Es handelt sich um ältere großkronige Bäume in meist licht stehenden Altholzbeständen, die zur Nestanlage ausgesucht werden.

Zur Nahrungssuche hält er sich gerne in Bächen oder Gräben auf oder an Teichen und Tümpeln.  Dort fischt er seine Nahrung aus dem seichten Wasser. Hin und wieder werden auch Waldwiesen oder waldnahes Grünland aufgesucht, um dort kleine Beutetiere zu finden.

Die Nahrungsreviere in unseren Mittelgebirgslandschaft sind sehr groß. Ein brütendes Schwarzstorchpaar benötigt ein Gebiet von 12 bis 15 km Radius um das Nest. Aufgrund  ihres kraftsparenden Segelns in der Thermik sind Schwarzstörche in der Lage, aus einem solch großen Areal die Nahrung für die Jungen zu sammeln. Dieses funktioniert auch in ungünstigen Zeiten für die Nahrungsbeschaffung wie länger andauernde Regenperioden oder Hochwassersituationen.

Werden Schwarzstörche doch langsam zu Kulturfolgern?

Schwarzstorch im Vorgarten; Bild: Schülerfoto
Schwarzstorch im Vorgarten; Bild: Schülerfoto

Sicherlich wäre das zum gegenwärtigen Zeitpunkt (April 2014) zu weit gesprungen. Dass aber zwischenzeitlich einzelne Exemplare durchaus mit dem Menschen "vertraut" werden belegt ein Foto von Heike Tibes. Dazu Frau Tibes: "...ich konnte gestern Vormittag in einem Vorgarten (!) im Ortsbereich von Nettersheim einen Schwarzstorch sichten. Saß seelenruhig auf einer Mauer und putzte sich, obwohl wir mit 15 Kindern nur ca. 50 Meter entfernt standen...."

Lebensweise

Schwarzstörche sind Zugvögel. Mittel- und westeuropäische Brutvögel ziehen ins nördliche Afrika, zum Teil auch in den Nahen Osten. Die Rückkehr verläuft unterschiedlich in Abhängigkeit vom Alter. Erwachsene Brutvögel kehren bereits Ende Februar und im März wieder in ihre Brutheimat zurück. Nichtbrütende Schwarzstörche in ihrem zweiten, teilweise noch in ihrem dritten Kalenderjahr, erreichen Europa überwiegend im Monat Mai. Der Wegzug findet im September statt. Bei Jungvögeln kommt es nach ihrem Selbständigwerden und vor dem Wegzug zu einem nicht zielgerichteten Umherstreifen.

Schwarzstörche belegen zur Brutzeit hierzulande große Reviere, aus denen sie Konkurrenten vertreiben.

Der aktive Flug wird mit tief ausholenden langsamen Flügelschlagen ausgeführt, die Beine ragen dabei weit über das Schwanzende hinaus. Kopf und Hals werden gerade, der Schnabel leicht abwärts gehalten. Das unterscheidet das Flugbild schon in der Ferne deutlich von dem eines Reihers. Wenn immer möglich, wird der kraftsparende Gleitflug mit ausgebreiteten leicht abwärts gebogenen Flügeln ausgeübt. Wie auch beispielsweise viele Greifvögel nutzen auch Schwarzstörche dafür möglichst gute Thermik.
Ein selten schöner Anblick: Ein Schwarzstorch bei der Gefiederpflege; Bild: Martin HormannEin selten schöner Anblick: Ein Schwarzstorch bei der Gefiederpflege; Bild: Martin Hormann

Nahrungssuchend schreitet ein Schwarzstorch durch seichtes Wasser oder gelegentlich auch über Grünland. Dabei wird bachbegleitendes Ufergehölz zur Beschirmung der Wasserfläche ausgenutzt, um im Wasser besser die Nahrung zu erspähen. Gleichzeitig ist der sehr dunkle Vogel im Schatten der Ufergehölze gut getarnt.

Schwarzstörche zeigen in der Nestbesetzungsphase und beginnenden Brutzeit einen auffallenden Balzflug, den das Paar zusammen ausführt. Dabei spielt das sogenannte „Flaggen“ eine große Rolle, das auffallende Präsentieren der gespreizten weißen Unterschwanzdecken. Es dient sowohl der Paarbindung als auch dem Vertreiben von Rivalen.

Obwohl Schwarzstörche über verschiedene Rufe und Lautäußerungen (Schnabelklappern) verfügen, hört man diese nur äußerst selten.

Schwarzstörche sind gegenüber dem Menschen meist scheue Vögel mit 300 – 500 m Fluchtdistanz.
Auch Molche gehören zum Speiseplan; Bild: Thomas Bengt-GröbelAuch Molche gehören zum Speiseplan; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Die Nahrung besteht ganz überwiegend aus Tieren, die in Bächen, Teichen und Tümpeln leben. Fische, Frösche, Molche, Krebse und Wasserinsekten bilden den Hauptanteil. Einen geringeren Anteil im Nahrungsspektrum nehmen landbewohnende Tiere ein wie Regenwürmer, Insekten und Mäuse.

Schwarzstörche werden im Alter von ca. drei Jahren geschlechtsreif. Das sehr große Nest wird bei uns fast stets auf alten Bäumen im unteren Kronenbereich oder auf Seitenästen angelegt. Darin findet jährlich nur eine Brut statt. Die Nester können 10 Jahre und länger benutzt werden.

Die Eiablage beginnt ab Mitte April. Das Gelege umfasst 3 – 5 Eier, in den meisten Fällen 4. Es wird 32 – 40 Tage bebrütet. Beim Brüten wechseln sich die beiden Elterntiere regelmäßig ab. Die Nestlingszeit beträgt 62 bis 69 Tage. Beide Elterntiere füttern und bringen jeweils eine größere Futtermenge auf einmal mit. Die Zeit des Flüggewerdens der Jungen fällt meist in die zweite Julihälfte. Eine Bindung zum Nest besteht aber noch bis etwa Mitte August.

Der Bruterfolg ist bei den untersuchten Paaren in der Eifel und im Hunsrück mit 3,1 ausgeflogenen Jungvögeln/Brutpaar vergleichsweise hoch.

Naturnahe Waldbewirtschaftung durch die Förster hilft dem Schwarzstorch

Bewirtschaftete Mischwälder weisen optimale Anflugschneisen zum Horst auf; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Bewirtschaftete Mischwälder weisen optimale Anflugschneisen zum Horst auf; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Die naturnahe Waldbewirtschaftung bindet natürlich ablaufende Prozesse der Natur möglichst weitreichend in die moderne Forstwirtschaft mit ein. Bäume werden einzeln genutzt und nicht großflächig in Kahlschlägen. Der Anteil an alten Bäumen steigt stetig. Die Althölzer  verjüngen sich natürlich, es braucht also nicht gepflanzt zu werden. Mischwälder mit höheren Laubbaumanteilen und Baumartenvielfalt werden angestrebt, unter Berücksichtigung der natürlichen Waldgesellschaft und der Standortsverhältnisse. Stehendes und liegendes Totholz werden stellenweise belassen. An Bachläufen werden Nadelbäume zurückgedrängt zugunsten von natürlich dort vorkommenden Laubbaumarten, stellenweise werden offene Strukturen an Bächen und in Quellgebieten erhalten und geschaffen.

Wurde früher nur in Einzelfällen nach diesen Prinzipien gearbeitet, begann das Umdenken und die Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Rheinland-Pfalz im Sinne der Naturnahen Waldbewirtschaftung in den 80er Jahren und verstärkte sich nach den Orkanen Vivian und Wiebke im Jahre 1990. Diese hatten in den mitteleuropäischen Wäldern zu verheerenden Windwürfen geführt und das Erfordernis aufgezeigt, künftig stabilere Waldbestände zu erzielen.

In diese Zeit fällt auch die  Rückkehr des Schwarzstorches und das Anwachsen sowie die Ausbreitung der Brutpopulation in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus in die westlich angrenzenden Länder Belgien, Luxemburg und Frankreich. Der Gedanke liegt nahe, dass es sich um keine zufällige zeitliche Übereinstimmung dieser beiden Entwicklungen handelt. Wohl war die Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Rheinland-Pfalz nicht der allein ausschlaggebende Faktor für den positiven Bestandstrend beim Schwarzstorch, sie hat diese Entwicklung aber doch sehr stark begünstigt und sogar die Voraussetzung dafür geschaffen.

Im einzelnen sind es folgende Einflüsse, die unsere Forstwirtschaft nach Umstellung auf die naturnahe Waldbewirtschaftung auf den Brutbestand des Schwarzstorches ausübt, die seine Rückkehr in die rheinland-pfälzischen Wälder überhaupt erst möglich gemacht und gefördert haben:

  •  Umwandlung zu mehr Laub- und Mischwäldern schafft geeignete Brut- und Nahrungshabitate.
  • Vermehren und Erhalten alter Baumbestände durch Erhöhung der Erntealter und Zielstärkennutzung, gleichzeitig Kahlschlagsvermeidung und Verbesserung des Waldgefüges: Naturnahe Waldbewirtschaftung führt zu mehr alten und dicken Bäumen im Wald und zu einem stufigen, mehrschichtigen und abwechslungsreichen Waldgefüge.
  • Zur naturnahen Waldwirtschaft gehört auch, dass stellenweise stehendes Totholz belassen wird (soweit dieses keine Gefahr für Menschen durch Umstürzen darstellt) sowie besondere alte Bäume oder Baumgruppen erhalten werden.  Stehendes Totholz und alte Einzelbäume und Baumgruppen sind wichtige Elemente bei den Lebensraumansprüchen von Schwarzstörchen im Umfeld des Brutplatzes.
  • Extensive Bewirtschaftung der Talsohlen von Bachtälern im Wald, Zurücknahme des Nadelholzanteiles, Förderung der standortstypischen Laubgehölzarten, Offenhaltung bislang offener Talabschnitte. Dies fördert die Fisch- und Amphibienpopulationen der Kleingewässer und somit die Nahrungsgrundlage und –verfügbarkeit für den Schwarzstorch.
  • Bodenschutzkalkung verringert die Versauerung der Waldböden durch Luftschadstoffe. Dadurch verbessern sich ebenfalls die Lebensbedingungen für Amphibien und Fische in den Kleingewässern.

Gefährdungsursachen

Schwarzstorch – Opfer einer Schlagfalle; Bild: Martin Hormann
Schwarzstorch – Opfer einer Schlagfalle; Bild: Martin Hormann
  • Der scheue Schwarzstorch reagiert empfindlich auf Störungen durch Menschen in Brutplatznähe, vor allem zu Beginn der Brutzeit. Unter Umständen wird der Brutplatz verlassen. Störungsursache kann z.B. unkoordinierte Freizeitnutzung sein (Reiter, Hobby-Fotografen, Radfahrer...) und unkoordinierte jagdliche und forstliche Maßnahmen
  • Kollision mit Freileitungen und Stromschlag an noch ungesicherten Strommasten
  • Horstabstürze oder Abbrüche nesttragender Äste infolge von Stürmen
  • Schadstoffbelastung der Beutetiere
  • Verluste durch Abschuss und Fang in den Winterquartieren und auf den Zugwegen
  • In geringem Umfang Gelegeverluste durch andere Tierarten, z.B. Kolkrabe, Uhu, Waschbär

Gezielte Schutzmaßnahmen

Mit Abdeckhauben vorbildlich gesicherter Mast an einer Mittelspannungsleitung; Bild: Martin Hormann
Mit Abdeckhauben vorbildlich gesicherter Mast an einer Mittelspannungsleitung; Bild: Martin Hormann
  • Einrichtung von Horstschutzzonen von 300 m Radius um den Brutbaum reduziert Störungen durch forstliche Arbeiten zur Revierbesetzungs- und Brutzeit (Anfang März bis Ende August)
  • Renaturierung von Fließgewässern und Anlage von flachen Teichen verbessern die Nahrungshabitate im Brutgebiet
  • Anbringen von Brutplattformen im Falle von Horstabstürzen unterstützt das Brutgeschäft
  • Lenkung der Jagd- und Freizeitaktivitäten von Waldbesuchern sollen Störungen vorbeugen
  • Fortbildung der Försterinnen und Förster sowie allgemeine Informationen zum Schwarzstorch verbessern den Kenntnisstand
  • Jährliche Erfassung des Brutbestandes und Bruterfolges als Voraussetzung von Schutzmaßnahmen

Markierung

Die Ringe, der ersten in Rheinland-Pfalz beringten Schwarzstörche; Bild: Sebastian Heinrich
Die Ringe, der ersten in Rheinland-Pfalz beringten Schwarzstörche; Bild: Sebastian Heinrich

In Rheinland-Pfalz erfolgte die erste Farbberingung einer Schwarzstorchbrut im Jahre 2010. Durchgeführt wurde sie von dem Schwarzstorchspezialisten Carsten Rohde in Zusammenarbeit mit Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland und den Förstern Georg Graf von Plettenberg, Christian Ossweiler, Sebastian Heinrich und Axel Henke von Landesforsten Rheinland-Pfalz.
Die vier Hunsrücker Jungstörche erhielten jeweils einen schwarzen und weißen Ring der Nummernfolge T124 - T127.

Dies sollte der Auftakt für weitere Beringungsaktionen in den nächsten Jahren sein. Ringablesungen werden von Karl-Heinz Heyne, Forstamt Bitburg, khheyne@wald-rlp.de, gesammelt, weitergeleitet und ausgewertet.

Die ersten Erkenntnisse aus Farbringablesungen in Rheinland-Pfalz betreffen Schwarzstörche, die in Frankreich beringt worden waren, und sind sehr vielversprechend, da sie einiges über die Lebensgeschichte der Vögel verraten:

  1. Ein von 2008 bis 2010 – und hoffentlich auch in den kommenden Jahren - im Forstamtsbereich Birkenfeld im Hunsrück brütender Schwarzstorch trug einen roten Farbring mit der Aufschrift CH 14 (G.Graf von Plettenberg, C.Ossweiler).  Wie sich herausstellte, stammte er aus Frankreich. Am 04.06.2005 beringte Paul Brossault diesen Storch als Nestling in Burgund, Raum Dijon, Département Côte d’Or. Übrigens war ein Elternteil dieses Vogels, der also dort brütete, ebenfalls nestjung beringt worden: 1999 im Norden des Großherzogtums Luxemburg, Raum Clairvaux (roter Ring, Nr. C6J).
  2. Weiterhin brütete im Jahre 2010 ein mit rotem Ring markierter Schwarzstorch, Ring-Nr.CC 72,  im Forstamtsbereich Prüm/Eifel. Das Ablesedatum war der 09.05.2010 (KH.Heyne). Die Brut war zu diesem Zeitpunkt nach Zerstörung des Geleges durch Kolkraben aufgegeben worden. Die Herkunft dieses Eifeler Brutvogels liegt in den französischen Ardennen, Raum Charleville-Maizières, wo er als Nestling am 02.06.2005 von Gérard Jadoul beringt worden war.

Melden von Beobachtungen

Selten hält sich der Schwarzstorch so in unserer Nähe auf; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Manchmal kann man einen Blick auf ihn erhaschen, wenn er auf Beutezug geht; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Nur was wir kennen, können wir auch schützen. Durch die jährliche, möglichst vollständige  Erfassung des Brutbestandes, des Bruterfolges und der Ursachen für Brutverluste lassen sich verlässliche Grundlagen für weitere Schutzmaßnahmen ableiten. Wir halten es daher für wichtig, dass möglichst viele Beobachtungen von Schwarzstörchen – insbesondere Hinweise auf Brutvorkommen – zentral gesammelt werden. Ansprechpartner bei Landesforsten für Beobachtungsmitteilungen aus Rheinland-Pfalz ist Karl-Heinz Heyne (E-Mail:  khheyne@wald-rlp.de).

Sämtliche Meldungen sowie die Standorte der Brutbäume werden zum Schutz der „Waldstörche“ vertraulich behandelt und geheimgehalten.

Es ist weiterhin vorgesehen, dass Vertrauenspersonen die Betreuung eines Horstes übernehmen. Über einen Rundbrief sollen sie über die aktuelle Entwicklung der  Schwarzstorchvorkommen in Rheinland-Pfalz auf dem laufenden gehalten werden.