In diesen durch menschliche Eingriffe ungestörten Bereichen sollen in vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten die “Urwälder von morgen” entstehen.
Die natürliche und spontane Entwicklung in den Naturwaldreservaten wird durch Forschungsprojekte der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) beobachtet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen werden unter anderem Schlüsse für die naturnahe Waldbewirtschaftung gezogen. In Naturwaldreservaten darf kein Holz gefällt und entnommen werden. Abgestorbene Bäume bleiben stehen oder liegen und verrotten allmählich. Es wachsen dort nur die Pflanzen, die sich natürlich ansamen. So entstehen allmählich Urwaldstrukturen.
Ausnahme bildet nur die Jagd. Um überhöhte Wildbestände und die damit verbundenen Verbissschäden an Bäumen zu vermeiden, wird in diesen “Ruhezonen” die Jagd ausgeübt.

Ziele

Naturwaldreservate erfüllen gleichzeitig Forschungs-, Naturschutz- und Umweltbildungsaufgaben. Das Hauptanliegen ist die Erforschung der natürlichen Entwicklung von Waldstruktur, Boden, Pflanzen- und Tierwelt.
Die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in die Behandlung von Wirtschaftswäldern bei Lösungen waldbautechnischer Fragen im Rahmen des naturnahen Waldbaus ein.
Durch konsequente Sicherung der Flächen und der natürlichen Abläufe erfüllen Naturwaldreservate auch Aufgaben des Naturschutzes. Sie tragen insbesondere zum Schutz natürlicher Waldlebensgemeinschaften in ihrer für den Lebensraum typischen Arten- und Formenvielfalt bei.

Langfristig erreichen die Wälder in Naturwaldreservaten eine höchstmögliche Natürlichkeit, weshalb sie sich auch als Maßstäbe (bedeutet: Weiserflächen) dafür eignen. Ursprüngliche Strukturen, sehr alte Bäume und zahlreiches Totholz vermitteln den Eindruck und das Erlebnis von Urwald. Interessierte Waldbesucher haben zudem die Möglichkeit, natürliche Zusammenhänge im Wald zu erfahren.

Flächen und Standorte

In Rheinland-Pfalz sind derzeit 60 Naturwaldreservate mit einer Fläche von 1993 Hektar ausgewiesen. Die Reservate sind zusätzlich von insgesamt rund 2000 Hektar Pufferzonen (= Schutzzonen) umgeben. Im Durchschnitt ist ein Naturwaldreservat 33 Hektar groß.

Schwerpunktmäßig liegen die Naturwaldreservate im Süden des Landes verteilt, wo große zusammenhängende Wälder und hohe Staatswaldanteile die Suche und Ausweisung erleichterten.
Das Naturwaldreservatnetz soll vor allem in den nördlichen Landesteilen um noch fehlende Flächen ergänzt werden. Die Landesforsten sind ebenso bestrebt, bestehende, aber noch zu kleine Reservate zu erweitern.

Forschung

Aus dem Anspruch, die natürlichen Abläufe in Naturwaldreservaten zu beobachten, leiten sich die Forschungsprogramme her. 
Die wichtigsten Grundlagen für jeden Wald sind Boden und Klima und was den Wald ausmacht, nämlich Waldbäume und Waldstruktur. Daher werden in jedem Naturwaldreservat nach dem sogenannten Standardprogramm der Standort kartiert und die Waldstrukturen erfasst. Luftbilder und Fotografien dokumentieren ergänzend die in Zahlen und Karten nicht darstellbaren Verhältnisse.

In ausgewählten Schwerpunktreservaten finden zusätzlich Spezialuntersuchungen statt. Es handelt sich um Aufnahmen besonderer Pflanzen- und Tiergruppen, die im Gefüge Wald eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise die Krautdecke, Moose, Flechten, Bodenlebewesen, Totholzkäfer, Vögel und Fledermäuse.

Diese Untersuchungen sollen alle zehn Jahre wiederholt werden, um aus den Veränderungen die Entwicklungen der Waldlebensgemeinschaft ableiten zu können.

Auswahl

Nicht jeder beliebige Waldteil ist als Naturwaldreservat geeignet. Bei der Auswahl von Flächen wird nach folgenden Gesichtspunkten verfahren:

Naturwaldreservate sollen dort errichtet werden, wo die wichtigsten Waldstandorte liegen. Das bedeutet gleichzeitig, dass sie alle wichtigen typischen Waldgesellschaften umfassen sollen.

Der Wald soll möglichst aus Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft zusammengesetzt sein.

Wegen vielfältiger Randeinflüsse ist eine Größe nicht unter 20 Hektar in kompakter Ausformung anzustreben.

Straßen, Parkplätze, Gebäude und Betriebe oder andere Elemente, von denen Störungen zu erwarten sind sowie ein starker Erholungsverkehr stehen den Zielen von Naturwaldreservaten entgegen und sind zu vermeiden.