Was macht der Borkenkäfer mit dem Wald? 11 Fragen und Antworten

Durch das monatelange heiße und trockene Wetter gibt es so viele Borkenkäfer wie kaum zuvor. Was das für den Wald und die Forstwirtschaft bedeutet und wie die die Forstleute den Wald schützen, erfahren Sie in diesen FAQs.


1. Warum ist der Borkenkäfer dieses Jahr besonders ein Problem?
Das hat drei Gründe: Zum einen war es diesen Sommer besonders heiß und in vielen Regionen auch trocken. Das schwächt die Bäume und sie können Borkenkäfer nicht mehr so gut abwehren. Zweitens gab es im Winter und Frühjahr viel Windwurf. Die von Stürmen umgefallenen Bäume bieten den Käfern einen idealen Brutraum – der Baum kann sich ja nicht mehr wehren. Und drittens: Auch im Jahr davor gab es im Frühsommer eine trocken-warme Periode, in der sich der Borkenkäfer gut entwickeln – und vermehren konnte, so dass dieses Jahr im Frühjahr schon viele Borkenkäfer unterwegs waren.

2. Wie hoch ist der Schaden?
Bisher haben wir schon fast drei mal so viele Bäume fällen müssen wie im Vorjahr zu dieser Zeit (280.000 Fm). Bis zum Jahresende und möglicherweise auch in den kommenden Jahren wird es noch um einiges mehr werden.

3. Konnte man das nicht schon vorher ahnen, dass dieses Jahr ein Borkenkäfer-Jahr wird?

Ein klares Jein. Mit einer so langen Hitzeperiode hat kaum jemand gerechnet. Dass in manchen Regionen über Monate hinweg kein Niederschlag gefallen ist – das gab es bis dato noch nicht. Nicht umsonst sprechen dieses Jahr zum ersten Mal Klima-Wissenschaftler auch von einer kommenden „Heißzeit“. Dass die Fichte in einigen Regionen von Rheinland-Pfalz immer weniger dem Klima gewachsen und deshalb geschwächt ist, ist bekannt. Es wäre aber weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, sie alle schon vor 15 Jahren gefällt zu haben. Als die meisten Fichten vor rund 70 Jahren gepflanzt wurden, waren die Temperaturen noch kühler. Je wärmer es allerdings ist, desto mehr ist die Fichte geschwächt.

4. Was machen die Forstleute, um die Bäume vor dem Käfer zu retten?
Aktuell haben die Forstleute drei Möglichkeiten, wenn das Holz schon befallen ist: Erstens, müssen sie das Holz so schnell wie möglich aus dem Wald schaffen, damit sich der Käfer nicht weiter vermehren und noch mehr Bäume befallen kann. Zweitens können die Forstleute das geschlagene Holz von der Rinde befreien. Da der Borkenkäfer, wie der Name schon sagt, auf die Borke als Brutraum angewiesen ist, hat er so keine Chance mehr, weiter zu brüten. Entrindungsmaschinen sind aber teuer und auch nicht immer verfügbar. Drittens kann man gepoltertes Holz, also wenn es auf einem Stapel liegt, mit Insektiziden behandeln. Dann wird der Käfer und seine Brut getötet.  In Rheinland-Pfalz ist der Staatswald, der rund ein Viertel der Waldfläche in Rheinland-Pfalz ausmacht, FSC zertifiziert.  Hier ist der Einsatz von Pestiziden grundsätzlich verboten. Nur in sehr speziellen Ausnahmefällen und auch nur nach einer behördlichen Anordnung darf der Borkenkäfer damit bekämpft – und auch dann nur, wenn der Baum bereits gefällt und das Holz gepolter ist. 

5. Wenn eine große Waldfläche vom Borkenkäferbefall betroffen ist, wird dann der ganze Wald abgeholzt?
Damit sich der Käfer nicht weiter verbreitet, werden nur befallene Bäume gefällt. Gesunde Bäume bleiben stehen.

6. Woran erkennt man, ob der Käfer in der Borke steckt?

Das erkennt man daran, dass sich kleine braune Bohrmehlhäufchen auf der Rinde zeigen. Der „Buchdrucker“, eine Borkenkäferart, befällt die unteren Stammabschnitte. Der kleinere „Kupferstecher“ hat es auf das dünnere Holz, also jüngere Bäume oder dünnere Stammteile abgesehen.. Bei beiden Borkenkäferarten erkennen die Forstleute den Befall also am besten, wenn sie den Baum nach Bohrmehl untersuchen. Ist der Baum stark befallen, verfärben sich die Nadeln der Fichte rot und fallen dann ab. Der Baum vertrocknet, da durch die Gänge des Borkenkäfers der Wasserfluss im Baum unterbrochen ist.

7. Was passiert, wenn der Wald von Borkenkäferbefall betroffen ist?

Ein gesunder Fichten-(Misch)-Wald kann sich in normalen Jahren gegen Angriff der Borkenkäfer wehren. Wenn einzelne Bäume ausfallen, verändert das das Waldökosystem kaum. Ist es aber so warm wie in diesem Jahr, müssen viele befallene Bäume  gefällt werden. Das heißt: Die Fichte verschwindet dann aus einigen Mischwäldern. Aus den Freiflächen entstehen aber neue Wälder, zum Teil passiert das ganz natürlich durch die Samen anderer Bäume, zum Teil pflanzen die Forstleute aber auch Bäume nach. Sie wählen dann solche Baumarten aus, die an den Standort gut angepasst sind und mit den wärmeren Temperaturen besser zurechtkommen als die Fichte. Insgesamt ist es das Ziel, dass gesunde, klimastabile Mischwälder entstehen.

8. Warum gibt es überhaupt so viele Fichten, wenn man doch weiß, dass sie für den Borkenkäfer anfällig sind?
Schon im 18. Jahrhundert wurde die Fichte auf großen Flächen gepflanzt. Da man vorher den Wald übernutzt hat, brauchte man schnell Nachschub. Den brachte die Fichte: Sie ist sehr anspruchslos und wächst sogar auf nährstoffarmen Böden schneller als viele andere Baumarten. Auch nach den Weltkriegen mussten Reparationsleistungen in Form von Holz erbracht werden. Der Anteil der Fichte geht aber kontinuierlich zurück und liegt heute bei rund 20 Prozent.
Landesforsten Rheinland-Pfalz betreibt eine naturnahe Waldwirtschaft und setzt auf klimastabile Mischwälder. Es werden also zum einen verschiedene Baumarten gepflanzt und zum anderen auch solche, die besser als die Fichte mit dem Klimawandel und langen Dürreperioden zurechtkommen.

9. Haben wir dann bald kein Holz mehr?
Nein. Die Fichte ist zwar die dritthäufigste Baumart in Rheinland-Pfalz, dennoch ist nicht jede einzelne Fichte vom Borkenkäferbefall betroffen und zum anderen setzt Landesforsten Rheinland-Pfalz auf verschiedene Baumarten. Mittel- bis langfristig wird es aber weniger Fichtenholz geben. Stattdessen spielen andere Hölzer, etwa Weißtanne und Douglasie eine wachsende Rolle.

10. Ist das Holz dann wertlos, wenn der Käfer darin brütet?
Es lässt sich zumindest weniger gut verkaufen. Der Holzpreis sinkt – auch weil der Markt voll ist, wenn es überall Borkenkäferschäden gab. Das Holz kann man aber natürlich trotzdem noch verwenden – z.B. als Sägeholz für den Bau oder Verpackungen. Und wenn der Baum eher klein oder  knorrig ist, sich also nicht so gut in gerade Abschnitte zersägen lässt, ist kann man das Holz noch als Industrieholz, etwa für Pressholzplatten verwenden oder auch zur Papierherstellung,solange es noch frisch ist.

11. Wenn man andere Baumarten pflanzt, kommen dann nicht andere Schädlinge?
Natürlich haben auch andere Baumarten mit sogenannten „Forstschädlingen“ zu tun. Diese sind meist auf eine Baumart spezialisiert. So wie die Fichten-Borkenkäfer wie der Buchdrucker und der Kupferstecher vor allem auf die Fichte spezialisiert sind, befällt zum Beispiel der Eichenprachtkäfer alte Eichen. Die Nonne ist ein Falter, deren Raupe gern an Kiefern frisst. Landesforsten Rheinland-Pfalz setzt auf Mischwälder – so hat ein einzelner Schädling einfach nicht genug Futter und Lebensraum vor Ort, um sich massenhaft zu vermehren. Dass einzelne Bäume von Schädlingsbefall betroffen sind, ist aber ganz normal und ein Teil der Natur.