Forstleute wollen mit der Post E-Autos fit für den Wald machen – Auch Forstamt Hachenburg testet Elektrofahrzeug

Man hört ihn kaum, wenn Förster Jürgen Weis mit dem Auto im Wald um die Kurve biegt. Höchstens, das „Hallo“, wenn er durch das offene Fenster grüßt. Abgasgeruch? Nicht bei einem Elektro-Auto. Der Förster ist nach der ersten Testfahrt erstmal begeistert vom Streetscooter „Work“, einem E-Auto mit großer, offener Ladefläche, das die Deutsche Post DHL Group entwickelt hat. „Man hört nichts, riecht nichts, schont die Umwelt und spart Geld – das müssen wir auf jeden Fall ausprobieren“, sagt Weis, der sich bei Landesforsten Rheinland-Pfalz um die Fahrzeugflotte kümmert. „Jetzt müssen wir testen, ob die E-Fahrzeuge für den Einsatz im Wald geeignet sind. Denn beispielsweise Allrad oder eine Anhängerkupplung hat der Test-Streetscooter noch nicht.

Die Forstämter Hachenburg und Forstamt Hinterweidenthal sowie das Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten (KWL) in Hermeskeil und das Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald sind am Test beteiligt und notieren jeweils in einem Testbogen ihre Erfahrungen. Eine Woche lang schreibt jede Fahrerin und jeder Fahrer auf, was bereits gut ist und was technisch noch nachgebessert werden sollte. Anschließend geben die Forstleute ihre Anforderungen an den E-Fahrzeughersteller weiter, um zu überprüfen, was umsetzbar ist.

Den Test durchlaufen zwei verschiedene E-Modelle: der Streetscooter „Work Pickup“, ein Kleinlaster mit offener Ladefläche und das Modell “Work Box“, ein Kleinlaster mit geschlossenem Aufbau.
Die strombetriebenen Modelle sind bereits nicht nur bei der Post, sondern auch in einzelnen Kommunen, etwa als Transport-, Reinigungs- oder Kühlfahrzeuge erfolgreich im Einsatz. Auch private Unternehmen wie Bäckereien oder Lieferdienste nutzen sie.

 

Spezielle Anforderungen an Fahrzeuge im Wald

Im Wald kommen allerdings noch ein paar Besonderheiten dazu: „Mit einer großen Holz-Erntemaschine kann man nicht zu einer Tankstelle fahren – das kostet zu viel Zeit. Deshalb werden diese Maschinen in der Regel im Wald betankt. Dazu brauchen wir zu den Erntemaschinen ein Begleitfahrzeug – und dieses muss, zu jeder Jahreszeit und bei jeder Wetterlage an die Maschinen gelangen. Zurzeit sind das oft allradbetriebene Fahrzeuge mit einer mobilen Tankanlage im Laderaum. Hier stecken wir den Zapfhahn an und betanken dann Harvester, Forwarder und CO.“, so Weis.

Besonders, wenn Gefahrstoffe, wie Benzin und Diesel, transportiert werden, muss die Fahrerkabine luftdicht abgeschlossen sein, so dass keine Gase ins Fahrerhaus gelangen können. „Es gibt mancherorts schlechte Wege im Wald, daher ist die Bodenfreiheit das A und O – das Fahrzeug muss also entsprechend hoch sein“, sagt Weis. 

Generell ist Sicherheit ein wesentlicher Aspekt: Denn bei der Waldarbeit müssen Motorsägen und andere Gerätschaften gefahrenfrei im Auto verstaut werden – damit niemandem etwas passiert und auch das Werkzeug nicht kaputt geht. Dazu sind spezielle Einbauten und Halterungen nötig.

Und auch das gilt laut Weis speziell für Forstleute: „Wer erlegtes Wild transportiert, braucht eine ausreichend große Ladefläche und im Idealfall eine Winde, um das Tier auf die Ladefläche zu ziehen. Außerdem brauchen wir für den Transport von Wildprodukten eine Kühlbox für längere Strecken.“

Da Waldarbeit Teamarbeit ist, brauchen die Fahrzeuge mindestens vier Sitzplätze. „Wenn jeder einzeln angefahren kommt, wäre das nicht nachhaltig und es geht viel Zeit verloren, die wir zum Beispiel für Besprechungen nutzen können“, erklärt Weis.


Besser fürs Klima, besser fürs Konto

Dass es all das noch nicht gibt, heiße aber noch lange nicht, dass das nicht geht: „Was jetzt noch nicht klappt, geben wir an die Ingenieure der Post weiter“, so Weis.

Und was sagt die Post als Fahrzeughersteller dazu? „Ein grundlegender Anspruch von Streetscooter ist, den unterschiedlichen Nutzern ein Fahrzeug – oder besser Werkzeug – zur Verfügung zu stellen, dass die ganz unterschiedlichen Bedürfnisse erfüllt. Allrad und Anhängerkupplung sind bereits geplant. Bei der Doppelkabine, damit mehr als zwei Leute Platz haben, ist das schon schwieriger: Dazu muss die derzeitige Fahrzeugkonstruktion erheblich verändert werden“, sagt Stefan Zimmer, der sich um den Vertrieb der E-Fahrzeuge bei der Post kümmert. „Natürlich muss es dafür dann auch eine entsprechende Marktnachfrage geben.“

„Wir betreiben seit 300 Jahren nachhaltige Forstwirtschaft – da ist es an der Zeit, auch nachhaltig in den Wald zu fahren“, ist sich Weis sicher. Neben dem Klimaaspekt, schaut er auch auf die Kosten: Einmal das Test-E-Auto auftanken kostet aktuell rund vier Euro. Die Folgekosten, wie Reparaturen, Wartung und Verschleiß sollen laut Post 60 bis 80 Prozent niedriger als bei anderen Autos sein. Der Grund laut Zimmer: „Die Fahrzeuge sind wie ein Baukasten aufgebaut. Wenn etwa eine Stoßstange kaputt ist, muss auch nur diese ersetzt – und nicht die ganze Vorderseite ausgetauscht werden.“