So stehen heute etwa 100 Hektar mehr Waldfläche für Spaziergänger, Jogger, Reiter, Wanderer und den Naturschutz zur Verfügung. Der Ober?Olmer Wald ist mit seinen Qualitäten für den Naturschutz und die Naherholung ein wichtiger Bestandteil des Freiraumsystems um Mainz. Ein neues etwa 25 Kilometer langes Wegenetz zeigt hier nicht nur den Besuchern, wo es lang geht, sondern schirmt durch "Umgehungen" auch Lebensräume geschützter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten ab. Drei Übersichtstafeln an den Parkplätzen "Draiser Eck", "Große Rondellschneise" und "Forststraße" informieren über den OberOlmer Wald. Schilder leiten den Wanderer durch interessante Bereiche mit vielfältigen, unterschiedlichen Waldbildern und Biotopen. Jogger können zwischen ausgewiesenen Strecken über fünf und zehn Kilometer wählen. Und auch für Reiter gibt es spezielle Pfade.

Haupt- und Wanderwege wurden grundlegend saniert, damit sie auch bei schlechter Witterung begehbar sind. Vorhandene aufgearbeitete und neu aufgestellte Sitzbänke laden zum Ausruhen ein. 

Neue Bänke, Wegesanierung und verstärkte Information über Pflege- und Sanierungsmaßnahmen durch mobile Schilder sind übrigens die Folge von Anregungen, die Waldbesucher bei Befragungen in den Jahren 1998 und 1999 äußerten. Die Befragungen im Rahmen des Modellprojektes wurden auch im Jahr 2000 fortgesetzt, um die Akzeptanz der Maßnahmen bei den Bürgern zu überprüfen. Nicht nur auf dem Papier, auch im Waldgebiet selbst wird sich zeigen, ob die Besucher zum Beispiel die neue Wegeführung annehmen und damit bereit sind, die Lebensräume geschützter und gefährdeter Tiere und Pflanzen so gut wie möglich zu schonen. Die empfindlichen Biotope sollen entweder umgangen oder auch - im eigentlichen Wortsinn - übergangen werden. Ein Beispiel dafür sind die neuen Wegeanschlüsse in die ehemalige NIKE-Stellung. Hier läuft der Spaziergänger auf Holzstegen, denn die überquerten Flächen gehören zu den gefährdeten Biotoptypen in Rheinland-Pfalz, für die ein Begehen auf Dauer schädlich ist. Die Holzstege schützen nicht nur, sondern weisen den Besucher gleichzeitig auf die Schutzbedürftigkeit des Biotops hin.

Übrigens wurde aus Rücksicht auf die Natur auf Grill- und Bolzplätze, Trimmpfad, Waldspielplatz oder Mountainbikestrecken im Ober-Olmer Wald verzichtet. Und noch etwas sorgt für mehr Ruhe: Um den Schleichverkehr zwischen Wackernheim und Lerchenberg zu unterbinden, wurde die Forststraße mittels Schranke in Höhe des Humuswerkes Essenheim gesperrt und ansonsten von 10 Meter auf 4,50 Meter verengt.

Einzigartig und schützenswert: Seltene Pflanzen und Tiere

Der Ober-Olmer Wald hat für den Arten- und Biotopschutz überregionale Bedeutung: zum einen, weil Waldflächen in Rheinhessen selten sind, zum anderen, weil hier viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen leben. "Schuld" daran ist das Militär, das einerseits größere Waldlichtungen schuf, auf denen sich spezielles Leben entwickeln konnte, andererseits durch Umzäunung dafür sorgte, dass etwa ein Drittel der Waldfläche unzugänglich und damit weitgehend ungestört war. Begleituntersuchungen im Rahmen des Modellprojektes haben ergeben: Im OberOlmer Wald hat sich ein Artenpotenzial erhalten und entwickelt, wie es sonst in dieser Dichte in der Region kaum mehr zu finden ist. Erstmals wurden dabei die hier wachsenden Farn? und Blütenpflanzen, die Flechten, Moose und Pilze, sowie die hier lebenden Vögel, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien, Tagfalter, Heuschrecken, Wildbienen und Stechimmen, Laufkäfer, Ameisen und Wanzen systematisch erfasst. Ein neues Faltblatt gibt ausführlich über Tiere und Pflanzen im OberOlmer Wald Auskunft. Dass die bundesweit vom Aussterben bedrohte Borstige Glockenblume (Campanula cervicaria) hier wächst, wusste man bereits. Darüber hinaus fanden die Biologen aber auch etliche überraschende und für Rheinland-Pfalz seltene Arten wie etwa den Tagfalter namens Quendelbläuling oder die Felsen-Mauerbiene.

Um diese bedeutende Artenvielfalt zu sichern, müssen die unterschiedlichen Lebensräume durch spezielle Pflegemaßnahmen erhalten werden:

  • Offenhaltung der Lichtungen und Schneisen durch Mähen, Mulchen oder Schafbeweidung,
  • naturnahe Bewirtschaftung des Waldes, 
  • Erhalt historischer Bewirtschaftungsformen wie der Mittelwaldbewirtschaftung, 
  • Erhalt und Entwicklung von Alt- und Totholzinseln. Vor allem die Halbtrockenund Trockenrasen sowie Magerrasen sind gefährdete Lebensräume vieler Tier? und Pflanzenarten. 

Gleichzeitig tragen sie mit ihrem Blütenund Strukturreichtum sehr zur Attraktivität des Waldes bei. Die Ziele zur Erhaltung und Entwicklung des Ober-Olmer Waldes aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes werden in einem Pflege- und Entwicklungsplan festgelegt. Alle Pflegemaßnahmen werden an den dort formulierten Zielen ausgerichtet.

Kosten

Für Altlastensanierung, den Rückbau der Gebäude und der Zäune musste der Bund insgesamt etwa 3,3 Millionen Mark aufbringen. Vom Land wurden im Rahmen des Modellprojektes rund 2 Millionen Mark, von den Kommunen etwa 225.000 Mark für die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen aufgewendet. Damit konnte der vorgegebene Kostenrahmen von insgesamt 5 bis 6 Millionen Mark eingehalten werden. 

Über den Ober-Olmer Wald erhalten Sie Informationen beim
Forstrevier Ober-Olmer Wald
Revierleiter Jürgen Koch, Tel. 06131 - 73886
E-Mail-Kontakt 

Informationen zum Ökologischen Modellprojekt Ober-Olmer Wald erhalten Sie bei der V G -Verwaltung Nieder-Olm, 
Herr Schuhmacher, Tel. 06136 - 69148