Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und der Beendigung des Kalten Krieges wurden 1989 russische und westalliierte Truppen aus Deutschland zurückgezogen. Flächen, die bis dahin militärisch genutzt waren, wurden an die Bundesrepublik zurückgegeben. In Rheinland-Pfalz waren dies bis Ende 1999 über 480 Liegenschaften und rund 9.900 Hektar Fläche.

Die Bewältigung dieser Konversion, der Rückführung militärisch genutzter Gebiete zur zivilen Nutzung, stellte das Land Rheinland-Pfalz vor große Herausforderungen. 1995 hat die Landesregierung einige Projekte ausgewählt, die als ökologische Modellprojekte realisiert werden sollten. Eines dieser Modellprojekte ist das „Ökologische Modellprojekt Konversion Ober-Olmer Wald”. Ziel dieses Projektes ist es, den 350 Hektar großen Wald in seiner ökologischen Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten und ihn der Bevölkerung als Naherholungsgebiet zugänglich zu machen. Die Geschichte dieses Waldes ist seit über 200 Jahren von unterschiedlichen militärischen Nutzungen geprägt. Trotz oder gerade durch diese Nutzung konnten sich im Ober-Olmer Wald wertvolle Biotope entwickeln.

In Zusammenarbeit der Verbandsgemeinde Nieder-Olm und des Ministerium des Innern und für Sport wurde die Konversion dokumentiert und u. a. in verschiedenen Broschüren veröffentlicht.

Eine Epoche ging zu Ende

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die amerikanischen Streitkräfte hier ihre Militäranlagen und prägten das Erscheinungsbild des OberOlmer Waldes bis heute: 1953 das Munitionsdepot (Ammunition Storage Oberolmerwald) und 1957 die NIKE-Raketenstellung (Wackernheim Maintenance Facility). Bei ihrem Abzug aus den Standorten im Ober-Olmer Wald hinterließen die US-Streitkräfte im Jahr 1993 zahlreiche Bunkeranlagen, Gebäude, versiegelte und befestigte Wege und Flächen innerhalb einer mit kilometerlangen Hochsicherheitszäunen gesicherten Waldfläche von etwa 100 Hektar - rund einem Drittel des gesamten Waldes.

Zusammenarbeit macht stark

Damals entschloss sich die Landesregierung, die Entwicklung des Ober-Olmer Waldes als beispielhaftes ökologisches Konversionsprojekt zu unterstützen. Gemeinsam machten sich in einer sogenannten Lenkungsgruppe ans Werk: das Ministerium des Innern und für Sport, das Ministerium für Umwelt und Forsten, die Verbandsgemeinde Nieder-Olm, die Ortsgemeinde Ober-Olm, die Stadt Mainz, das Forstamt Alzey, das Staatsbauamt Mainz, die Kreisverwaltung Mainz-Bingen, Naturschutzverbände, das Forum Konversion & Stadtentwicklung und die Mainzer Landschaftsarchitekten Bierbaum+Partner.Das Forum Konversion& Stadtentwicklung initiierte im Herbst 1995 mit allen Beteiligten einen Workshop, in dem die Rahmenbedingungen geklärt und Ideen für die zukünftige Nutzung und Gestaltung des Waldes erarbeitet werden sollten. Ergebnis war das "Programm" des ökologischen Modellprojektes: Angestrebt wurde ein ganzheitlicher ökologischer Ansatz, bei dem die Interessen von Forstwirtschaft, Naherholung, Naturschutz und Kunst in einem gemeinsamen Konzept verwirklicht werden. Dieses Ziel wurde durch die effiziente und kooperative Zusammenarbeit in der Lenkungsgruppe fast vollständig verwirklicht: Von den 18 benannten Sofortmaßnahmen wurden bis heute lediglich zwei noch nicht umgesetzt: die Verlagerung des Parkplatzes "Draiser Eck" aus dem Wald heraus und die Schaffung von Überquerungshilfen über die L 427 ("Panzerstraße") zum Mainzer Stadtteil Lerchenberg. 

Schritte zurück zur Natur

Was in den Jahren 1995 bis 1999 im Ober-Olmer Wald geleistet wurde, darüber gibt das bereits erschienene Faltblatt "Zwischenergebnisse" Auskunft. Hier noch einmal ein Überblick über die durchgeführten Arbeiten:

Boden saniert

Nach dem Abzug des Militärs waren bei 6 von 61 untersuchten Flächen Verunreinigungen mit Mineralöl und Kohlenwasserstoffen festgestellt worden. 1998 wurden zwei Flächen im Munitionsdepot, 1999 drei Bereiche in der NIKE-Stellung von Altlasten saniert. Die letzte der sechs Altlasten ist eine großflächige und tiefreichende Mineralölverschmutzung von Boden und Grundwasser im Bereich des ehemaligen Hauptgenerators in der NIKE-Stellung. Hier wird voraussichtlich bis zum Jahr 2001 die Erde ausgetauscht und der Boden gereinigt. Bis zur vollständigen Rekultivierung bleibt der Bereich eingezäunt.

Gebäude rückgebaut

Nach der Kunstaktion in den 12 Bunkern im Munitionsdepot im Mai 1996 wurden von 28 Bunkern 25 zertrümmert und mit Erde bedeckt. Durch die schnelle Selbstbegrünung der Flächen fallen die Standorte nur noch aufmerksamen Besuchern auf. Die drei übrigen wurden zu Quartieren für Fledermäuse umgebaut. Zwischen 1997 und 1999 wurden alle 58 Gebäude - etwa 16.000 Kubikmeter umbauter Raum - bis zur Bodenplatte abgerissen und entsorgt. Dabei wurden die Schadstoffe etwa asbesthaltiges Baumaterial - getrennt ausgebaut und ordnungsgemäß entsorgt.

50.000 Quadratmeter "entsiegelt"

In Verhandlungen mit der Bundesrepuplik Deutschland konnte für landeseigene Konversionsflächen erreicht werden, dass für die Sicherung bzw. die Beseitigung von Gebäuden und anderen Aufbauten bis zur Oberkante Bodenplatte die Bundesrepublik die Verantwortung trägt und genauso wie bei der Beseitigung von Altlasten die Kosten zu übernehmen hat. Für den Rückbau im Ober-Olmer Wald bedeutete dies zunächst, dass die Bodenplatten sowie die vom Militär befestigten Flächen und Straßen bestehen blieben. Zugunsten der ökologischen Leistungsfähigkeit des Ober-Olmer Waldes und einer Nutzung als Naherholungswald war jedoch eine weitgehende Entsiegelung erforderlich, die dann in Verantwortung der Landesforstverwaltung erfolgt ist.

Neben den Bodenplatten wurden auch vier Straßen im Munitionsdepot sowie die Zufahrten zu den ehemaligen Raketenstellungen in einem einfachen - und damit kostengünstigen - Verfahren durch Zertrümmern beziehungsweise Aufreißen entsiegelt, mit unbelastetem Erdaushub aus der Region überdeckt und anschließend dem Wald zur Selbstbegrünung und Entwicklung von Wildkrautfluren, Gebüschen und Bäumen überlassen. Einige Wege wurden schmaler gemacht und in das neue Wegenetz integriert. Insgesamt wurden im Ober-Olmer Wald bis zum Abschluss der Maßnahmen etwa 50.000 Quadratmeter versiegelte und überbaute Fläche entsiegelt und rekultiviert. Infotafeln und Wegebeschilderung weisen die neuen Wege. Für Interessierte werden Infos zur geschichtlichen Entwicklung und zum Naturschutz gegeben.

Über den Ober-Olmer Wald erhalten Sie Informationen beim
Forstrevier Ober-Olmer Wald
Revierleiter Jürgen Koch, Tel. 06131 - 73886
E-Mail-Kontakt 

Informationen zum Ökologischen Modellprojekt Ober-Olmer Wald erhalten Sie bei der VG-Verwaltung Nieder Olm, 
Herr Schuhmacher, Tel. 06136 - 69148