Außergewöhnlich und schützenswert: Der Ober-Olmer Wald

Grundlage für den überraschend hohen Artenreichtum sind die vorhandenen naturräumlichen Gegebenheiten. 

Mosaik der Bodentypen

Der Ober-Olmer Wald stellt in Rheinhessen einen Sonderstandort dar. Den Untergrund des Waldes bilden unterschiedliche Gesteine (Sande, Kiese, Kalke, Löss), die in einem kleinräumigen Wechsel ein Mosaik verschiedener Bodentypen ausbildeten. Dabei sind unter anderem auch saure, basenarme Böden vorzufinden. 

Diese Bodenverhältnisse sind für eine landwirtschaftliche Nutzung ungünstig.Deshalb blieb der Ober-Olmer Wald auch hier, im Gegensatz zu den lössbedeckten benachbarten Flächen, über die Jahrhunderte erhalten. Auf den undurchlässigen, wasserstauenden Böden bildeten sich viele kleine, teilweise nur im Winterhalbjahr wasserführende Tümpel, die oftmals auf die frühere militärische Nutzung (Fahrspuren, Bodenverdichtungen durch Panzer) zurückgehen. 

Früher herrschten hier insgesamt deutlich feuchtere bis nasse Standortverhältnisse. Darauf weisen auch Flurnamen wie "Seepfuhl" hin. Die in den letzten Jahren festzustellende Entwässerung größerer Waldbereiche dürfte auf die Tiefendrainagen des Lerchenbergs zurückzuführen sein.

Trocken und warm

Das rheinhessische Tafel- und Hügelland zählt zu den wärmsten und trockensten Landschaften Mitteleuropas: Die Jahresmitteltemperatur liegt bei über 9 Grad Celsius und es fällt nur 500 bis 550 Millimeter Niederschlag im Jahr. Der Ober-Olmer Wald gehört damit wie der Lennebergwald zu den trockensten und wärmsten Waldgebieten in Deutschland. 

Pflanzengesellschaften

Die Rodung und Offenhaltung von Lichtungen im Wald durch das Militär hat Standorte für Offenland-Biotoptypen geschaffen, die sich zu schützenswerten Lebensräumen entwickelt haben: Zwergstrauchheiden, FlügelginsterBorstgrasrasen, saure Magerrasen, ruderale Trockenrasen und Halbtrockenrasen, blütenreiche, wärmeliebende Säume und andere mehr. Da die Wiesen- und Rasenflächen nicht gedüngt wurden, blieben die natürlich vorhandenen mageren Standortverhältnisse erhalten. Pflanzenarten Über 90% des Waldes werden von Bäumen und Sträuchern bedeckt. Vorherrschende Baumarten sind dabei Eichen und Hainbuchen. Die übrigen Flächen sind Lichtungen, Waldwiesen, Schneisen. 

Pflanzenarten

Über 90 Prozent des Waldes werden von Bäumen und Sträuchern bedeckt. Vorherrschende Baumarten sind dabei Eichen und Hainbuchen. Die übrigen Flächen sind Lichtungen, Waldwiesen, Schneisen.

Bei den Untersuchungen im Ober-Olmer Wald fanden die Wissenschaftler über 680 Gefäßpflanzenarten, darunter über 30 Arten der Roten Liste. Die seltenen Pflanzenarten sind meist in den sogenannten Magerrasen der Lichtungen beheimatet, die sich in den ehemaligen Militärarealen, aber auch entlang mancher Wege, in Waldschneisen oder auf Waldwiesen entwickelt haben. Mehrere Orchideenarten blühen hier, aber auch der seltene Fransen-Enzian (Gentianella ciliata). KammWachtelweizen (Melampyrum cristatum), Färberscharte (Serratula tinctoria), die Bienenragwurz (Ophrys apifera) und verschiedene Fingerkrautarten (Potentilla species) leben ebenfalls auf den verschiedenen schützenswerten Magerrasen. Rund 90 Charakterarten der Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Sandrasen und Stein grusgesellschaften wurden in den Offenlandbereichen des Ober-Olmer Waldes nachgewiesen.

Zu den charakteristischsten Pflanzenarten des Ober-Olmer Waldes gehört die bundesweit vom Aussterben bedrohte Borstige Glockenblume (Campanula cervicaria), die auch in lichten Säumen und Randbereichen wächst. 1998 und 1999 wurden hier fast 1000 blühende Pflanzen gezählt. Auch seltene Waldarten wie Rotes und Weißes Waldvögelein und sehr seltene grasartige Pflanzen wie Forsters Hainsimse sind in den Waldflächen zu finden. Eine ähnliche Artenvielfalt ist an den Kleinstgewässern erfaßt worden. Pflanzen wie der Schlammling, die Sumpfbinse und der Sumpfquendel weisen schon durch ihre Namen auf ihren Lebensraum hin. (J.Dümas, G. Vollenweider)

Pilzflora

Die Pilzflora zeichnet sich durch Bewohner von Magerrasen oder Trockenrasen aus, die aufgrund ihrer Standortansprüche selten und gefährdet sind: Rötlinge (Entoloma), Saftlinge (Hygrocybe) und Bauchpilze (Lycoperdon, Bovista, etc.). Die lichten Standorte unter alten Eichen bieten Lebensraum für Dickröhrlinge (Boletus), darunter der Königsröhrling (Boletus regius), eine vom Aussterben bedrohte Art in Deutschland. Bislang wurden im Ober-Olmer Wald 125 unterschiedliche Pilzarten erfasst. (W.Finckh) 

Moose

Der Ober-Olmer Wald beherbergt eine reichhaltige Moosflora. Wichtige Standorte sind morsches Holz, Wildäcker auf ungedüngten Böden mit Getreide- und Wildblumeneinsaaten, regelmäßig gemähte Magerrasen und die vorhandenen Schotterflächen. Auch tiefe Fahrrinnen, Tümpel und Gräben bieten vielen Moosen Lebensraum. Dagegen finden sich auffallend wenige Arten an den Waldbäumen selbst. Dies dürfte am relativ geringen Alter der meisten Bäume liegen. Es wurden bisher 24 Lebermoosarten und 134 Laubmoosarten gefunden. Davon stehen 36 Arten auf der Roten Liste, das heißt jede vierte Moosart des Gebietes zählt zu den gefährdeten Arten, einige davon sind sogar landesweit in ihrer Existenz bedroht. (A. Oesau)

Flechten

Die Belastung der Luft mit Schadstoffen, die Ausräumung der Landschaft und der Rückgang der Waldflächen haben die Flechtenflora auf einen Bruchteil der einst vorhandenen Vielfalt schrumpfen lassen. Der Ober-Olmer Wald dient einer ganzen Reihe landesweit gefährdeter Flechten als letzter Rückzugsraum innerhalb der Region. Zur Zeit wachsen im Ober-Olmer Wald rund 80 Arten, darunter etwa ein Dutzend Arten der Roten Liste der landesweit gefährdeten Flechten von RheinlandPfalz. Angesichts der Erfolge in der Verminderung zumindest der säurebildenden Luftschadstoffe kommt dem OberOlmer Wald eine hervorragende Bedeutung als Keimzelle und "Trittsteinbiotop" für eine spätere Wiederbesiedlung ehemaliger und neuer Flechtenstandorte in Rheinhessen zu. (H. Thüs).

Über den Ober-Olmer Wald erhalten Sie Informationen beim Forstrevier Ober-Olmer Wald 
Revierleiter Jürgen Koch, Tel. 06131 - 73886
E-Mail-Kontakt 
oder beim zuständigen Biotopbetreuer Herrn Dechent Tel. 06135 - 3450 

Informationen zum Ökologischen Modellprojekt 
Ober-Olmer Wald erhalten Sie bei der VG-Verwaltung 
Nieder Olm, Herr Schuhmacher, Tel. 06136 - 69148