Altlastensanierung

Neben den festgestellten Schadstoffen in den Gebäuden und Bunkern wurde der gesamte Ober-Olmer Wald im Rahmen einer sogenannten Gefahrerforschung auf mögliche Gefährdungen durch Altlasten infolge der militärischen Nutzung, wie Verunreinigungen durch Treibstoffe, Öle, Kampfmittel, Munitionsreste u. a., untersucht. In einer ersten Erkundung wurden bereits 1995 durch das Land Rheinland-Pfalz insgesamt 61 Verdachtsflächen im gesamten Wald erfasst. Hiervon wurden durch weitere Untersuchungen glücklicherweise nur an 6 Standorten in der NIKE-Stellung und dem Munitionsdepot Verunreinigungen ermittelt, die saniert werden müssen. Neben fünf kleineren, begrenzten Mineralölkontaminationen wurde allerdings auch eine großflächige, tiefreichende und stark konzentrierte Mineralölkontamination des Bodens und des Grundwassers im Bereich des ehemaligen Hauptgeneratorgebäudes in der NIKE-Stellung festgestellt. Diese Bodenverunreinigungen werden in einem biologischen Verfahren vor Ort auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Finthen saniert. Hierzu wird der kontaminierte Boden ausgehoben und durch Beimischung von Bakterien, Nährstoffen und Trägermaterialien (Kompost, Kiefernborke) aufgelockert und homogenisiert. Die Schadstoffe werden durch die Bakterientätigkeit und die Sauerstoffverfügbarkeit in voraussichtlich 12 Monaten soweit biologisch abgebaut, dass der Boden wieder eingebaut werden kann. Nach Öffnung des Munitionsdepots wird von dieser Liegenschaft keine Gefährdung durch Altlasten mehr ausgehen. In der NIKE-Stellung muss der Sanierungsbereich der Hauptkontaminationsfläche voraussichtlich bis ins Jahr 2000 auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern eingezäunt bleiben.

Straßen und Wegerückbau

Neben dem Rückbau der Gebäude und Bunker spielt der Wegerückbau und die Entsiegelung von Flächen eine ganz entscheidende Rolle in der Entwicklung des Ober-Olmer Waldes. Teilweise wurden die auf militärische Anforderungen ausgerichteten Wege ebenso wie die versiegelten Flächen der Abschussstellungen vollständig zurückgebaut, übererdet und der natürlichen Waldentwicklung überlassen beziehungsweise aufgeforstet. Verbleibende Wege wurden auf eine für Wald- und Wanderwege ausreichende Breite reduziert: 

  • Rückbau und Rekultivierung von etwa 8.700 Quadratmeter Straßen im Munitionsdepot
  • Rückbau und Rekultivierung von etwa 4.800 Quadratmeter Straßen sowie 7.250 Quadratmeter versiegelter Flächen in der NIKE-Stellung
  • Reduzierung der Wegebreiten im Munitionsdepot von stellenweise 6 - 8 Meter auf etwa 3 - 4 Meter Breite auf etwa 2.300 Meter Länge.
  • Reduzierung der Fahrbahnbreite der Forststraße auf etwa 1.725 Meter Länge auf durchschnittlich 4,50 Meter Breite.

Insbesondere die Umgestaltung der Forststraße, von Anfang an eine zentrale Forderung des ökologischen Modellprojektes, wurde lange kontrovers diskutiert. Letztlich kam es zu einer Einigung zwischen dem Land, den Gemeinden, dem Landkreis, dem Betreiber des Humuswerkes Essenheim, der Forstverwaltung, der Landwirtschaft und den militärischen Stellen. Die Straße wurde mit Verengungen und Verschwenkungen ab August/ September 1997 umgestaltet. Die vereinbarte Sperrung der Durchfahrt erfolgt auf Höhe des Humuswerkes. Mit Dämpfung der Fahrgeschwindigkeit und Unterbindung des "Schleichverkehrs" zwischen Wackernheim und Lerchenberg wird die Lärm- und Schadstoffbelastung der angrenzenden Waldbereiche verringert sowie die Sicherheit für die Waldbesucher erhöht.

Neue Wege

Zusammen mit diesen Rückbaumaßnahmen wird das Wegekonzept der Rahmenplanung Schritt für Schritt realisiert. Mit der Öffnung des Munitionsdepots stehen zusätzlich etwa 85 Hektar Waldfläche und nach Freigabe der NIKE-Stellung im Herbst 1999 weitere rund 15 Hektar Fläche für die Naherholung wieder zur Verfügung. Hierzu werden Informationstafeln aufgestellt, Wander- und Rundwege markiert sowie Joggingstrecken ausgewiesen. Dies wird zu einer deutlichen Steigerung der Attraktivität des Ober-Olmer Waldes führen. Zum Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume werden auch bestehende Wege und Wegeabschnitte außerhalb der ehemaligen Militärflächen aus dem Wegenetz herausgenommen. Aus Naturschutzgründen wird auf Naherholungseinrichtungen wie Grill- und Bolzplätze, Waldspielplatz oder Mountainbikestrecken verzichtet. Der Ober-Olmer Wald soll künftig für die "stille, naturbezogene" Naherholung, zum Spazierengehen, Natur beobachten und Joggen zur Verfügung stehen. 
Letztlich erschließt das zukünftige Wegenetz mit rund 25 Kilometer befestigten Wegen sowie ergänzenden Pfaden alle vorhandenen Waldbereiche mit ihrer Vielfalt an Wald- und Biotoptypen.

Arten- und Biotopschutz

Aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten, der historischen Waldbewirtschaftung und der ehemaligen militärischen Nutzung weist der Ober-Olmer Wald ein überregional bedeutsames Artenpotential auf. Die nachhaltige Entwicklung dieses Lebensraums für zahlreiche geschützte und gefährdete Tier- und Pflanzenarten ist eine wichtige Aufgabe im Rahmen des ökologischen Modellprojektes. Hierzu werden bereits seit Jahren differenzierte, auf den Schutz und die Erhaltung einzelner Arten und Biotoptypen abgestimmte Pflegemaßnahmen durchgeführt. Seit 1995 sind auch die ehemaligen Militärflächen in das Pflegekonzept eingebunden. Vor allem vorhandene Pflanzengesellschaften wieTrocken- und Magerrasen sind Lebensräume vieler gefährdeter Tierund Pflanzenarten. Gleichzeitig sind sie mit ihren Blüten- und Strukturreichtum sehr attraktive Landschaftselemente mit einer hohen Bedeutung für die Naherholung.

Zur Erhaltung der wertvollen Biotope werden diese Flächen auf Grundlage eines Pflegekonzeptes mit Schafen und Rindern beweidet bzw. gemäht und gemulcht. Durch die Wiederbelebung einer historischen Waldbewirtschaftungsform, der Mittelwaldnutzung, sowie der Entwicklung von Altholzinseln im ehemaligen Munitionsdepot können spezielle Lebensraumverhältnisse für besonders angepasste Tier- und Pflanzenarten erhalten und entwickelt werden. Insbesondere die Mittelwaldnutzung schafft durch das regelmäßige abschnittsweise Abhauen des Unterholzes sehr abwechslungs- und strukturreiche Waldbereiche. Neben den Umbauten von Bunkern zu Fledermausquartieren wurden im Herbst 1997 auch zahlreiche Laichtümpel, die durch die militärische Nutzung entstanden (Fahrspuren und Bodenverdichtungen durch Panzer u.s.w.), für Amphibien gesichert und neue Tümpel geschaffen. 

Die Fachplanungen des Naturschutzes werden durch Untersuchungen des Ministeriums für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz begleitet. Über maßnahmenbegleitende faunistische und floristische Erfassungen, Fortschreibung der Fachplanungen, Pflegemaßnahmen sowie Waldbesucherzählungen und -befragungen bis ins Jahr 2000 sollen modellhaft die Effektiviät einerseits und die Akzeptanz der Maßnahmen bei den Waldbesuchern andererseits ermittelt und optimiert werden. 

Ausblick

Nach der "Rückgabe" des ehemaligen Munitionsdepots an die Bevölkerung im September 1998 war der Rückbau und die Rekultivierung der NIKE-Raketenstellung Schwerpunkt der Arbeiten im Jahr 1999. Neben den bereits beschriebenen Rückbau- und Sanierungsarbeiten soll hier im Rahmen der Rekultivierung ein Landschaftskunstkonzept umgesetzt werden, das den Konversionsprozess und die Geschichte des Ortes deutlich machen soll. Darüber hinaus werden die erforderlichen Anbindungen an das Wegenetz hergestellt. 

Über den Ober-Olmer Wald erhalten Sie Informationen beim
Forstrevier Ober-Olmer Wald
Revierleiter Jürgen Koch, Tel. 06131 - 73886
E-Mail-Kontakt 

Informationen zum Ökologischen Modellprojekt Ober-Olmer Wald erhalten Sie bei der VG-Verwaltung Nieder Olm, 
Herr Schuhmacher, Tel. 06136 - 69148