Wildtier des Jahres 2018 - Die Wildkatze (Felis silvestris)

Die europäische Wildkatze wurde von der deutschen Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres 2018 gekürt.

Bei Wildkatzen handelt es sich um eine sehr seltene, einheimische Art, sie gehören zu den Ureinwohnern unserer Tierwelt. Hauskatzen dagegen stammen von der nordafrikanischen Falbkatze ab und wurden als Haustier vermutlich schon von den Römern hier eingeführt.

Wildkatzen ernähren sich von allem, was sie überwältigen können. Am liebsten fressen sie Mäuse. Sie sind geschickte Anschleich- und geduldige Ansitzjäger. Sie gelten als unzähmbar, lassen sich von Menschen niemals berühren, auch nicht in Gefangenschaft lebende Tiere. Sie können sich zwar mit Hauskatzen kreuzen, aber zumindest bei uns sind Kreuzungen selten.

Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen, sie sind eine eigenständige Art. Es gibt mehrere Merkmale, an denen man bei genauer Betrachtung beide Arten unterscheiden kann. Am besten erkennt man die Wildkatze am langen, buschigen Schwanz mit deutlich dunkel abgesetzten Ringen am Ende. Außerdem ist der Nasenspiegel fleischfarben statt dunkel wie bei den Hauskatzen. Exakt ist die Wildkatze durch genetische Untersuchungen der Haare bzw. durch die Untersuchung der Darmlänge zu bestimmen.

Historisch war die Wildkatze fast in ganz Europa verbreitet. Ihr Lebensraum hat sich bis heute extrem verkleinert und es gibt viele isolierte Bestandesinseln in Europa. In Deutschland dagegen ist die Population seit ihrem Tiefpunkt in den 1920er Jahren im Aufwärtstrend mit derzeit 5000-7000 Tieren. Besonders in letzten 20-30 Jahren stieg die Anzahl der Katzen kontinuierlich an.

Rheinland-Pfalz bildet hierbei das Zentrum der Verbreitung mit der höchsten Anzahl an Wildkatzen. Vor allem in unseren Mittelgebirgen Pfälzer Wald, Hunsrück und Eifel kommen die meisten Wildkatzen vor. Wir Rheinland- Pfälzer haben also für die Erhaltung dieser seltenen Art eine ganz besondere Verantwortung.

Warum ist die Wildkatze im Aufwärtstrend? Und was können wir tun, damit das so bleibt?

Mit der naturnahen Waldbewirtschaftung wurden die Wälder in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel strukturreicher. Ökologischen Belangen wurde bei der Bewirtschaftung zunehmend größerer Stellenwert beigemessen. Zudem sorgte der „Forstmeister Sturm“ mit den Orkanen Vivian und Wiebke 1990 für großflächige Veränderungen. Durch die großen Windwürfe und folgende Wiederbewaldung entstanden sehr strukturreiche Mischwälder. Aus jagdlicher Sicht sind die Wildkatzen heute ganzjährig streng geschützt, aber erst, als gegen Ende des letzten Jahrhunderts tiefgreifende gesetzliche Grundlagen wirksam wurden, wurde die Art auch in der Praxis geschont. Nicht zuletzt wurde in den vergangenen Jahren auch intensiver geforscht, so dass bislang unbekannte Populationen nachgewiesen werden konnten, die sich dort vermutlich erst in den letzten drei Jahrzehnten etabliert haben.

In Zukunft gilt es, die Strukturvielfalt der Wälder weiter zu verbessern. Wenn der Wald an manchen Stellen unordentlich aussieht, kann das sogar eine gezielte Maßnahme für die Wildkatze sein. Wildkatzen ziehen ihre Jungen an sicheren und möglichst trockenen Orten auf. Das sind z.B. Baumhöhlen, Brombeerhecken oder Totholzhaufen, aber auch alte Hochsitze oder unter Holzpoltern. Außerdem spielt die Vernetzung der Lebensräume eine große Rolle für die Ausbreitung und den genetischen Austausch der Art. Auch können Grünbrücken an markanten Punkten den häufigen Tod durch Straßenverkehr vermeiden helfen.

Ist die Wildkatze ein Rheinhesse?

Ja! Im Vorholz bei Alzey waren Wildkatzen vermutlich nie ausgestorben. Berichten von Ortskundigen zufolge wurden noch vor einigen Jahrzehnten u.a. mittels Fallenjagd regelmäßig unbeabsichtigt Wildkatzen erlegt. Örtliche Jäger sichten seit Einstellung der Fallenjagd regelmäßig Wildkatzen vom Hochsitz aus und erfreuen sich an ihrem Anblick. Auch in den Wäldern der rheinhessischen Schweiz kommt die Art vor.

Die kleinen isolierten Waldflächen mitten in Rheinhessen dagegen wären zwar geeignete Lebensräume, sind aber nicht von Wildkatzen besiedelt, eben weil sie nicht mit einer bestehenden Population vernetzt sind.

Was tun, wenn man eine junge Wildkatze findet?

Niemals mitnehmen! Scheinbar hilflos wirkende Kätzchen sind wie viele andere Wildtiere meist nicht hilflos! Der Fund kann jedoch unter www.wildkatze-rlp.de gemeldet werden.

Weiterführende Informationen:

Wildtier des Jahres: Deutsche Wildtier Stiftung
Wildkatzenschutz, Verbreitung der Art: BUND