Im Rahmen ihrer „Sommertour 2015 – NATÜRLICH Rheinland-Pfalz“ besuchte Umweltministerin Ulrike Höfken am 31.07.2015 das Forstamt Prüm. Das Thema der Abschlussveranstaltung ihrer diesjährigen Sommertour hieß „Wald, Wild und Klimawandel“. Forstamtsleiter Peter Wind unternahm zusammen mit der Ministerin und circa 30 interessierten Teilnehmern, welche aus ganz Rheinland-Pfalz angereist waren,  eine dreistündige Wanderung im Wascheider Staatswald. Dabei bestand Gelegenheit für ausgiebige Gespräche.


Umweltministerin Ulrike Höfken eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede, in der sie die Bedeutung des Waldes und der Forstwirtschaft für die Gesellschaft betonte. Aloysius Söhngen, Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz sowie Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, stimmte ihr zu und hob in seiner Rede den hohen Anteil an Klein- und Kleinstprivatwald in der Region und dessen Bedeutung sowie die Notwendigkeit des Gemeinschaftsforstamtes hervor.

Dr. Jens Jacob, Leiter von Landesforsten Rheinland-Pfalz, informierte in diesem Zusammenhang über das Kartellverfahren gegen das Land Baden-Württemberg bezüglich des Rundholzverkaufs und dessen Bedeutung sowie über die von Rheinland-Pfalz über die Agrarministerkonferenz angestoßene Änderung des Bundeswaldgesetzes nach der der Holzverkauf erst nach der Bereitstellung des Holzes an der Waldstraße beginnen soll. 

Die während der Wanderung vorgestellten Waldbilder veranschaulichten den Besuchern, wie Landesforsten Rheinland-Pfalz die ihm anvertrauten Wälder für die Herausforderungen des Klimawandels fit macht, so dass der Wald auch weiterhin die von der Gesellschaft geforderten Ansprüche erfüllen kann.


Das erste Ziel der gemeinsamen Wanderung war der in Richtung des Wascheider Stausees fließende Mehlenbach. Dieser wurde im Rahmen des „Tälerprojektes“ renaturiert und für die Bachlebewesen wieder durchgängig gemacht.  Hierzu wurde der Bachlauf entfichtet und kleine Durchlässe durch einen großen, welcher Sedimente enthält und in welchem das Wasser mit normaler Geschwindigkeit fließt, ersetzt. Heute wachsen an dem naturnahen Linienbiotop, welches unter anderem ein Wanderkorridor für Bachforellen ist autochthone Schwarzerlen.

Bei der Renaturierung handelte es sich um ein gemeinsames Projekt des Naturparks Hohes Venn-Eifel und des Forstamtes Prüm. Umweltministerin Ulrike Höfken lobte die Verbesserung vieler rheinland-pfälzischer Gewässer durch die Aktionsprogramme „Aktion Blau“ und „Aktion Blau Plus“, betonte aber, dass sich viele Gewässer immer noch in einem unbefriedigenden Zustand befänden.


Der Weg zum zweiten Exkursionspunkt zeigte den Besuchern, dass das Forstamt Prüm Fichten- und Douglasienreinbestände mit jungen Tannen und Buchen unterbaut. Ziel ist es später leistungsfähige, stabile und wertvolle Mischbestände zu bekommen. 

Die Fichte und die Douglasie sollen im Forstamt auch in Zukunft bedeutende Anteile haben, da im Forstamtsbereich die hierfür notwendigen klimatischen Bedingungen weiterhin gegeben sein werden und diese Baumarten besonders gute Erlöse bringen.

Für ein erfolgreiches Etablieren der jungen Tannen und Buchen ist die Jagd der entscheidende Faktor. Insbesondere die Weißtanne ist für das Wild ein Leckerbissen. Damit sie erfolgreich etabliert werden kann, bedarf es, wenn man auf teure und arbeitsaufwendige Zäune verzichten will, angepasster Wildbestände. Waldeigentümern, deren Wald unter zu geringer Bejagungsintensität leidet, empfiehlt Dr. Jens Jacob, Leiter von Landesforsten Rheinland-Pfalz, die Möglichkeiten des novellierten Landesjagdgesetzes auszunutzen. Zu den Neuerungen zählt unter anderem, dass Pachtverträge auf 5 Jahre begrenzt werden können, die Jagdzeit des Rehbocks bis 31. Januar verlängert ist, der Mindestabschussplan nur die Bejagung der Trophäenträger begrenzt sowie Pächter unbegrenzt Begehungsscheine vergeben können. Die Neuerungen erleichtern es, das Spannungsfeld Wald-Wild zu lösen.

Dem stimmt auch Umweltministerin Ulrike Höfken zu. Sie betont, „ Es geht um den Schutz des Waldes, auch um den ökonomischen Schutz des Waldes […]. Wir können Millionenschäden im privaten und öffentlichen Wald nicht tolerieren“. „Zum Erreichen der gesteckten Ziele“,  so Forstamtsleiter Peter Wind, „muss die Jägerschaft mitgenommen werden. Wir sitzen in einem Boot“.

Anschließend wurde eines der Prümer Waldrefugien durchwandert. Insgesamt hat das Forstamt Prüm 120 Hektar Waldfläche aus der Nutzung genommen, dies entspricht circa 3% der Staatswaldfläche des Forstamtes. Die Waldrefugien zeichnen sich unter anderem durch ihr hohes Biotopbaum- und Totholzvorkommen aus. Anne Stollenwerk, Geschäftsführerin des Naturparks Nordeifel, erklärte den Teilnehmern der Wanderung die Bedeutung des im besuchten Waldrefugium vorkommenden Feuchtbiotops. Landesforsten Rheinland-Pfalz ergänzt die Waldrefugien in der Staatswaldfläche unter anderem durch Biotopbaumgruppen.

Totholz und Biotopbäume im besuchten Waldrefugium.
© Landesforsten.RLP / Forstamt Prüm
Feuchtbiotop im besuchtem Waldrefugium.
© Landesforsten.RLP / Forstamt Prüm


Das letzte Thema der Wanderung war die Douglasie. Grund hierfür war unter anderem, dass das Bundesamt für Naturschutz in einer Analyse zum Schluss kam, dass die Douglasie eine invasive Baumart sei und sie deshalb nichts in oder in direkter Nähe von naturschutzfachlich wertvollen Gebieten zu suchen habe. „Das Forstamt Prüm kann auf seinen Flächen eine Invasivität der Douglasie nicht bestätigen“, so Forstamtsleiter Peter Wind.

Die Douglasie ist, wie auch die Weißtanne, fit für den Klimawandel. Im Rahmen der Nadelbauminitiative setzt das Land Rheinland-Pfalz im Staatswald deshalb u.a. auf diese beiden Baumarten. Umweltministerin Ulrike Höfken: „Es gibt viele gute Gründe für die Douglasie […]. Durch den Anbau klimastabiler Nadelbaumarten wie Weißtanne und Douglasie, werden wir auch den Anforderungen der Holzwirtschaft gerecht“.



Im Anschluss lud der Waldbauverein Prüm e.V. die Teilnehmer zum Grillen von Wildfleisch ein.