Bodenschutzkalkung

Hubschrauber kreisen wieder im Stadtwald

Bodenschutzkalkung zur Sicherung der ökologischen Grundlagen

Im Stadtwald Landau wird wieder gekalkt. Deshalb werden Hubschrauber ab 15. Januar 2019 bis voraussichtlich Ende Februar pro Hektar Waldfläche drei Tonnen kohlensaurer Magnesiumkalk ausbringen. Diese Maßnahme ist notwendig, da unsere Böden immer noch unter den Einträgen aus Luftschadstoffen leiden. In den in den kommenden Wochen werden 2400 Tonnen Naturkalk aus einem Baden-Württembergischen Kalkwerk über die L505 nach Eußerthal und zum Taubensuhl transportiert. Die Verteilung des Gesteinsmehls erfolgt mit speziell ausgerüsteten Hubschraubern im Zeitraum, geeignetes Flugwetter vorausgesetzt.

„Mit der Bodenschutzkalkung stabilisieren wir die aufstockenden Wälder“, so Forstamtsleiterin Ulrike Abel vom Forstamt Haardt. „Dass dies funktioniert, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse.“ Insbesondere ärmere Waldstandorte weisen durch die jahrzehntelangen Einträge eine Versauerungsaltlast auf, die die Waldökosysteme und ihre Funktionen nach wie vor beeinträchtigen. „Die Bodenschutzkalkung muss von der in der Landwirtschaft gebräuchlichen Bodendüngung unterschieden werden“, macht Förster Christian Schnepf deutlich. „Düngung dient in erster Linie der Steigerung der Ertragskraft guter Böden, um das Fehlen z. B. eines einzelnen Nährstoffs auszugleichen. Waldstandorte werden hingegen gekalkt, um die durch die Stoffeinträge geschädigte Bodenstruktur zu verbessern sowie die Bodenchemie auszugleichen“ Dadurch wird der Regenwurmbesatz stabilisiert, eine artenreichere Bodenvegetation ermöglicht und die natürliche Verjüngung der Waldbestände gefördert.

Wo wird aktuell gekalkt?

Für Waldbesuchende kann es kurzfristig zu staub- und lärmbedingten Beeinträchtigungen beim Betreten des Waldes kommen. Um Verschmutzungen an Kleidung oder parkenden Autos sowie mögliche Beschädigungen durch das Herabfallen von kleineren Kalkbrocken und sonstige Störungen zu vermeiden, rät das Forstamt dazu während der Arbeiten die betreffenden Waldbereiche zu meiden.&nb

Hintergründe zur Bodenschutzkalkung

Dem Waldboden kommen elementare Filter- und Pufferfunktionen zu. Nur ein gesunder Waldboden ist ein Garant für ein intaktes Waldökosystem. Dieses ist gekennzeichnet durch ein gutes Baumwachstum. Nur so kann der Wald auch sauberes Trink-Wasser liefern. Jedes Jahr laufen etwa 1.800.000 bestes Trinkwasser aus dem Stadtwald Landau durch die Wasserhähne im Stadtgebiet.

Die Erfüllung der überaus wichtigen Bodenfunktionen ist vor allem durch übermäßige Luftschadstoffeinträge nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet. Die Waldböden versauern und verarmen an essentiellen Nährstoffen. Ziel der Bodenschutzkalkung ist es, die Säureeinträge durch Luftschadstoffe in den Waldböden abzupuffern und eine ausgeglichenere Nährstoffversorgung im Ökosystem Wald zu gewährleisten. Untersuchungen der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt zeigen außerdem, dass die Stickstoffeinträge auf einigen Standorten die ökologische Belastungsgrenze übersteigen. Die Folgen sind vor allem eine weitere Bodenversauerungen und dadurch entstehend Nährstoffungleichgewichte, die zu Vitalitätsverlusten der Bäume führen können.

Die Bodenschutzkalkung ist jedoch keine Düngung. Sie hat vielmehr zum Ziel, die durch die Luftverunreinigung verursachte Versauerung der Waldböden zu kompensieren. Deshalb spricht man auch von einer Kompensations- oder Bodenschutzkalkung.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz belegen eingehend die hohe Wirksamkeit der Bodenschutzkalkung im Hinblick auf den Schutz des Waldbodens vor fortschreitender Versauerung sowie eine Verbesserung der Magnesiumbereitstellung im Boden. Auch eine Verringerung der Kronenvergilbung, eine Erhöhung der biologischen Aktivität und eine Verringerung der Schwermetallmobilität und damit der Gefährdung des Grund- und Quellwassers durch Schwermetalle konnte nachgewiesen werden.

Begrenzte Ausbringungszeiträume, möglichst außerhalb der Haupt-Flugzeit unserer Insektenfauna, sowie die Dosierung der Aufwandmenge, der konsequente Ausschluss von Gewässern, Bachläufen oder naturschutzrelevanter Waldflächen sowie die Beachtung von Mindestabständen minimieren unerwünschte Nebenwirkungen.