Niederwald vermehrt sich durch Stockausschlag. Das bedeutet, dass in einem regelmäßigen Zyklus von 15 bis 30 Jahren die Bäume geerntet und dazu im Frühjahr auf den Stock gesetzt wurden. 
Aus den Stöcken entwickelte sich eine Vielzahl neuer Triebe, die - über Jahre ausgedünnt - zu einem neuen Stockausschlagwald heranwuchsen. 
Die Erntebäume wurden geschält und die Rinde als Holz zum Gerben von Leder eingesetzt. Die Eichenlohe aus Niederwald hat einen vergleichsweise hohen Gerbstoffgehalt gegenüber der Lohe aus Kernwüchsen (Baum, der aus Samen erwächst). Auch der warme Klimaraum und das Erntealter von 15 bis 20 Jahren sind günstig. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war Boppard europaweit der größte Umschlagplatz (Versteigerung) für Lohrinde. 
Das Holz der Lohbäume fand Verwendung in der Herstellung von Holzkohle, Weinbergspfählen, Grubenholzstempeln und als Brennholz. Letzteres erfährt aktuell eine Renaissance. 
Insbesondere in den Steillagen des Rhein- und Moseltals wurde der Niederwald mangels Ackerfläche in Form der Rottwirtschaft behandelt. Das bedeutet, dass nach der Ernte der Lohehölzer die Flächen zwischen den Stöcken in der Regel über drei Jahre hinweg zum Anbau von Getreide genutzt wurden. 

Die Versorgung der chemischen Industrie mit Gerbstoffen aus Südamerika hat in den fünfziger Jahren zur Aufgabe der Niederwaldwirtschaft geführt. 
Inzwischen werden die seit langem nicht mehr genutzten Niederwälder über die Ernte von Brennholz in Wald mit für die Sägeindustrie tauglichem Holz überführt. Zur Wahrung des Kulturguts werden kleinflächig Waldstreifen „auf den Stock gesetzt“ (kurz oberhalb des Bodens abgesägt) und zur Biotop- und Artenpflege Haselhuhntaschen angelegt. Bereits vorhandene seltene Baumarten werden herausgepflegt und der Gesamtwald Ggf. durch Anpflanzung seltener Baumarten aufgewertet.

Einen Artikel in der AFZ über Maßnahmen im Bopparder Niederwald finden Sie hier.

Beiträge der Niederwaldwirtschaft zu Naturschutz und Biodiversität: Eine internationale Gruppe junger Forscher untersucht diese Aspekte im Forstamt Boppard. Alicia Unrau