FVA Baden-Württemberg, Abteilung Waldschutz

Aus einem Zwischenbericht von Dr. Metzler (110723):

"In den 90er Jahren wurde der Rindenkrebs an Esskastanie sukzessive in unseren drei Interreg-Regionen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Elsass entdeckt. Seither breitet sich der Erreger, der Schlauchpilz Cryphonectria parasitica ständig weiter aus und immer neue Esskastanienbestände zeigen typische Krankheitssymptome: Rindennekrosen, rote Sporenlager des Schadpilzes an der erkrankten Rinde, dürre Kronenäste, und auch vereinzeltes Absterben der erkrankten Bäume. Da diese Pilzerkrankung die Nutzbarkeit der Esskastanie einschränkt und wirtschaftliche Schäden hervorruft, ist es ein Ziel unseres Projekts, Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

 

Unter einer Vielzahl von Isolaten des Erregerpilzes, die wir bisher aus erkrankten Bäumen gewonnen haben, zeigen einzelne eine abgeschwächte Aggressivität (Hypovirulenz), was durch ein Virus im Pilz verursacht wird. Dieses Naturphänomen suchen wir zu nutzen, indem Pilzstämme mit diesem Virus auf aggressive Pilzmycelien geimpft werden, so dass nach der Virusübertragung die Infektionen am Baum verheilen können und weiterer Schaden unterbunden wird. Ein Problem bei diesem Ansatz liegt darin, dass Spender- und Empfängerpilz der gleichen Kompatibilitätsgruppe (VC-Gruppe) angehören müssen, so dass das Virus übertragen werden kann. Somit muss möglichst für jede VC-Gruppe des Pilzes ein eigener Spenderstamm gefunden werden.

Unsere bisherigen umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass im Projektgebiet bereits mehr als 10 VC-Gruppen von Cryphonectria parasitica vorhanden sind. Da diese überwiegend isoliert voneinander vorkommen muss man annehmen, dass der Pilz entsprechend häufig in das Interreg-Gebiet eingeschleppt worden sein muss."