Zecken sitzen an Sträuchern, Gräsern und im Unterholz von Wäldern. Auch auf Wiesen, an Wegrändern und Uferregionen, praktisch überall, wo es Pflanzen zum Festhalten gibt, sind sie anzutreffen. Sie lassen sich entgegen der weitläufigen Meinung nicht von Bäumen fallen, sondern packen uns mit den Vorderbeinen, wenn wir an Büschen oder dergleichen vorbeistreifen. Zecken können ebenfalls von (Haus-) Tieren übertragen werden, wenn sie sich dort noch nicht festgebissen haben. Da der Einstich nicht spürbar ist, merken wir oft gar nicht, dass es sich eine Zecke bei uns gemütlich gemacht hat. Sie saugt sich dann voll mit Blut, lässt sich zu Boden fallen, legt ihre Eier und stirbt anschließend. 

Warum sind Zecken so gefährlich?

Durch Zeckenstiche können schwerwiegende Krankheiten hervorgerufen werden. Die Erreger befinden sich im Speichel der Zecke. Zum einen kann ein Virus übertragen werden, der die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslöst. Zum anderen kann ein Bakterium in die menschliche Blutbahn gelangen, das die Infektionskrankheit Borreliose hervorruft. Der Zecke selbst können diese Krankheitserreger nichts anhaben.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems, also des Gehirns und des Rückenmarks. Nach einer Vorphase von 1 bis 6 Tagen mit uncharakteristischen, grippeartigen Erscheinungen wie Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Störungen kommt es zunächst zu einem beschwerdefreien Intervall von 7 bis 10 Tagen. Danach kann es zu einem erneuten Fieberanstieg mit Hirnhautentzündung, Gefühlsstörungen und Lähmungen kommen. Sehr hoch ist die Gefahr der Infizierung in den südlichen Teilen Deutschlands, besonders in Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch in Rheinland-Pfalz wie auch in anderen Ländern tritt die FSME auf. Doch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass es nicht nach jedem Zeckenbiss zu einer Erkrankung kommt. In ganz Deutschland erkranken jährlich etwa 200 bis 250 Menschen an FSME. Das sind ungefähr so viele Fälle wie ein rheinland-pfälzischer Försterinnen und Förster in seinem Leben Zeckenbisse bekommt! Eine Therapie der Krankheit gibt es nicht, aber mit einer Impfung lässt sich wirksam vorbeugen. Diese Impfung besteht aus drei Teilimpfungen, wobei die zweite Impfung im Abstand von 1 bis 3 Monaten, die dritte nach 9 bis 12 Monaten erfolgt. Der Impfschutz hält etwa 3 bis 4 Jahre. Die Borreliose kommt weitaus häufiger vor als die FSME. Jährlich gibt es in Deutschland rund 30.000 bis 80.000 Neuinfektionen. Etwa 100.000 Menschen leiden an einer chronischen Borreliose. Erstes Symptom der Krankheit ist eine sich ständig vergrößernde, kreisrunde Rötung um den Einstich, die auch ”Wanderröte” genannt wird. Die Wanderröte kann Stunden bis Wochen nach dem Stich oder auch überhaupt nicht auftreten. Die Erkrankung kann auch ohne diese Röte beginnen. Die Symptome sind ähnlich wie bei der FSME: Abgeschlagenheit, Grippegefühl, Muskel- und Kopfschmerzen und Schwindel. Wer diese Symptome falsch einschätzt und sich nicht behandeln lässt, läuft Gefahr einer Beteiligung des Zentralen Nervensystems mit zum Beispiel Hirnhautentzündung und Lähmungen, einer Beteiligung des Herzens mit zum Beispiel Rhytmusstörungen und Augenbeschwerden. Als Spätfolgen können Erkrankungen der Gelenke (besonders Knie- und Sprunggelenke, Ellenbogen, Rheuma), chronische Entzündungen der Haut, Herzbeschwerden und Störungen im Nervensystem auftreten. Gegen die Borreliose gibt es in Deutschland noch keinen wirksamen Impfstoff. Siekommt flächig in ganz Deutschland vor.

Wie können wir uns schützen?

Niemand sollte aus Angst vor Zeckenbissen auf einen Waldspaziergang verzichten. Eine überstürzte Panik ist nicht angebracht.

Die richtige Kleidung, sprich lange Hosen und Ärmel, versperrt schon vielen Zecken den Zugang zur Haut. Stülpen Sie die Socken über die Hose. Tragen sie möglichst helle Kleidung, damit man die Zecken sofort sieht und absammeln kann. Man kann auch die üblichen Mittel gegen Insekten auftragen, sie wirken allerdings bei jedem in unterschiedlicher Weise und meistens nicht allzu lange. Nach einem Aufenthalt im Wald duschen und den Körper absuchen. Zecken halten sich besonders gern an feuchtwarmen Körperpartien und in den Haaren auf.

Abwehrmittel gegen Zecken (Stiftung Warentest 5/2008)

Zeckenbiss - Was nun?

Besonders wichtig ist es, dass Sie sich sofort nach einem Waldbesuch absuchen und eine gefundene Zecke unverzüglich entfernen. Denn in den ersten 12 Stunden nach einem Biss findet kaum eine Übertragung des Erregers statt. Die Zecke entfernen Sie sie mit einer Pinzette, notfalls auch mit den Fingernägeln, indem Sie das Tier möglichst weit vorne an den Mundwerkzeugen packen und mit einer Drehung aus der Haut ziehen. Verwenden Sie kein Öl, Klebstoff oder ähnliches, denn beim langsamen Ersticken entleert die Zecke ihren Mageninhalt und übergibt Ihnen somit die gesamten Krankheitserreger. Spätestens dann kann es zu einer Infizierung kommen. Ähnlich verhält es sich mit dem Gebrauch der sogenannten Zeckenzangen, die Quetschungen des Zeckendarmes hervorrufen können. Nach dem Entfernen die Hautstelle mit Jod oder Alkohol desinfizieren. Wichtig ist es, dass der Zeckenleib vollständig entfernt wird. Bleibt zum Beispiel der Kopf der Zecke stecken, sollte dieser von einem Arzt oder einer Ärztin entfernt werden. Ein Arztbesuch ist ebenfalls erforderlich, wenn Sie die oben genannten Symptome an sich bemerken, obwohl Sie einen Zeckenstich nicht bemerkt haben. Nur etwa 30 Prozent der an Borreliose Erkrankten können sich an einen Zeckenstich überhaupt erinnern. Wenn Sie unsere Hinweise beachten, können Sie beruhigt Ihre Freizeit im Wald genießen. Also, viel Spaß beim nächsten Spaziergang! 

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