Sperlingskäuze sind Rekordhalter! Als kleinste Europäische Eulen-Art werden sie mit nur etwa 15 bis 19 cm nicht größer, als ein Star und erreichen ein Kampfgewicht von bloß 60 bis 80 g. Weniger als eine Tafel Schokolade also. Ihr rot- bis blass dunkelbraunes Gefieder zeichnet sich durch kleine helle Flecke und eine helle Bauchseite mit dunklen Längsstreifen aus. Das Besondere: Sperlingskäuze haben Augen im Hinterkopf. So sieht zumindest das „Scheingesicht“ aus, eine Federzeichnung, die Fressfeinde (Baummarder, Sperber, Habicht, größere Eulen) abschrecken soll. Die „richtigen“ Augen sind klein und gelb und sitzen natürlich an der Vorderseite des flachen, breiten Kopfes.

Was die Rufe des Kauzes angeht, so sind Sperlingskäuze weniger erfinderisch, als die verwandten Steinkäuze. Ihr Reviergesang besteht lediglich aus einer eintönigen Reihe von Pfeiftönen. Daneben ist vornehmlich im Herbst die sogenannte Tonleiter zu hören, die wohl der herbstlichen Revierabgrenzung dient und von Männchen und Weibchen vorgetragen werden kann. Gerne wird der Gesang von der Spitze eines exponiert stehenden Baumes aus zum Besten gegeben. Solche Solitärbäume sind neben Alt- und Totholz im lockeren Bestand wichtiger Bestandteil des Lebensraumes. Eine vielfältige Waldstruktur mit offenbleibenden Freiflächen bei einer Reviergröße von einem Quadratkilometer ist nötig für die Lebensweise des Sperlingskauzes. In Ruhephasen zieht er sich gerne in dichtere Bestandesteile zurück, für die Brut benötigt er höhlenreiches Altholz. Die Jagd findet von Ansitzwarten aus auf freieren Flächen statt. Erbeutet werden per Überraschungsangriff Mäuse und Singvögel bis zur Größe einer Drossel. Sperlingskäuze sind tag- und dämmerungsaktiv, also zu denselben Zeiten, wie ihre Beutetiere. Für den Standvogel ist es besonders im Winter wichtig, dass das Revier über eine ausreichende Singvogelpopulation verfügt, während die Mäuse unter einer Schneedecke verborgen bleiben. Zur Sicherheit legt der Sperlingskauz Vorräte an wie ein Hamster. Im Winter und zur Brutzeit deponiert er (meist kopflose) Beutetiere in Höhlen und Astgabeln.

Sperlingskäuze nutzen für ihre Brut am Liebsten die Höhlen von Buntspechten als Nachmieter. Sie gehen eine jährlich neue Saisonehe ein, die sie bei der Balz im März und April festigen. Das Gelege von vier bis sieben Eiern wird mitunter aggressiv verteidigt. Die Brutdauer von etwa 30 Tagen wird von einer Nestlingszeit von erneut 30 Tagen gefolgt. Danach bleiben die flüggen Jungvögel noch etwa vier Wochen im Familienverband und werden gefüttert. Bei nasskalter Witterung oder Störungen in unmittelbarer Nähe zum Nest kann es vorkommen, dass die Brut misslingt oder aufgegeben wird.

Zwar ist der Sperlingskauz keine Rote Liste-Art, wird aber im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie gelistet. Derzeit gibt es in Rheinland-Pfalz etwa 30 bis 50 Brutpaare, Tendenz steigend. Die Hauptvorkommen liegen in Nord- und Osteuropa, doch auch in Deutschland können die Käuze durch Waldbaumaßnahmen unterstützt werden. Ein Vogelschutzgebiet mit bekannten Vorkommen in Rheinland-Pfalz liegt im Pfälzer Wald, weitere Populationen wurden für die Eifel und den Westerwald bestätigt. Die Vorkommen sind disjunkt, bedingt durch die spezifischen Lebensraumansprüche. Künstliche Nisthilfen werden selten angenommen, hilfreicher sind die Schaffung und der Erhalt von Wäldern mit Lichtungen, Freiflächen und Alt- und Totholzinseln. Dazu trägt auch die Renaturierung von natürlichen Moorstandorten bei.

Leonie Münzer, KOMMA; Richard Hansen, Forstamt Hillesheim