Ulmen sind selten geworden. Ein guter Grund eine der drei Ulmenarten, nämlich die Flatterulme, zum Baum des Jahres 2019 zu wählen.

Ulmen leiden unter einer Pilzerkrankung, die den Baum veranlasst, seine eignen Wasserleitbahnen zu verschließen, sodass zunächst einzelne Äste, bald danach der gesamte Baum abstirbt. Der Pilz kam Anfang des 20. Jahrhundert mit ostasiatischen Holzimporten nach Europa. Bereits 1925 hatte der Pilz auch Deutschland erreicht und sich ganzflächig ausgebreitet. Von Europa aus wurde der Pilz schließlich nach Nordamerika weiterverbreitet, wo er ebenfalls katastrophal wütete. Mitte der 60-er Jahre kam der Pilz dann als Reimport von Amerika nach Europa zurück und hatte an Aggressivität nochmal deutlich zugelegt. Übertragen wird der Pilz v.a. durch 2 auf Ulmen spezialisierte Borkenkäferarten, den großen und kleinen Ulmensplintkäfer. Diese legen Brutgänge unter der Rinde der Bäume an und haben dabei Pilzsporen im Gepäck.

Während die Feld- und die Bergulme davon stark betroffen sind und es kaum mehr ausgewachsene Exemplare gibt, ist die Flatterulme ziemlich resistent gegen diesen Pilz. Und da viele  Insekten- und Pilzarten auf die Ulmen spezialisiert sind, also nur auf und durch Ulmen existieren können, kommt dem Erhalt der Flatterulme eine große ökologische Bedeutung im Artenschutz zu. Mit  den Ulmen sterben auch die Lebensgemeinschaften aus, die auf die Ulmen in Ihrer Existenz angewiesen sind.

Flatterulmen sind nicht durch den Pilz, aber durch die Zerstörung der ursprünglichen Lebensräume selten geworden.

Der römische Schriftsteller Tacitus beschreibt  Germanien als ein Land der schaurigen Wälder und widerwärtigen Sümpfe. Genau  Landschaften mit diesen Eigenschaften braucht die Flatterulme. Und diese Landschaften sind in Deutschland weitgehend verschwunden.

Die Flatterulme gedeiht auf nassen, moorigen und zeitweise überfluteten Böden. Dort wo die meisten heimischen Baumarten, wie z.B. Rotbuchen, nicht mehr gedeihen können, leben Flatterulmen. Sie kommen mit diesen Standortbedingungen prima zurecht.

Aber Feuchtwälder wurden trockengelegt, gerodet und der fruchtbare Boden  der Landwirtschaft zugeführt. Von den ursprünglichen Auenwäldern entlang des Rheines sind gerade mal 1-2 % übrig geblieben.  Die  wenigen Flatterulmen, die wir heute in den Wäldern noch finden, werden natürlich nicht gefällt,  sondern geschont. Meistens entfernen die Förster die Nachbarbäume, damit die Flatterulmen Licht bekommen und vital bleiben.

Der Name Flatterulme kommt von den Früchten und Blüten des Baumes. Diese hängen an bis zu 5 cm langen Stielen, sodass diese im Wind umherflattern. Sie  blüht bereits sehr früh im Jahr, manchmal schon im Februar, spätestens im März. Also lange bevor das Laub austreibt.

Die Früchte sind kleine Nüsschen, die von einem flachen, ringförmigen Flügel umgeben sind.  Der Rand der Flügel ist bewimpert, die Nüsschen liegen in der Mitte des Flügels. Wie bei vielen Waldbäumen ermöglicht der Flügel einen weiten Transport der Früchte in der Luft, dabei drehen sich die Flügel um sich selbst, man nennt sie Scheibendrehflieger. Geröstet sollen sie übrigens ähnlich wie Kartoffelchips schmecken.

Markant und typisch sind die Wurzelanläufe, also der untere Bereich des Stammes, der dann im Boden in die Wurzel weiterführt. Der Stamm bildet auffällige Brettwurzeln aus. Das mutet teils exotisch an und erinnert an Bäume aus den Tropen. Diese Brettwurzeln erhöhen die Standfestigkeit auf den nassen Böden.

Flatterulmen können bis zu 250 Jahre alt werden. Wenn man Ihre  seltenen Lebensräume erhält und schützt. Und darum bemühen sich die Förster von Landesforsten.