Ziel der Landesregierung und der Waldbesitzenden ist eine stärker ökologisch orientierte Waldentwicklung und damit ein naturnaher Waldbau, der die Vielfalt und Stufigkeit unserer Waldbestände ebenso wie die Naturverjüngung und den Laubholzanteil fördert. Die Jägerschaft identifiziert sich weit überwiegend mit diesen Zielen und ist bereit, einen ganz erheblichen Beitrag durch starke Bejagung insbesondere von Reh- und Rotwild zu leisten.
Örtlich sind aber in unterschiedlichem Ausmaß Wildschäden im Wald immer noch zu hoch und beeinträchtigen die waldbauliche Zielerreichung beziehungsweise verursachen erhebliche Kosten zum Schutz des Waldes gegen Wild. Es bedarf deshalb einer Übereinstimmung bei den Waldbesitzenden, in ihren Zielen bezüglich der Waldwirtschaft einerseits und der Nutzung der Jagd andererseits. So sind hohe Wildbestände und hohe Jagdpachten in der Regel nicht mit geringen Wildschäden und naturnahem Waldbau vereinbar.

Muffellämmer; Bild: Ingrid Lamour
Muffellämmer; Bild: Ingrid Lamour

Gesetzgeber und Landesregierung haben in den letzten Jahren eine Fülle von Rahmenbedingungen geschaffen, die einen Ausgleich von Wald und Wild unterstützen sollen. So wurden zum Beispiel durch Rechtsverordnung in Rheinland-Pfalz die Bewirtschaftungsbezirke und die höchst zulässige Wilddichte von Muffel-, Dam- und Rotwild festgelegt. Durch eine Verankerung der waldbaulichen Gutachten für die Abschussfestsetzung im Landesjagdgesetz wurden sachliche Hinweise der Zielerreichung gegeben. Zudem kann heute der Grundbesitzer, abhängig von dem Ergebnis des waldbaulichen Gutachtens, vom Pächter den körperlichen Nachweis der Erlegung des Schalenwildes fordern. Die Fütterung und Kirrung des Schalenwildes wurde umfassend geregelt. Nach einem grundsätzlichen Verbot gibt es gesetzlich festgelegte Ausnahmen sowohl hinsichtlich der Zeit als auch nach der Art der Futter- beziehungsweise Kirrmittel. Nach dem neuen Landesjagdgesetz ist zur Verringerung von Wildschäden die Ausweisung von Wildschutzgebieten, das heißt Zonen der Ruhe für das Wild durch Wegegebote an Waldbesucher und Waldbesucherinnen, möglich. Auch durch bundesweite Initiativen versucht das Land Rheinland-Pfalz noch bessere Rahmenbedingungen - etwa durch verbesserte Jagdzeiten auf Rehwild zu schaffen. 

Hilfestellungen leistet das Land ferner durch die Unterstützung aller Ansätze, die auf eine Kooperation zwischen Jägerschaft, Waldbesitzenden, Forst- und Jagdbehörden hinwirken. So werden mit der jüngsten Novellierung des Landesjagdgesetzes landesweit die Hegegemeinschaften für Rot-, Dam- und Muffelwild als Körperschaften des öffentlichen Rechts gesetzlich verankert und mit wichtigen Funktionen z.B. bei der Abschussfestsetzung ausgestattet.

Ein Schlüssel zur Konfliktminimierung liegt auch bei den Jagenden selbst. Wie gejagt wird, mit welchen Mitteln und Methoden (Jagddruck, Störung) hat ein bisher oft unterschätzten Einfluss auf die Wildschäden. Aber auch der Forstbetrieb hat umfangreiche Möglichkeiten, zur Lebensraum- und Äsungsverbesserung und damit zur Verminderung von Wildschäden im Wald.