Projektdatenbank
Wald und Wildökologie - Ökologische Waldentwicklung
Radioaktivität bei Wildschweinen (Radiocesium contamination of wildboars)
Problemlage:
Seit 1997 wird in Rheinland-Pfalz im Pfälzerwald und im Hochwald bei ca. 10 bis 15% der untersuchten Wildschweine eine grenzwertüberschreitende Kontamination des Muskelfleisches mit Radiocäsium von > 600 Bq/kg beobachtet (Die Herkunft dieses Nuklids ist neben oberirdischen Kernwaffentests auf den Tschernobylreaktorunfall im Frühjahr 1986 zurückzuführen).
Diese Entdeckung führte zu einer kontinuierlichen Ausweitung der Kontrollen von Wildschweinfleisch. Man stellte fest, dass insbesondere im Pfälzerwald und in Gebieten des Hochwaldes Wildschweine radioaktiv belastet seien können. Da sich Wildschweine u. a. von Waldpflanzen bzw. deren Wurzeln und Rhizomen sowie Pilzen ernähren, könnten diese Nahrungsbestandteile als Kontaminationsquelle fungieren.
Im Februar 2002 gab das Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz eine Untersuchung bei der FAWF in Auftrag, die zu einer wissenschaftlich fundierten Klärung der Radiocäsiumbelastung von Wildschweinfleisch führen soll.
Material und Methoden:
Im Rahmen einer Pilotstudie wurde geprüft, ob Mageninhaltsanalysen Informationen zum Kontaminationspfad bzw. -quelle liefern können.
Hierzu wurden zwischen Mai 2002 und Februar 2003 714 Mägen von erlegten Wildschweinen aus dem Pfälzerwald gesammelt und hinsichtlich Radiocäsiumgehalt und Nahrungszusammensetzung untersucht (Details siehe Forschungsbericht).
Ergebnisse:
- Die Magen- und Fleischbelastung korrelierten und zeigten einen ausgeprägten saisonalen Verlauf mit einem Maximum im Sommer und einem Minimum im Herbst/Winter.
- Rottenmitglieder wiesen eine nahezu identische Belastung auf.
- Diese beiden Befunde deuten an, dass der Kontaminator im Sommer vermehrt, regelmäßig und in der Rotte koordiniert aufgenommen wird.
- Hirschtrüffelschalenreste und grüne Pflanzenteile konnten in allen hochbelasteten Mägen nachgewiesen werden. Es ist bekannt, dass Hirschtrüffel (Elaphomyces granulatus) hohe Radiocäsiumgehalte aufweisen können. Daher werden sie als eine wichtige Kontaminationsquelle angesehen.
English Summary
Since 1997 meat of wild boars coming from areas of the "Pfälzerwald" or "Hochwald" has been contaminated with radiocesium above 600 Bq/kg in more than 10 % of all cases. Because the contamination probably happens together with the food intake a pilot study has been started to investigate the correlation of radiocesium contamination of meat, stomach content and food components between May 2002 and Feb. 2003.
It has been found that only the deer truffle (Elaphomyces granulatus) together with green plant matter occurred in all highly contaminated stomachs. Because fungi in general are known as organisms with a high radiocesium affinity, deer truffle probably function as a major cesium source for wild boar.
Weitere Links
Ausführlicher Forschungsbericht (1.3 Mb, pdf-Format)
Kontakt
Dr. Ulf Hohmann, ulf.hohmann (at) wald-rlp.de, Tel.: 49-6306-911-148

