Verhalten:
Der Waschbär ist nachtaktiv und am Tage für den Menschen nahezu unsichtbar. Er hält sich zu dieser Zeit in Verstecken wie zum Beispiel Höhlen, alten Stollen, in Felsspalten, unter Holzstößen oder in einsamen Scheunen auf, ja sogar in Hochsitzen wurde der Kletterkünstler schon entdeckt. Oft schlafen Waschbären am Tage auch hoch oben in Baumkronen, die sie aufgrund ihrer gut ausgebildeten Kletterfähigkeiten mit Leichtigkeit erreichen können. Da der kleine Bär aber sehr neugierig ist, fällt es einigen Menschen, die die Angewohnheiten dieses Tieres kennen, recht leicht ihn von dort herunter zu locken. Dies funktioniert dort besonders gut, wo die Tiere sowieso schon an den Menschen gewöhnt sind, wie zum Beispiel in Parks.
Waschbären verfügen über ein umfangreiches Lautrepertoire. So sind sie in der Lage 13 verschiedene Laute von sich zu geben, um sich zu verständigen. Sie keckern, fiepen, trillern und schnirken. Wird ein Kampf ausgetragen, kommt es zu einem wütenden Knurren, das während der Kampfhandlungen dann in ohrenbetäubenden Kreischgeräuschen mündet.
Waschbären halten keinen richtigen Winterschlaf. Sie bleiben so lange aktiv, wie die winterlichen Temperaturen es zulassen. Wenn die Temperatur stark unter Null sinkt, verkriechen sie sich in ein sicheres Versteck und schlafen dort teilweise mehrere Wochen lang ohne zwischendurch Nahrung aufzunehmen. Allerdings fahren sie ihre Körperfunktionen nicht, wie richtige Winterschläfer, auf ein Minimum zurück, sondern sind bei Störungen sofort wieder mit allen Sinnen anwesend.
Nahrung:
Schaut man auf den Speiseplan des Waschbären, muss man mit Erstaunen feststellen, dass es eigentlich nichts gibt, was der kleine Kerl nicht verputzt. Er frisst Weich- und Kerbtiere, Fische, Krebse, kleine Reptilien und Amphibien, Mäuse, Ratten, Vogeleier, Getreide, Obst, Nüsse, Kleinvögel, ja selbst gößere Vögel wie Enten und Hühner. Auch Aas wir nicht verschäht. Untersuchungen haben ergeben, dass dieser Allesfresser im Frühjahr vorwiegend Vögel frisst. Im Sommer besteht seine Hauptnahrung aus Würmern und im Herbst hauptsächlich aus Pflanzen. Die in Siedlungen oder in Siedlungsnähe lebenden Waschbären ernähren sich auch von Essensresten.
Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:
Die Ranz findet im Februar statt, an die sich die etwa neunwöchige Tragzeit der Fähe anschließt. Das Waschbärweibchen bekommt zwei bis vier Junge, die behaart, blind, taub und zahnlos auf die Welt kommen und ungefähr mausgroß sind. Die Neugeborenen wiegen 65 bis 75 Gramm. Die ersten Milchzähne brechen in der vierten Lebenswoche durch. Die Jungen wiegen dann etwa 300 Gramm. In der neunten Woche ist das Milchgebiss vollständig ausgebildet. Gegen Ende ihres zweiten Lebensmonats und mit einem Körpergewicht von ungefähr 1000 Gramm verlassen die Jungwaschbären erstmalig ihre Geburtstätte. Das Dauergebiss wird gegen Ende des dritten und Anfang des vierten Monats vervollständigt. Etwas länger, nämlich 15 bis 16 Wochen, werden die Nesthocker, die bis zum Herbst bei ihrer Familie bleiben, von ihrer Mutter gesäugt. Die Männchen werden mit zwei Jahren geschlechtsreif, während die Weibchen bereits nach einem Jahr Junge gebären können.