Verhalten:
Der sympathische kleine Vertreter der Hasenfamilie lebt gesellig in einer Familienstruktur mit selten mehr als sieben Artgenossen. Diese Familien schließen sich mit anderen Familien zusammen, wodurch Kolonien mit bis zu einhundert Tieren entstehen können. Diese Kolonien sind es, die dann erhebliche Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen anrichten, wie zum Beispiel: Gemüse- und Obstanlagen, Weinberge und Forstkulturen. Die von den Wildkaninchen angelegten unterirdischen Baue weisen mindestens zwei Eingänge auf. Über diese verlassen die Tiere in der Dämmerung den Bau, um nach Nahrung zu suchen, wobei sie sich in den meisten Fällen nicht weiter als 200 Meter vom Höhleneingang entfernen. Bei Gefahr flüchten die Kurzsprinter, die bis zu 39 Stundenkilometer schnell werden können, über die angelegten Eingänge wieder in den schützenden Bau.
Nahrung:
Das Wildkaninchen ist ein reiner Pflanzenfresser und bei Leibe kein Kostverächter. Es nimmt Gräser, Kräuter, junge Saaten, Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde als Nahrung auf. Die Nahrungsaufnahme findet in der Dämmerung und auch nachts statt, in ruhigeren Gegenden ist das Wildkaninchen auch tagaktiv. Wie auch der Feldhase stellt das Wildkaninchen nahrungstechnisch eine Besonderheit dar, da es durch den sogenannten Vorgang der Koprophagie in der Lage ist, Minderaufnahmen von bestimmten Nährstoffen auszugleichen.
Paarungszeit und Aufzucht der Jungtiere:
Die Paarungszeit beginnt im Februar und dauert bis in den September an. Zur Paarung kommt nur ein dominantes Männchen, das die anderen männlichen Kaninchen vorher vertrieben hat. Das dominante Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Die trächtigen Wildkaninchenweibchen legen Setzröhren an, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Die Setzröhren befinden sich nicht im heimischen Bau, sondern sind kurze, unverzweigte Tunnel abseits des eigentlichen Familienbaues. Das Ende der Setzröhren wird mit Fell ausgepolstert, das sich das Weibchen aus der Bauchregion herausrupft. Die Tragzeit des Wildkaninchenweibchens, das übrigens auch „Kaninchenhäsin“ genannt wird, beträgt 28 bis 33 Tage. Nach dieser Zeit bringt die Kaninchenhäsin 3 bis 10 nackte, blinde und taube Jungtiere zur Welt, die jeweils etwa 50 Gramm wiegen und von ihrer Mutter ein- bis zweimal am Tag gesäugt werden. Nach drei Wochen verlassen die Jungtiere ihre Setzröhre und werden im Alter von fünf bis sechs Monaten selbst geschlechtsreif.
Im Jahr kann eine Kaninchenhäsin bis zu fünfmal trächtig werden, sie setzt dabei insgesamt bis zu 20 Jungtiere. Das Höchstalter eines freilebenden Wildkaninchens beträgt 1 1/2 bis 2 Jahre. In Gefangenschaft ist die Lebenserwartung erheblich höher.
Starke Regenfälle können den Wildkaninchenbau überschwemmen und sogar zum Einsturz bringen. Außerdem verursachen Krankheiten wie Myxomatose, Chinaseuche und Kokzidiose Ausfälle in den Kaninchenpopulationen. Heimische Beutegreifer wie Fuchs, Marder, Dachs, Wiesel, Iltis und Greifvögel tragen ebenfalls zur Dezimierung der Kaninchen bei. Des weiteren stellen der Straßenverkehr und die Landwirtschaft mit ihren immer mehr von Sträuchern befreiten Flächen eine Gefahr für die Wildkaninchen dar. Mit der Beseitigung von Strauchhecken auf und zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen verliert das Wildkaninchen einen wichtigen Schutz vor Fressfeinden und einen Teil seines Nahrungsangebotes.