(Ovis ammon musimon)

In der Öffentlichkeit etwas unbekannter als andere wildlebende Tiere ist das Muffelwild. Es ist eine äußerst menschenscheue Wildschafart, die in Rheinland-Pfalz nur in wenigen Gebieten in größerer Anzahl vorkommt. Dennoch lebt die kleinste vorkommende Wildschafart in unseren heimischen Wäldern und wird dort auch entsprechend ihrer Dichte bejagt. Das Muffelwild wurde im Mittelalter aus dem korsischen Bergland bei uns eingeführt und kann mit dem Hausschaf gekreuzt werden. Durch weitere Einbürgerungen nimmt sein Gesamtbestand in Deutschland zu.

Portraitaufnahme eines Muffel; Bild: Andreas Michel
Portraitaufnahme eines Muffel; Bild: Andreas Michel

Aussehen:

Die meisten Menschen kennen Muffelwild aufgrund seiner Menschenscheue nur durch den ein oder anderen Besuch im Tierpark. Mit seinem rund gewachsenen Gehörn wird es dort gerne bewundert. Die männlichen Tiere (Widder) tragen im Sommer ein rotbraunes Fell, das sich im Winter braun bis schwarzbraun färbt. Die Widder besitzen auf den Flanken eine Aufhellung in ihrem Fell. Diese Stelle wird vom Jäger „Schabracke“ oder „Sattelfleck“ genannt. Die Weibchen (Schafe) besitzen im Sommer ein gelblich-braunes und im Winter ein graubraunes Fell. Widder erreichen eine Schulterhöhe von etwa 80 Zentimetern und können bis zu 50 Kilogramm wiegen. Schafe sind etwas kleiner und leichter. 
Auf dem Kopf tragen die Widder ein Gehörn, das nicht wie bei Reh- oder Rotwild jedes Jahr abgeworfen, sondern das ganze Leben über behalten wird und fortwährend wächst. Diese Schnecken wachsen in einem Bogen. Das Alter der Widder erkennt der Experte an den etwas dunkler gefärbten Jahrringen, die auf den Schnecken zu erkennen sind.

Muffelwidder; Bild: Andreas Michel
Muffelwidder; Bild: Andreas Michel

Muffelwild stammt vermutlich aus dem westlichen Teil Asiens, von wo es zunächst nach Korsika und Sardinien gebracht wurde. Heute ist das Muffelwild in weiten Teilen Europas verbreitet. In Deutschland existieren etwa 20.000 Tiere. In Rheinland-Pfalz kommt Muffelwild in größerer Dichte lediglich in einigen Gebieten des Hunsrück und der Eifel vor.

Lebensraum:

Muffelwild lebt sehr scheu in ruhigen Waldteilen. Es benötigt einen festen, steinigen Boden, da das Risiko der Moderhinke (Auswachsen der Schalen) und einer anschließenden Entzündung relativ groß ist. Der feste Boden gewährleistet ein kontinuierliches Abnutzen der Schalen und kann so die Erkrankung verhindern. Hin und wieder verenden Mufflons an den Folgen der Moderhinke, da es sich entweder aufgrund zu starker Schmerzen nicht mehr fortbewegen kann und deshalb verhungert oder die Tiere erliegen einer durch eine Entzündung hervorgerufene Blutvergiftung.

Muttertier mit Lamm; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Muttertier mit Lamm; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Verhalten:

Reinblütiges Muffelwild, das sich nicht mit Hausschafen gekreuzt hat, lebt in ruhigen Waldgebieten gesellig und nur am frühen Morgen und am Abend kommt es vor, dass es sich auf geschlossenen Waldwiesen blicken lässt. Noch seltener verlässt es den Wald, um auf Ackerflächen nach Nahrung zu suchen. Tagsüber wandert diese Wildschafart durch ruhige Revierteile, ohne jedoch jemals dabei den schützenden Wald zu verlassen. Muffelwild ist äußerst standorttreu und lebt in einem Rudel, das vom ältesten weiblichen Tier, dem Leitschaf, angeführt wird. Widder schließen sich allerdings ab dem dritten Lebensjahr in Trupps zusammen. Ältere Männchen sind teilweise auch Einzelgänger.

Nahrung:

Muffelwild ist hinsichtlich seiner Nahrungsauswahl recht anspruchslos. Es zählt zu den Wiederkäuern und ernährt sich in der Regel von Gräsern, krautigen Pflanzen und Blättern, Brennnesseln und Ginster. Außerdem frisst es Triebe von Laub- und Nadelbäumen und schält auch deren Rinde.

Muffelwidder im Haarwechsel; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Muffelwidder im Haarwechsel; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Paarungszeit:

Die Brunft spielt sich beim Muffelwild am Ende des Jahres in den Monaten November und Dezember ab. Zur Paarungszeit verteidigen starke Widder das Rudel gegen schwächere, jüngere Männchen. Dabei stoßen die Tiere mit ihren Hörnern so fest gegeneinander, dass ein lautes Krachen zu vernehmen ist. Die Kämpfe zwischen zwei älteren Widdern können lange andauern.
Das Muffelschaf bringt nach einer Tragzeit von 21 Wochen in der zweiten Aprilhälfte oder Anfang Mai ein Lamm zur Welt. Nur selten sind es zwei. Die Lämmer sind kurz nach der Geburt bereits in der Lage zu laufen und folgen ihrer Mutter. Die Kleinen werden vier Wochen lang gesäugt. Widderschafe sind in der Lage bei Verlust des Lammes im Herbst noch einmal ein Jungtier zu setzen. Dieser Vorgang wird Nachbrunft genannt. Schaflämmer sind bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und können im zweiten Lebensjahr, als sogenanntes Schmalschaf, Jungtiere setzen.