(Streptopelia turtur)

Wandert im Winter nach Afrika aus
(Fotograf : Fotonatur.de / Holger Duty)

Die als Friedenssymbol geltende Turteltaube ist die kleinste bei uns lebende Wildtaubenart. Ihren Namen verdankt sie den Lautäußerungen der männlichen Tiere nach der Ankunft im Brutgebiet. Sogar der hebräische Name „tōr“ scheint eine Nachahmung ihres wehmütigen Rufes zu sein. Diese melden sich nach der Reihenfolge des Eintreffens aus dem Winterquartier mit einem eintönigen „turr turr turr“. Ihr Bestand hat in Folge von Bejagungen auf ihren Zugstrecken, vor allem in den Mittelmeerländern, zwischen 1970 und 1990 erheblich abgenommen. Die Bestände in Frankreich und Großbritannien sind in diesem Zeitraum um die Hälfte zurückgegangen. Auch die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen vorgenommenen Veränderungen, die unter dem Begriff der Flurbereinigung zusammengefasst werden, trugen und tragen dazu bei, dass die Bestände rückläufig sind.

Aussehen:

Die kleinste Wildtaube Europas weist eine Länge von 26 bis 28 Zentimetern auf. Das Gewicht von ausgewachsenen Exemplaren beträgt 100 bis 170 Gramm. Auf der Oberseite trägt die ansehnliche Taubenart eine rotbraun-schwarze Musterung. Am Hals besitzt sie beidseitig eine schwarz-weiße Zeichnung. Die Brust ist leicht rötlich und die Unterseite ist hell gefärbt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nicht.

Turteltauben kommen mit Ausnahme von Island, Irland und Skandinavien in ganz Europa vor. Ebenso sind sie in Westasien vertreten und im Winter in ihren Winterquartieren im Sudan und in der westlichen Sahelzone südlich der Sahara anzutreffen.
Die Turteltaube bevorzugt aufgelockerte, sonnige und warme Landschaften mit Feldgehölzen und Sträuchern sowie südlich exponierte Waldränder. In Parks und Obstgärten fühlt sich diese Taubenart ebenfalls zu Hause. Sie lieben extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen mit genügend Feldgehölzen zwischen relativ klein parzellierten Äckern.

Verhalten:

Als ausgesprochener Zugvogel verlässt die Taube ab August unser Gebiet und zieht in großen Schwärmen gen Süden. Dabei sammeln sich die in Mitteleuropa brütenden Vögel in der westlichen Sahelzone (Senegal, Mali) und die aus Westasien und Südosteuropa kommenden Turteltauben eher im Sudan (östliche Sahelzone).
Von Mitte März bis Mitte April verlassen die Turteltauben ihren winterlichen Urlaubsort und kehren in ihre Brutgebiete nach Europa zurück. Hier treffen sie etwa Mitte Mai ein. Die Täuberiche, die immer etwas früher eintreffen als ihre weiblichen Artgenossinnen, besetzen gleich nach ihrer Ankunft ein Revier und geben durch wiederholtes „turr, turr, turr“ bekannt, dass sie nun wieder vor Ort sind, und das jeweilige Revier das ihre ist. Aus dichten Sträuchern rufen sie meist früh morgens, mittags und am Abend. Bemerkenswerte Balzflüge, sollen ebenfalls den Rivalen zeigen, dass hier bereits Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erhoben wird. Außerdem wollen die Tauber mit ihren spektakulären Steilflügen selbstverständlich auch den Damen imponieren. Nicht umsonst steigen sie ganz plötzlich und flügelklatschend aus ihrem Strauchversteck 20 bis 30 Meter steil in die Lüfte empor, um dann mit weit ausgebreiteten Schwingen in einem Bogen wieder auf ihrem Ausgangspunkt zu landen. Nachdem sie diese Kunststücke einige Male vollführt haben, beginnen sie erneut mit zu rufen. Gesellt sich nun ein Weibchen zu einem balzenden Tauber, beginnt dieser gleich sein schmuckes Halsgefieder aufzuplustern. Der stolze Liebhaber baut sich vor seiner Angebeteten auf, um sich wiederholend und gurrender Weise vor ihr zu verbeugen.

Nahrung:

Die Nahrung der Turteltauben besteht in der Regel aus Sämereien und Wildpflanzen. Seltener nehmen die Tiere Insekten, Würmer und kleinere Schnecken zu sich. Ihre Nahrung sucht die Turteltaube ausschließlich am Erdboden auf Acker- oder Grünflächen.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Entscheidet ein Weibchen sich für einen Turteltauber und bleibt es bei ihm, lässt die Begattung nicht lange auf sich warten. Zusammen suchen sie dann einen geeigneten Nistplatz zur Aufzucht der Jungen. Dabei führt das Männchen seine weibliche Eroberung zu mehr oder weniger geeigneten Stellen, die das Weibchen vor Ort kritisch bewertet. Sie entscheidet dann vor Ort ob es dort bleiben und die Jungen aufziehen möchte oder nicht. Die beiden Turteltauben sieht man in dieser Zeit oft nebeneinander im Geäst hocken, wo sie eine gegenseitige Gefiederpflege betreiben, verliebt herumschnäbeln und dabei leise gurren – eben turteln. Ab und an fliegt das Männchen davon, um Baumaterial für das Nest zu besorgen, das vom Weibchen konstruiert wird und eine einfache Mulde in meist schützendem, dornigem Strauchwerk ist.
Die im Abstand von zwei Tagen gelegten Eier werden abwechselnd von Männchen und Weibchen bebrütet. Die Jungtauben schlüpfen nach etwa zwei Wochen. Sie werden in ihren ersten Lebenstagen mit der aus den Halsschleimhäuten ausgeschiedenen Kropfmilch gefüttert. Nach etwa einer Woche erhalten die Kleinen zusätzlich feste Nahrung, die von den Eltern zu einem Brei vorverarbeitet wird. Nach drei Wochen ist das Federkleid der Jungen so weit ausgebildet, dass sie bereits erste Flugversuche unternehmen können. Nach vier Wochen sind die Jungvögel vollkommen selbständig und verlassen das elterliche Nest. Die Brutzeit spielt sich bei den Turteltauben somit recht schnell und in einem kurzen Zeitraum ab. Da viele Vögel während der Aufzuchtsphase sterben, legen Turteltauben in der Regel noch ein zweites Gelege im Jahr an.