Naturnahe Waldbewirtschaftung durch die Förster hilft dem Schwarzstorch

Bewirtschaftete Mischwälder weisen optimale Anflugschneisen zum Horst auf; Bild: Thomas Bengt-Gröbel
Bewirtschaftete Mischwälder weisen optimale Anflugschneisen zum Horst auf; Bild: Thomas Bengt-Gröbel

Die naturnahe Waldbewirtschaftung bindet natürlich ablaufende Prozesse der Natur möglichst weitreichend in die moderne Forstwirtschaft mit ein. Bäume werden einzeln genutzt und nicht großflächig in Kahlschlägen. Der Anteil an alten Bäumen steigt stetig. Die Althölzer  verjüngen sich natürlich, es braucht also nicht gepflanzt zu werden. Mischwälder mit höheren Laubbaumanteilen und Baumartenvielfalt werden angestrebt, unter Berücksichtigung der natürlichen Waldgesellschaft und der Standortsverhältnisse. Stehendes und liegendes Totholz werden stellenweise belassen. An Bachläufen werden Nadelbäume zurückgedrängt zugunsten von natürlich dort vorkommenden Laubbaumarten, stellenweise werden offene Strukturen an Bächen und in Quellgebieten erhalten und geschaffen.

Wurde früher nur in Einzelfällen nach diesen Prinzipien gearbeitet, begann das Umdenken und die Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Rheinland-Pfalz im Sinne der Naturnahen Waldbewirtschaftung in den 80er Jahren und verstärkte sich nach den Orkanen Vivian und Wiebke im Jahre 1990. Diese hatten in den mitteleuropäischen Wäldern zu verheerenden Windwürfen geführt und das Erfordernis aufgezeigt, künftig stabilere Waldbestände zu erzielen.

Bodenschutzkalkung durch den Hubschrauber verbessert die ph-Werte der Böden: Dieses führt zu mehr Laich in geringer versauerten Gewässern; Bild: Sebastian Heinrich
Bodenschutzkalkung durch den Hubschrauber verbessert die ph-Werte der Böden: Dieses führt zu mehr Laich in geringer versauerten Gewässern; Bild: Sebastian Heinrich
Feuchtbiotope im Wald: Zusätzliche Nahrungsbiotope; Bild: Sebastian Heinrich
Feuchtbiotope im Wald: Zusätzliche Nahrungsbiotope; Bild: Sebastian Heinrich

In diese Zeit fällt auch die  Rückkehr des Schwarzstorches und das Anwachsen sowie die Ausbreitung der Brutpopulation in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus in die westlich angrenzenden Länder Belgien, Luxemburg und Frankreich. Der Gedanke liegt nahe, dass es sich um keine zufällige zeitliche Übereinstimmung dieser beiden Entwicklungen handelt. Wohl war die Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Rheinland-Pfalz nicht der allein ausschlaggebende Faktor für den positiven Bestandstrend beim Schwarzstorch, sie hat diese Entwicklung aber doch sehr stark begünstigt und sogar die Voraussetzung dafür geschaffen.

Im einzelnen sind es folgende Einflüsse, die unsere Forstwirtschaft nach Umstellung auf die naturnahe Waldbewirtschaftung auf den Brutbestand des Schwarzstorches ausübt, die seine Rückkehr in die rheinland-pfälzischen Wälder überhaupt erst möglich gemacht und gefördert haben:

  •  Umwandlung zu mehr Laub- und Mischwäldern schafft geeignete Brut- und Nahrungshabitate.
  • Vermehren und Erhalten alter Baumbestände durch Erhöhung der Erntealter und Zielstärkennutzung, gleichzeitig Kahlschlagsvermeidung und Verbesserung des Waldgefüges: Naturnahe Waldbewirtschaftung führt zu mehr alten und dicken Bäumen im Wald und zu einem stufigen, mehrschichtigen und abwechslungsreichen Waldgefüge.
  • Zur naturnahen Waldwirtschaft gehört auch, dass stellenweise stehendes Totholz belassen wird (soweit dieses keine Gefahr für Menschen durch Umstürzen darstellt) sowie besondere alte Bäume oder Baumgruppen erhalten werden.  Stehendes Totholz und alte Einzelbäume und Baumgruppen sind wichtige Elemente bei den Lebensraumansprüchen von Schwarzstörchen im Umfeld des Brutplatzes.
  • Extensive Bewirtschaftung der Talsohlen von Bachtälern im Wald, Zurücknahme des Nadelholzanteiles, Förderung der standortstypischen Laubgehölzarten, Offenhaltung bislang offener Talabschnitte. Dies fördert die Fisch- und Amphibienpopulationen der Kleingewässer und somit die Nahrungsgrundlage und –verfügbarkeit für den Schwarzstorch.
  • Bodenschutzkalkung verringert die Versauerung der Waldböden durch Luftschadstoffe. Dadurch verbessern sich ebenfalls die Lebensbedingungen für Amphibien und Fische in den Kleingewässern.