(Tyto alba)

Schleiereule; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Schleiereule; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

EULEN gibt es fast überall. Sie sind auf allen Kontinenten zu finden mit Ausnahme der Antarktis. Ihre Größe schwankt zwischen der eines Spatzen und der eines Adlers. Die kleinsten sind der Elfen- und der Sperlingskauz; viel größer sind der Uhu Eurasiens, der Bartkauz, der Amerikanische Uhu und die auffallend schöne Schnee-Eule der Arktis. Die ungefähr 140 Spezies sind weit verbreitet und in verschiedenartigen Gebieten beheimatet: im Grasland, in Prärien, in Wüsten, im Sumpfland, in dichten Wäldern, in Regenwäldern und in der arktischen Tundra. Ebenso verschieden wie ihre Lebensräume ist ihre Nahrung: Würmer, Insekten, Frösche, Nagetiere, kleine Vögel und Fische.
Die Schleiereule kommt in verschiedenen Farben vor.
Tyto alba erreicht eine Körperlände von 28 bis 41 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 85 bis 93 Zentimeter. Das Körpergewicht eines Altvogels liegt bei etwa 320 Gramm. Sie erscheint mit einer goldbraunen Oberseite und einer nahezu weißen Unterseite mit eingesprenkelten wenigen braungrauen kleinen Tupfern.
Tyto alba alba hingegen hat auf der Oberseite ein graublaues, auf der Unterseite ein rostgelbes Gefieder.
Gemeinsam haben alle Schleiereulenarten den herzförmigen Gesichtsschleier, von dem auch der hierzulande gebräuchliche Name herrührt. Für einen nachtaktiven Greifvogel hat sie auffallend kleine Augen.

Die Schleiereule kommt in verschiedenen Farben vor und ist nahezu weltweit verbreitet. Ausgenommen hiervon sind die Hochgebirgsregionen, Regenwälder und Wüsten. In Mittel- und Nordeuropa kommt sie als Tyto alba, in West- und Südeuropa als Tyto alba alba vor.
Beide Farbspielarten bewohnen offene Landschaften, trockene Heidelandschaften, Halbwüsten, Ackerbaugebiete und Steppen.

Verhalten:
Tagsüber halten sich die Schleiereulen in Scheunen, Türmen, Höhlungen in Felsabbrüchen und sonstigen, vom Wetter geschützten dunklen Nischen auf. Erst bei Dunkelheit begibt sie sich auf Beuteflug. Sie überfliegt ihren Jagdbezirk langsam und geräuschlos. Nur selten wird beobachtet, dass sich eine Schleiereule auf einem Ast oder einer sonstigen „Aussichtsplattform“ niederlässt, und von dort aus Jagd. Wie alle Eulenarten verfügt sie über ein ausgezeichnetes Gehör, das ihr ermöglicht, auch bei völliger Dunkelheit die Beutetiere zu lokalisieren und zu fangen. Der besondere Aufbau der Federn lässt beim Fliegen fast kein Geräusch entstehen, daher können die Beutetiere das Anfliegen der Schleiereule nicht hören und sich in Deckung bringen.
Anders als bei den Greifvögeln, die ihre Beute in den Krallen abtransportieren, tragen die Eulenarten ihre Beute im Schnabel zum Nest oder der Stelle, wo die Beute verzehrt wird.

Nahrung:
Als nachtaktiver Greifvogel ernährt sich die Schleiereule überwiegend von Mäusen und sonstigen kleinen Nagetieren bis zu einem Maximalgewicht von 200 Gramm. Der Bedarf pro Altvogel liegt bei 7 bis 8 Mäusen pro Nacht.

Paarungszeit und Brut:
Der Vogel des Jahres 1977 brütet gerne in störungsfreien dunklen Nischen wie Scheunen, auf Dachböden und Kirchtürmen, Ruinen sowie in verlassenen Baumhöhlen.
Weil diese Brutorte in unserer Kulturlandschaft stetig weniger werden, nehmen diese lautlosen Jäger der Nacht auch gerne vom Menschen gebaute künstliche Nisthöhlen an. Hierbei handelt es sich um einfach gezimmerte Kästen aus Holzbrettern mit einer Größe von etwa 80 Zentimetern Länge und je 50 Zentimetern Höhe und Breite.
Sie legen, je nach Nahrungsangebot, bis zu zweimal jährlich 4 bis 6 weiße Eier. Die ersten Eier werden im März gelegt, ein zweites Gelege im Mai begonnen. In nahrungsarmen Jahren kommt es aber auch vor, dass bis zu 60 Prozent der Altvögel keine Brut anlegen.
Die Eier werden vom weiblichen Vogel bebrütet, der vom männlichen Vogel mit Nahrung versorgt wird. Die Brutdauer beträgt etwa 30 bis 34 Tage. Weil die Eier im Abstand von etwa zwei Tagen gelegt wurden, ist auch der Schlupftermin zwischen zwei Nestlingen um zwei Tage versetzt. Dadurch findet man in einem Nest Geschwister von stark unterschiedlicher Größe vor. Sind die Küken geschlüpft, wird die vom männlichen Vogel herbeigeschaffte Beute vom weiblichen Vogel in mundgerechte Häppchen zerkleinert und an die Brut verfüttert. In nahrungsarmen Zeiten tritt eine natürliche Bestandesregulierung dadurch ein, dass sich beim Füttern immer der stärkste Nestling vordrängt und als erster bedient wird. Das hat zur Folge, dass die Schwächeren regelrecht verhungern. Nach etwa 45 bis 60 Tagen verlassen die Junge das elterliche Nest.