(Milvus milvus)

Portraitaufnahme eines Rotmilans; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Portraitaufnahme eines Rotmilans; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Seit er zum Vogel des Jahres 2000 gekürt wurde, rückte der Rotmilan immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit. Wie immer bei der Ernennung „Vogel des Jahres“, lagen auch beim Rotmilan die Gründe für seine Wahl in der Zerstörung seines Lebensraumes und der damit verbundenen Seltenheit des Tieres. Die Jagd auf ihn durch den Menschen und später zusätzlich die Umstrukturierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und der damit verbundene Rückgang der Feldhamster, die für den Greifvogel eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen, sind seit Jahrzehnten wesentliche Gründe für seinen Rückgang.
Seinen Zweitnamen, „Gabelweihe“, verdankt er seinem deutlich gegabelten Schwanz, der ihm äußerst wendige Flugeigenschaften verleiht. Allerdings stellen sowohl die Milane als auch die Weihen eine eigene Gattung dar. Der Rotmilan gehört zu den Milanen.


Aussehen:

Wie sein Name schon andeutet, besitzt der Rotmilan ein rotes, oder eher gesagt, ein rostrotes Gefieder. Seine Oberseite geht dabei mehr ins bräunliche über. Die Unterseite ist leuchtend rotbraun mit dunkelbraunen Linien. Die Flügeloberseite ist rostfarben und mit einem hellen Band versehen. Die Flügelenden sind schwarz. Auf der Unterseite der Schwingen sieht man deutlich einen weißen Fleck. Der Kopf des Rotmilans ist grau gefärbt und hebt sich somit von seinem Gefieder ab. Mit einer Größe von 50 bis 65 Zentimetern ist der Rotmilan ein wenig größer als der Mäusebussard. Die Hälfte seiner Körperlänge macht sein Stoß aus, weshalb der Rote Milan auch nur ein Gewicht von etwa 1 Kilo erreicht. Seine Spannweite von bis zu 180 Zentimetern macht den stolzen Segelflieger zu einem beeindruckenden Naturerlebnis, wenn man einmal das Glück hat, ihn am Himmel kreisen zu sehen.

Portrait Rotmilan; Bild: Nico Hussong
Portrait Rotmilan; Bild: Nico Hussong

Die weltweite Rotmilanpopulation wird auf 18.000 bis 22.000 Brutpaare geschätzt. Er ist auf globaler Ebene eine gefährdete Spezies. Da 60 Prozent der Weltpopulation in Deutschland vorkommen, tragen wir eine große Verantwortung für den Erhalt dieses Greifvogels. Sein Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland befindet sich innerhalb eines breiten Landstrichs rund um den Harz. Global betrachtet findet man den Rotmilan fast ausschließlich in Europa, mit deutlichem Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa. Neben dieser Region sind sehr kleine Brutpaarbestände darüber hinaus noch in Wales, im südlichen Kaukasus, im Norden Marokkos sowie auf den Kanaren und den Kapverden zu finden. 
In Rheinland-Pfalz sind nach einer Schätzung aus dem Jahre 2.000 etwa 406 Brutpaare anwesend. Die hiesigen Bestände scheinen in letzter Zeit jedoch leicht rückläufig zu sein.
Als Lebensraum bevorzugt der elegante Segelflieger eine aufgelockerte Kulturlandschaft mit abwechslungsreichen Strukturen und kleinen Waldungen zum horsten. 

Rotmilan; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Rotmilan; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Verhalten:

Der Rote Milan kann insgesamt als Zugvogel bezeichnet werden, obschon es einige Exemplare gibt, die im Winter in Mitteleuropa verbleiben und wohl eher das Verhalten eines Strichvogels aufweisen. Wenn er bereits im September in Richtung Süden zieht, fliegt er nicht bis tief in den afrikanischen Kontinent hinein, etwa in die Sahelzone oder nach Südafrika, wie dies sein dunkel gefiederter Vetter, der Schwarzmilan, tut. Der Rotmilan ist ein Kurzstreckenzieher und überwintert im Mittelmeerraum. Seine Winterquartiere liegen in Südeuropa, in der Türkei und teilweise auch im nördlichen Westafrika.
Der „König der Lüfte“, wie ihn Schiller nannte, gilt als einer der elegantesten Greifvögel und weist beeindruckende Flugeigenschaften auf. Mit langsamen und majestätisch wirkenden Flügelschlägen bewegt er sich fort und geht daraufhin immer wieder in eine lange Segelphase über, wobei er stets darauf bedacht ist, warme, aufsteigende Luftmassen auszunutzen. Andererseits ist der Rotmilan einer der wenigen Greifvögel, die in der Lage sind, mit den Flügeln rüttelnd in der Luft zu stehen.


Nahrung:

Gerne wurde der Rotmilan, oder „Red Kite“, wie ihn die Engländer nennen, schon im London des 15. und 16. Jahrhunderts als „Müllabfuhr“ in der Innenstadt geduldet. Seine Vorliebe für Aas erkannten die Londoner schon früh und setzten dem Tier in jenen Zeiten daher nicht so sehr zu wie andernorts.
Seine Speiseliste zeigt verschiedene Beutetiere auf, jedoch stellen Feldhamster und Mäuse die wichtigste Nahrungsquelle des rostroten Greifen dar. Daneben werden allerdings auch Vögel, Fische, Reptilien, Regenwürmer und Aas vertilgt. Der Rotmilan fliegt bis zu 12 Kilometer weit, um nach Nahrung zu suchen. Größere Tiere tötet er mit kräftigen Schnabelhieben in den Kopf der Beute.


Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Nach seiner Rückkehr aus dem mediterranen Winterquartier beginnt Ende März das Schauspiel der Balz. Männchen und Weibchen, die oft über Jahre zusammen bleiben, steigen hoch in die Lüfte und attackieren sich gegenseitig, um dann wieder bis kurz über die Baumwipfel sturzflugartig nieder zu schnellen. Dabei ist immer wieder der gedehnte Ruf der Rotmilane zu hören, der etwa klingt wie: „uuu – wiuwiuwiu – uuu“.
Nachdem das Balzverhalten erfolgreich abgeschlossen wurde, macht sich das Paar daran, einen geeigneten Brutplatz zu finden. Dieser wird bevorzugt hoch oben in alten Bäumen ausgesucht. Dabei wird nur selten ein neues Nest angelegt, sondern meist eines aus dem Vorjahr ausgebaut, das auch vom Mäusebussard oder einem Krähenvogel stammen kann. Typisch für Rotmilannester ist die aus Papier, Lumpen oder ähnlichem bestehende Auspolsterung des Nestes.
Ab Anfang April legt das Weibchen innerhalb von 3 Tagen 2 bis 3 Eier. Während des Brutgeschäfts versorgt der Gatte das Weibchen mit Nahrung. Bebrütet wird vom ersten Ei an. Die Küken schlüpfen jeweils nach etwa 33 Tagen in der Reihenfolge der Eiablage. Nach dem Schlüpfen bleiben die Kleinen 6 bis 8 Wochen im Horst. Sie werden bis ungefähr zur sechsten Woche mit zerkleinerter Nahrung gefüttert. Danach werden den „Ästlingen“ die Beutetiere unzerkleinert in der Nähe des Horstes überreicht. Nachdem die Jungtiere in der Lage sind zu fliegen, werden sie noch einige Wochen von ihren Eltern betreut, bevor sich der Familienverband auflöst. Die Sterblichkeitsrate der Jungmilane ist ungewiss und wird als recht hoch eingeschätzt, besonders bei Futtermangel. Rotmilane werden bis zu 25 Jahre alt, ein in Gefangenschaft gehaltenes Tier erreichte ein Alter von 33 Jahren.