(Accipiter gentilis)

Habicht; Bild: Korrad Funk
Habicht; Bild: Korrad Funk

In früheren Zeiten galt der Habicht als eine große Gefahr für den hauseigenen Hühner- oder Gänsebestand. Seine Anzahl nahm jedoch bis Ende der 1970er Jahre, in Ostdeutschland bis Ende der 1980er Jahre, mit vermehrtem Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ab, so dass dem Beutegreifer eine immer geringere Bedeutung als Bedrohung zukam.
In der Falknerei wird er seit Hunderten von Jahren eingesetzt, um Beute in schwer zugänglichem Gelände zu erjagen. Noch heute ist er ein gefürchteter Bewohner des Waldes und versetzt die Tierwelt, dort wo er auftaucht, in helle Aufregung.
Mit dem Habicht waren in früheren Zeiten viele abergläubische Bräuche verbunden. So ließ man beispielsweise seine Hühner an Karfreitag durch einen hölzernen Ring laufen, um sie auf diese Weise angeblich vor Angriffen des gefürchteten Greifvogels zu schützen.


Aussehen:

Wie bei vielen anderen Greifvögeln auch, ist das Weibchen des Habichts mit 60 Zentimetern deutlich größer als sein 50 Zentimeter großer Gatte. Die Flügelspannweite des Männchens beträgt etwa 1 Meter. Die Spannweite des Weibchens übertrifft jene des Männchens um bis zu 20 Zentimeter. Ebenfalls treten beim Habicht eine nach den Geschlechtern getrennte Färbung der Oberseite auf. Männchen tragen grau-braune Federn, die Weibchen besitzen ein schiefergraues Gefieder. Auf der Unterseite besitzen die Altvögel hellgraue Federn mit engen dunkelbraunen Querstreifen. Junghabichte sehen im Gegensatz zu ihren Eltern anders aus. Sie sind mittelbraun gefärbt und tragen auf der Unterseite ockerfarbenes Gefieder mit braunen Längsstreifen. Ein ausgewachsenes Männchen wird etwa 740 Gramm schwer. Das Weibchen erreicht ein mittleres Gewicht von 1.130 Gramm.
Aufgrund des ähnlichen Aussehens und der unterschiedlichen Größen von Männchen und Weibchen, können Habicht und Sperber leicht miteinander verwechselt werden.

Habichte sind in Form von zahlreichen Unterarten in ganz Mitteleuropa, dem nördlichen Afrika, in großen Teilen Asiens und Nordamerikas sowie in den Nadelwäldern Skandinaviens, Osteuropas und Russlands zuhause. Der Habicht fehlte nach intensiver Bejagung auf den Britischen Inseln und galt dort als ausgerottet. 1991 wurden jedoch wieder 230 Brutpaare gezählt. In Deutschland wird sein Bestand auf derzeit etwa 12.000 Brutpaare geschätzt. Als Lebensraum wählt er abwechslungsreiche Wälder mit Lichtungen und Schneisen. Seine relativ kurzen Flügel verleihen ihm eine hohe Wendigkeit, wodurch er äußerst beeindruckende Flugmanöver zu vollbringen vermag. Dichte Waldstücke machen ihm daher bei einer rasanten Jagd nichts aus, ganz im Gegenteil, er ist hier wendiger als jeder andere Vogel, vor allem ist wendiger als seine Beutetiere.
Der Lebensraum des Habichts kann äußerst groß sein. In Deutschland werden 3.000 bis 5.000 Hektar als Jagdgebiet eines Habichts angenommen. In Nordamerika und Skandinavien kommen Jagdreviere des Habichts vor, die 60 Quadratkilometer und weit mehr umfassen. Einige Quellen berichten auch von Habichten, die mittlerweile in Stadtnähe jagen und brüten.

Verhalten:

Der Habicht ist der bekannteste und größte einheimische Greifvogel. Es ist gefürchtet bei Mensch und Tier. Seine Jagdmethoden sind einerseits der bodennahe Flug, bei dem jede Deckung ausgenutzt wird, um sich dem Opfer zu nähern. Andererseits übt der Habicht, wie auch der Mensch, die Ansitzjagd aus. Er wartet, oft auf einem Ast am Waldrand, auf die Gelegenheit ein geeignetes Beutetier zu erspähen. Der zu den Grifftötern gehörende Habicht stürzt sich dann mit einem überraschenden Angriffsflug auf das ausgewählte Objekt, greift dabei den Kopf oder Hals seines Opfers und presst seine Krallen dann so lange zusammen, bis das Beutetier keine Regung mehr zeigt.


Nahrung:

Die unterschiedliche Größe von Weibchen und Terzel zieht eine unterschiedliche Auswahl der Beutetiere nach sich. Das Männchen erlegt Vögel in der Größe von der Meise bis immerhin zum Huhn. Häufig sind es Amseln und Tauben. Das Männchen zählt jedoch auch Stare, Elstern und Krähen sowie, vereinzelt, Kaninchen und Hasen zu seinem Speiseplan. Das Weibchen jagt hingegen keine Kleinvögel. Es erlegt Vögel größerer Arten und weitaus mehr Kaninchen und Hasen als das Männchen.
Beide Geschlechter gehen mit Vorliebe auf die Taubenjagd. Diese, im Gegensatz zum Habicht, sich recht plump fortbewegende Vogelart, wird von dem Grifftöter, der meist in seinem bodennahen Flug lange durch Hindernisse verdeckt bleibt, vollkommen überrumpelt.


Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Der treue Habicht führt eine lebenslange und monogame Ehe. Habichte werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif, etwa die Hälfte dieser imposanten Greifvögel vermehrt sich jedoch erst im Alter von 3 Jahren. Im Frühjahr, etwa ab Januar/ Februar, führen die Männchen ihre Aufsehen erregenden Balzflüge auf, die mitunter Sturzflüge von mehreren hundert Metern beinhalten. Das Balzverhalten, das im März schließlich seinen Höhepunkt erreicht, soll nicht nur der auserwählten Habichtdame imponieren, sondern auch anderen Terzeln in der Nähe anzeigen, dass das jeweilige Revier bereits besetzt ist.
Männchen und Weibchen bauen den großen Horst hoch in der Baumkrone. Oft werden innerhalb des treu eingehaltenen Reviers weitere Horste errichtet, die abwechselnd benutzt werden. Die 3 bis 4 im April gelegten Eier, kommen im Abstand von jeweils 2 bis 3 Tagen zum Vorschein. Der Brutvorgang setzt ab dem zweiten Ei ein. Er dauert 38 Tage. Das Habichtweibchen wird während der Brutzeit von seinem treuen Gatten mit Nahrung versorgt. Erst wenn die Jungen 3 bis 4 Wochen alt sind, jagt auch das Weibchen wieder. Mit einem Alter von etwa 40 Tagen sind die Jungen flügge. Sie verlassen das elterliche Nest jedoch erst 3 bis 6 Wochen später. Während dieser Übergangszeit werden sie immer noch von ihren Eltern mit Nahrung versorgt.