(Ardea cinerea)

Fischräuber oder Nützling?
(Foto: Fotonatur.de/ Stefan Ott)

Der Graureiher gehört mit seinen auffällig langen Beinen zur Ordnung der Schreitvögel. Der heute wieder weit verbreitete Vogel hat aufgrund seiner Lebensweise am Wasser und der damit verbundenen Nahrungsauswahl, auch den Namen „Fischreiher“ erhalten. In den 1950er und 60er Jahren stand der Fischreiher kurz vor der Ausrottung. Der Grund für seine starke Bejagung waren sinkende Fischbestände. Weitere Gründe für den Rückgang des Graureihers waren die Verschmutzung des Wassers, Flussbegradigungen und die Beseitigung von Feuchtgebieten. Dies alles trug zu einem Rückgang der Beutetiere des Graureihers bei und damit auch zu einem Verschwinden des Reihers selbst.
In früheren Zeiten herrschte der Aberglaube, dass Graureiher die Fähigkeit besäßen, Fische anzulocken. Deshalb rieben Angler ihre Angelschnüre mit Reiherfett ein, um selbst Fische anlocken zu können. Die Wissenschaft widerlegte diese Theorie bald, was einen Rückgang der Jagd auf den Graureiher bewirkte. Heute unterliegt der Graureiher dem Jagdrecht und genießt in Deutschland eine ganzjährige Schonzeit. Allerdings darf der Vogel an Fischzuchtanlagen im Rahmen von Sondergenehmigungen geschossen werden, wenn dort erhebliche Schäden durch ihn entstehen. Hierzu gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen.

Aussehen:

Von der Spitze seines gelb-orangefarbenen Schnabels bis zum Schwanzende misst der Graureiher 90 Zentimeter. Mit dieser Körperlänge und einer Spannweite von bis zu 170 Zentimetern ist er nur geringfügig kleiner als ein Storch. Dabei wiegt er jedoch nur 1,5 bis 2 Kilogramm. Am Kopf trägt der Schreitvogel zwei lange schwarze Federn, die ihm ein schneidiges Aussehen verleihen.
Der Graureiher ist ein großer Vogel mit einem langen Hals, der hellgrau gefärbt ist und auf dessen Vorderseite drei gepunktete schwarze Linien zu erkennen sind. Befindet sich der Reiher am Boden in Ruhestellung, hält er den Hals ausgestreckt mit leichter S-Stellung. In der Luft trägt er seinen Hals nie ausgestreckt, wie etwa der Storch. Er zieht seinen Hals im Fluge stets nahe und z-förmig an den Körper heran. Diese Körperhaltung macht den Graureiher in der Luft gut erkennbar und hat ihm den Beinamen „Fliegendes Z“ eingebracht.
Auf seinem Rücken besitzt er ein aschgraues Gefieder. Die Unterseite ist hellgrau bis weiß. Farbvarianten, die von weißen bis fast schwarzen Gefiederpartien reichen, kommen allerdings auch vor.

In der Startphase ist die typische Z-Form des Halses noch nicht so stark ausgeprägt.
(Fotograf : Fotonatur.de / Sönke Morsch)

Graureiher sind weit verbreitet. Man findet sie in nahezu ganz Europa, in Asien und Ost- und Südafrika.
Als Lebensraum bevorzugen sie die Nähe zum Wasser sowie seichte Tümpel in denen Sie umherwaten können, um Fische, Frösche und Amphibien zu erbeuten. Graureiher sind aber immer wieder auf freien Feldern zu sehen, wo sie nach Mäusen Ausschau halten, die ebenfalls einen großen Teil ihrer Nahrung ausmachen.

Verhalten:

In Deutschland lebt der Graureiher überwiegend als Standvogel [Link: Zugvögel] .In anderen Gegenden, dort wo der Winter nicht eisfrei vonstatten geht, kommt er auch als Strichvogel [Link: Zugvögel] vor. Mildere Landstriche bieten ihm die Möglichkeit, sich an nicht zugefrorenen Gewässern, besser ernähren zu können.
Graureiher leben in großen Kolonien zusammen. In Norddeutschland kommen Kolonien mit über einhundert Brutpaaren vor. In diesen großen Gruppen kommt es oft zu Streitigkeiten, weil man sich gerne mal am Nistmaterial seines Nachbarn vergreift. Wenn es jedoch darum geht Nesträuber abzuwehren, halten die Graureiher innerhalb ihrer Kolonie stets zusammen. Nähert sich beispielsweise eine Krähe einem unbewachten Nest, wird diese mit aller Gewalt von den Reihern vertrieben.
Graureiher waren aufgrund ihrer Bejagung und durch andere Belästigungen durch den Menschen sehr scheu geworden. Seitdem sie unter Schutz stehen hat sich ihre Fluchtdistanz immer mehr verringert. Es scheint fast so, als wüssten die Graureiher von ihrem gesetzlichen Schutz. Heute sieht man die grauen Vögel in der Feldmark auf ihren hohen Stelzen nicht weit entfernt von Wegen oder sogar Autobahnen stehen, wo sie nach Mäusen Ausschau halten. Sie machen dabei einen so teilnahmslosen Eindruck, als befänden sie sich weitab von der durch Menschenhand geformten Landschaft.
Ab und zu tauchen Graureiher auch an privaten Gartenteichen auf, um sich dort der geliebten Goldfische zu bemächtigen. Hier werden Sie von den Besitzern meist ehrgeizig verscheucht oder man versucht sie bereits vor einem Landeanflug mittels lebloser Artgenossen aus Kunststoff abzuschrecken.

 

Nahrung:

Mit seinen langen Beinen schleicht er Schritt für Schritt und dabei äußerst langsam durch seichte Gewässer und hält dabei Ausschau nach Fischen, Insekten, Fröschen, Lurchen und Molchen. Oft steht der Graureiher auch minutenlang bewegungslos in starrer Haltung an einer Stelle, um dann, im richtigen Augenblick, blitzschnell seinen langen Schnabel ins Wasser zu stoßen und die anvisierte Beute zu fassen. Neben den schon genannten Beutetieren stehen auch zahlreiche Mäuse sowie die ein oder andere Schlange auf dem Speiseplan des Schreitvogels.


Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Graureiher leben in einjähriger Ehe. Ihr Nest errichten sie hoch in den Baumkronen in der Nähe von Feuchtgebieten, Tümpeln, Feuchtwiesen. Allerdings gibt es auch Grund zur Annahme dafür, dass Graureiher am Boden brüten. Die großen Vögel leben meistens in Kolonien zusammen, die in Deutschland mehr als einhundert Brutpaare umfassen können.
Die Eiablage beginnt in manchen Fällen bereits im März, die 25- bis 26-tägige Brutzeit findet jedoch meist im April statt. Beim Bebrüten des Geleges, das meist 4 bis 5 Eier umfasst, wechseln sich beide Partner ab. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie über einen Zeitraum von 8 bis 9 Wochen von ihren Eltern gefüttert. Nach 50 Tagen sind die Jungen flügge und verlassen das Nest. Die Fütterung durch die Eltern wird ab diesem Zeitpunkt noch etwa 2 Wochen fortgeführt. Bei der Fütterung würgen die Alttiere aus ihrem Kehlsack vorverdaute Nahrung hervor, die die Jungen auch im frühesten Stadium zu verzehren in der Lage sind. Im zweiten Lebensjahr werden die Jungvögel geschlechtsreif.