(Pica pica)

Mit etwas gutem Willen kann man den Singvogel heraushören
(Fotograf : Fotonatur.de / Sönke Morsch)

Die Elster genießt in unserem Land keinen guten Ruf. So gilt sie doch bei den meisten Menschen als diebisch und geschwätzig und wird als übler Vogelmörder und Nesträuber bezeichnet. Andererseits sagt man ihr jedoch auch Klugheit und Gelehrigkeit nach. Was ist dran an den zahlreichen Gerüchten um dieses häufig in Fabeln vorkommende Lebewesen?

Aussehen:

Zoologisch betrachtet gehört die Elster zu den Rabenvögeln. Ihr Körper wird bis zu 45 Zentimeter lang, wobei die Hälfte davon der Schwanz einnimmt. Mit ihrem markanten schwarz-weißen Gefieder lenkt sie oft unsere Blicke auf sich. Ihr langer formschöner schwarzer Stoß, der länger als ihre Flügel ist, schimmert im Sonnenlicht, ebenso wie die Enden ihrer Schwingen, grünlich-blau. Schultern, Seiten und Unterseite des Vogels sind weiß gefiedert. Kopf, Nacken und der größte Teil ihrer Flügel sind schwarz.
In einer Fabel heißt es, dass dort wo der Teufel die Elster beim Versuch sie zu fangen, berührt hat, sie seitdem und für alle Zeit schwarz sei.

Sehr leicht am typischen Flugbild zu erkennen
(Fotograf : Fotonatur.de / Sönke Morsch)

Weltweit gibt es 17 verschiedene Unterarten der Elster, die sich je nach Lebensraum meist äußerlich angepasst haben. Manche Unterarten besitzen auch eine geringfügig veränderte Skelettstruktur, die meisten weisen jedoch nur kleine farbliche Unter-schiede gegenüber ihren „Unterartgenossen“ auf.
Die Elster kommt mit Ausnahme von Island in ganz Europa vor. In Skandinavien reicht ihr Verbreitungsgebiet bis an das Nordkap heran. In Deutschland ist die Elster überall vorzufinden, allerdings kommt sie nirgends in gehäufter Anzahl vor. Darüber hinaus kommt sie in einigen nördlichen Ländern Afrikas sowie in südlichen Teilen Asiens und im Nordwesten Nordamerikas vor.

Lebensraum:

Die Elster bevorzugt halboffene Landschaften mit Wiesen, Hecken und Gehölzen. Wälder sowie großräumig offene Flächen, wie landwirtschaftlich genutzte Areale werden weitestgehend gemieden. Außerdem berücksichtigt die Elster bei der Wahl ihres Aktionsterrains eine Mindestentfernung von 1 Kilometer zum nächsten Habicht-horst. Dieser Beutegreifer ist neben dem Wanderfalken der größte Feind des schwarz-weißen Vogels.

Verhalten:

Die Elster lebt bei uns als Standvogel, der im Winter nicht in den wärmeren Süden zieht, sondern hier bleibt. Es gibt zwei unterschiedliche Lebensweisen bei diesen „diebischen“ Vögeln. Einerseits gehen sie eine lebenslange und monogame Gemeinschaft ein. Stirbt einer der Partner, wird er sehr schnell durch einen jungen, meist einjährigen Vogel ersetzt. Das Paar ist während der Brutzeit zusammen und baut zusammen das Nest, zieht dort den Nachwuchs groß und verteidigt gemeinsam das eigene Revier. Im Winter dagegen leben Elstern in großen Schwärmen zusammen und treffen sich an geeigneten Schlafplätzen. Diese Gruppen können ein Dutzend bis einhundert Vögel umfassen. Nicht in Partnerschaft lebende Elstern bilden auch im Sommer solche Gruppen. Diese Nichtbrütergemeinschaften leben in Schwärmen von bis zu etwa 15 Vögeln.
Nach einem geeigneten Nistplatz gehen Männchen und Weibchen gemeinsam auf die Suche. Durch bestimmte Lautäußerungen und/ oder Flügelschlagen signalisiert meistens das Weibchen einen aus seiner Sicht geeigneten Brutplatz. Bevorzugte Brutplätze sind entweder in hohen Bäumen im oberen Drittel der Baumkrone oder aber 2 bis 4 Meter oberhalb des Bodens in dornigen Sträuchern. Letzteren Ort wählt das Elsternpaar meist in mehr landwirtschaftlich geprägten Gegenden aus, wo es keine hohen Bäume gibt. Die dornigen Sträucher sollen dort vor dem Habicht schützen. Auf hohen Bäumen bauen Elstern dagegen eher in Stadtnähe.
Den Nestbau erledigen Männchen und Weibchen ebenfalls gemeinsam. Während das Männchen Zweige und anderes Baumaterial herbeischafft, verbaut das Weibchen die ankommenden Rohstoffe vor Ort.


Nahrung:

Da es viele Vorurteile gegen die Elster als Vogelmörder und Zerstörer von Nestern und landwirtschaftlichen Flächen gibt, gibt es umfangreiche Untersuchungen darüber, welche Nahrungsquellen von den „Dieben der Lüfte“ nun tatsächlich angenommen werden.
Elstern sind Allesfresser. Jungvögel und Eier aus fremden Nestern machen einen Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent an der Gesamtnahrung von Elstern aus. Vorwiegend fressen sie während Frühjahr und Sommer Insekten, Würmer und Spinnen. Im Herbst und im Winter werden eher Samen, Früchte und Beeren aufgenommen. Außerdem ernähren sie sich das ganze Jahr über auch von Aas.


Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Die Balz beginnt bei den Elstern bereits ab Winterende. Nach der Kopulation beginnt das Weibchen die Eier zu legen. Stichtag für den Beginn des Eierlegens ist der 8. April, wobei in einigen Fällen auch schon einen Monat vorher mit der Eiablage begonnen wird. Jeden Tag wird vom Weibchen ein Ei gelegt. Die Bruttätigkeit setzt erst ein, wenn alle 4 bis 7 Eier eines Geleges gelegt sind und dauert etwa 17 bis 22 Tage. In Brutgebieten mit großem Nahrungsangebot können sogar bis zu 12 Eier pro Nest vorkommen. Während des Brutgeschäfts teilen sich Herr und Frau Elster die Arbeit. Das Weibchen bebrütet die Eier, während das Männchen damit beschäftigt ist, seine Gattin mit Nahrung zu versorgen und das Revier zu verteidigen. Ist die Brutzeit vorüber, schlüpfen die Küken innerhalb von 2 bis 4 Tagen. Bei einer Zerstörung des Geleges, was mit zirka der Hälfte aller Bruten geschieht, kann es zu einer Zweit- und sogar in manchen Fällen zu einer Drittbrut kommen.
Die Küken kommen blind zur Welt. Nach einer Woche etwa öffnen sie ihre Augen. Sie werden in der ersten Zeit von ihrer Mutter gewärmt. Das Männchen ist weiterhin mit dem Heranschaffen von Nahrung beschäftigt. Nach 24 bis 30 Tagen verlassen die jungen Elstern das Nest. Sie unternehmen erste ungeschickte Flugversuche und werden dabei von ihren Eltern begleitet. Nach einiger Zeit sondern sich die Jungen dann von ihren Eltern ab und schließen sich einer Nichtbrütergruppe an.