(Oryctolagus cuniculus)

Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Das oft unrichtiger Weise als Hase bezeichnete, in großen Gruppen lebende Wildkaninchen genießt bei Kindern einen sehr guten Ruf. Sein domestizierter Vetter wird von ihnen gerne als Haustier gehalten. Bei Erwachsenen ist dieser putzige Geselle jedoch durch seine emsige Grabarbeit oft ein Stein des Anstoßes. Mit seinen unterirdisch angelegten Bauen durchpflügt Meister Kratzfuß zum Ärger des Menschen vielerorts Friedhöfe, Parks und Gärten.

Aussehen:

Das Fell des Wildkaninchens ist auf der Oberseite des Tieres graubraun, auf der Unterseite etwas heller. Das Wildkaninchen besitzt einen rundlichen, gedrungenen Körperbau. Es hat recht kurze Ohren (meist kürzer als der Kopf) und relativ kurze Beine. In seiner Bewegung weist es einen hoppelnden Gang auf. Das Wildkaninchen wird bis zu 45 Zentimeter groß (Körperlänge) und wiegt 1 bis 2 Kilogramm.

Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Das Wildkaninchen hat seinen Ursprung im warmen und milden Klima Südwest-Europas. Es bevorzugte steppenartiges Gelände und weiche, sandige Böden. Als Kulturfolger scheut es keines falls die Nähe des Menschen. In unseren Breiten bevorzugt das Wildkaninchen geschützte Waldränder, Friedhöfe, Parks und sogar Gärten. Es legt umfangreiche Baue an und lebt dort unterirdisch.

Verbreitung:

Das Wildkaninchen ist in Deutschland flächendeckend verbreitet. Es bevorzugt ein mildes Klima und leichten, sandigen Boden. Daher kommt es häufig in Heidelandschaften und in Kiefernwäldern vor. Dieser kleine graubraune Flitzer wird heute jedoch auch vielerorts für Friedhofspersonal oder Parkpfleger zur Plage. Da er kein Kostverächter ist, verschont er weder die geliebten Zierpflanzen, noch freiliegende Bewässerungs- und Stromleitungssysteme.

Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Wildkaninchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Verhalten:

Der sympathische kleine Vertreter der Hasenfamilie lebt gesellig in einer Familienstruktur mit selten mehr als sieben Artgenossen. Diese Familien schließen sich mit anderen Familien zusammen, wodurch Kolonien mit bis zu einhundert Tieren entstehen können. Diese Kolonien sind es, die dann erhebliche Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen anrichten, wie zum Beispiel: Gemüse- und Obstanlagen, Weinberge und Forstkulturen. Die von den Wildkaninchen angelegten unterirdischen Baue weisen mindestens zwei Eingänge auf. Über diese verlassen die Tiere in der Dämmerung den Bau, um nach Nahrung zu suchen, wobei sie sich in den meisten Fällen nicht weiter als 200 Meter vom Höhleneingang entfernen. Bei Gefahr flüchten die Kurzsprinter, die bis zu 39 Stundenkilometer schnell werden können, über die angelegten Eingänge wieder in den schützenden Bau.

Nahrung:

Das Wildkaninchen ist ein reiner Pflanzenfresser und bei Leibe kein Kostverächter. Es nimmt Gräser, Kräuter, junge Saaten, Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde als Nahrung auf. Die Nahrungsaufnahme findet in der Dämmerung und auch nachts statt, in ruhigeren Gegenden ist das Wildkaninchen auch tagaktiv. Wie auch der Feldhase stellt das Wildkaninchen nahrungstechnisch eine Besonderheit dar, da es durch den sogenannten Vorgang der Koprophagie in der Lage ist, Minderaufnahmen von bestimmten Nährstoffen auszugleichen.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungtiere:

Die Paarungszeit beginnt im Februar und dauert bis in den September an. Zur Paarung kommt nur ein dominantes Männchen, das die anderen männlichen Kaninchen vorher vertrieben hat. Das dominante Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Die trächtigen Wildkaninchenweibchen legen Setzröhren an, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Die Setzröhren befinden sich nicht im heimischen Bau, sondern sind kurze, unverzweigte Tunnel abseits des eigentlichen Familienbaues. Das Ende der Setzröhren wird mit Fell ausgepolstert, das sich das Weibchen aus der Bauchregion herausrupft. Die Tragzeit des Wildkaninchenweibchens, das übrigens auch „Kaninchenhäsin“ genannt wird, beträgt 28 bis 33 Tage. Nach dieser Zeit bringt die Kaninchenhäsin 3 bis 10 nackte, blinde und taube Jungtiere zur Welt, die jeweils etwa 50 Gramm wiegen und von ihrer Mutter ein- bis zweimal am Tag gesäugt werden. Nach drei Wochen verlassen die Jungtiere ihre Setzröhre und werden im Alter von fünf bis sechs Monaten selbst geschlechtsreif.
Im Jahr kann eine Kaninchenhäsin bis zu fünfmal trächtig werden, sie setzt dabei insgesamt bis zu 20 Jungtiere. Das Höchstalter eines freilebenden Wildkaninchens beträgt 1 1/2 bis 2 Jahre. In Gefangenschaft ist die Lebenserwartung erheblich höher.

Starke Regenfälle können den Wildkaninchenbau überschwemmen und sogar zum Einsturz bringen. Außerdem verursachen Krankheiten wie Myxomatose, Chinaseuche und Kokzidiose Ausfälle in den Kaninchenpopulationen. Heimische Beutegreifer wie Fuchs, Marder, Dachs, Wiesel, Iltis und Greifvögel tragen ebenfalls zur Dezimierung der Kaninchen bei. Des weiteren stellen der Straßenverkehr und die Landwirtschaft mit ihren immer mehr von Sträuchern befreiten Flächen eine Gefahr für die Wildkaninchen dar. Mit der Beseitigung von Strauchhecken auf und zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen verliert das Wildkaninchen einen wichtigen Schutz vor Fressfeinden und einen Teil seines Nahrungsangebotes.

Myxomatose:

Myxomatose ist eine Viruserkrankung, die nach Ausbruch eine hohe Ausbreitungs- und Sterberate zur Folge hat.

Chinaseuche:

Die Chinaseuche gelangte 1988 über ein infiziertes Angorakaninchen aus China nach Europa. Die Krankheit ist anzeigepflichtig, da sie zu hohen Verlusten führt. Die Merkmale der Krankheit sind Erstickungskrämpfe, Nasenbluten und ein rascher Tod. Eine Behandlung der Krankheit ist nicht bekannt. Eine Impfung ist möglich.

Kokzidiose:

Die Kokzidiose ist eine parasitäre Krankheit und tritt meist bei Jungkaninchen auf. Symptome sind (Darmkokzidiose): Verdauungsstörungen, schleimiger Durchfall, aufgeblähter Bauch, Verstopfung. Die Schwere der Erkrankung richtet sich nach der Aufnahmemenge der Parasiten, verläuft oft tödlich, kann aber durch eine Reihe von Medikamenten behandelt werden.