(Mustela putorius)

Nichts für empfindliche Nasen
(Fotograf : Fotonatur.de / Sönke Morsch)

Zu den weniger bekannten wildlebenden Tieren in Wald und Feldmark zählt wohl auch der Iltis. Das war jedoch nicht immer so. In früheren Zeiten war dieses marderartige Tier weitaus bekannter als heute, was wohl an seinem größeren Vorkommen in jener Zeit und dem Leben in Siedlungsnähe lag. So gab und gibt es immer noch Redensarten oder einzelne Ausdrücke, die von dem bei uns heimischen Europäischen Iltis, der auch „Ratz“ oder „Stänker“ heißt, abstammen. Beispielsweise sind Redewendungen wie „stinken wie ein Iltis“ und „schlafen wie ein Ratz“ oder der Ausdruck „ratzen“ als Synonym für „tief schlafen“ aus den erwähnten Bezeichnungen hervorgegangen. 

Aussehen:

Der Iltis wirkt nicht sonderlich groß. Man könnte ihn von der Größe her zwischen Hermelin und Steinmarder einordnen. Iltismännchen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 40 Zentimetern. Hinzu kommt der in schwarzes Fell gekleidete Schwanz von 12 bis 14 Zentimetern, womit der Iltis eine Gesamtkörperlänge von bis zu 54 Zentimetern aufweist. Die Weibchen sind etwas kleiner. Das Fell des Stänkers ist schwarz und glatt. An beiden Seiten leuchtet deutlich die gelbliche Unterwolle hervor. Seine Beine sind kurz und ebenfalls schwarz gefärbt. Charakteristisch für den kleinen Ratz ist seine weiße Gesichtsmaske, die nur durch ein über die Augenpartie verlaufendes dunkelbraunes Band unterbrochen wird. Diese Augenbinde lässt unseren kleinen Freund wie einen „Verbrecher“ aus einem Comic erscheinen. Eine gewisse Besonderheit stellt die so genannte Verkehrtfärbung des Iltisses dar. Darunter versteht der Experte eine dunklere Farbe auf der Unterseite des Körpers als auf der Oberseite. Normalerweise ist die Oberseite die dunklere Partie des Fells, beim Iltis und bei einigen anderen Tieren ist dies umgekehrt. 

Aufgrund der weiten Verbreitung fast ein Ubiquist
(Fotograf : Fotonatur.de / Sönke Morsch)

Den Iltis gibt es nahezu auf dem kompletten europäischen Kontinent mit Ausnahme des Nordens Skandinaviens. Außerdem lebt er in Asien und Nordafrika. In Neuseeland findet man den kleinen, oft übel riechenden Gesellen auch. Man hat ihn dort eingebürgert.

Bevorzugt nimmt der kleine Ratz Gehöfte, Scheunen, alte Dachsbaue, hohle Bäume, Holzstöße, Uferböschungen sowie Reisighaufen als Behausung an. Er ist kein reiner Waldbewohner und lebt nicht in geschlossenen Wäldern. Sein Bestand nimmt gegenwärtig ab. Gründe dafür sehen Experten in der veränderten Bauweise von Höfen und Scheunen, in denen kaum noch Schlupfwinkel für den Iltis zu finden sind. Außerdem trägt die intensivierte Landwirtschaft mit ihren Flurbereinigungen und den hohen Einsatzmengen von Giftstoffen dazu bei, dass Tieren wie Iltis und Feldhase wichtige Nahrungsgrundlagen und Lebensräume genommen werden. Ebenso stellt die Zerstörung von Feuchtbiotopen ein Grund für den Rückgang des Iltis dar. Diese sucht er bevorzugt auf, um sich von Amphibien und teilweise auch von Fischen zu ernähren.

Verhalten:

Der räuberische Ratz ist meist dämmerungs- und nachtaktiv. Im Sommer und im Herbst kann man ihn auch am Tage antreffen. Als typischer Erdmarder läuft er meist in buckeliger Gangart umher und hat dabei fast ausnahmslos seine Nase am Boden, um nach Nahrung zu suchen und jagdbare Beute aufzuspüren. Klettern kann der Iltis nicht sehr gut und geht dieser Tätigkeit auch nur selten nach. Sobald der kleine Kerl etwas interessantes entdeckt hat, richtet er sich auf, um in die sogenannte Witterstellung zu gehen. Im Mittel legt ein Iltis jede Nacht eine Strecke von knapp 750 Metern zurück. Wie auch Stein- und Baummarder ratzt der kleine Räuber tagsüber tief und fest in seinem Versteck. Das Streifgebiet eines Iltisses, das 8 bis 100 Hektar groß sein kann, wird nie in seinem gesamten Ausmaß genutzt. Der Iltis hält sich für eine gewisse Zeit in einem bestimmten Teil seines Reviers auf und verlässt dieses dann wieder, um in einer anderen Zone seines Streifgebiets für eine bestimmte Periode zu leben.
Eine Besonderheit beim Iltis stellen die Afterdrüsen dar, mit deren Hilfe der deshalb auch „Stinkmarder“ genannte Räuber ein äußerst übel riechendes Sekret ausstoßen kann. Diese Fähigkeit macht er sich einerseits zur Reviermarkierung und andererseits als Verteidigungswaffe zu Nutze. Sobald der Iltis von einem Feind in die Enge getrieben wird, versucht er diesen mit dem stinkenden Sekret anzusprühen, um ihn so zu vertreiben.

Nahrung:

Der Speiseplan des Iltisses ist zwar nicht einseitig gestaltet, jedoch kann man den Ratz auch nicht gerade als Allesfresser bezeichnen. Hauptnahrung stellen Amphibien und Kleinsäuger dar. Wissenschaftler stellten 1987 fest, dass Vögel und Eier nur eine untergeordnete Rolle bei der Nahrungsaufnahme des Iltisses spielen. Dagegen würden Aas, Schlachtabfälle und Tierfutter regelmäßig aufgenommen werden.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Die Ranz der Iltisse spielt sich zwischen März und Mai ab. Nach einer Tragzeit von 40 bis 42 Tagen erblicken die Jungen meist im Mai und Juni das Licht der Welt. Eine Keimruhe  wie bei Stein- und Baummarder gibt es beim Iltis nicht. Kommt es zu einem Verlust des Wurfs, ist das Iltisweibchen in der Lage im August desselben Jahres noch einen zweiten Wurf zur Welt zu bringen. Die Fähe setzt pro Wurf vier bis acht Jungtiere, die jeweils etwa 10 Gramm wiegen. Die jungen Iltisse kommen blind auf die Welt und öffnen ihre Augen nach etwa einem Monat. Genauso lange werden die Kleinen auch von ihrer Mutter gesäugt, wobei sie aber bereits nach drei Wochen in der Lage sind Fleisch zu fressen. Nach drei Monaten haben sich die Jungiltisse so weit entwickelt, dass sie für sich selbst sorgen können. Sie wiegen nun nahezu genau so viel wie ihre Eltern. Nach einem Jahr sind sie geschlechtsreif. In Freiheit werden Iltisse etwa 6 Jahre alt, in Gefangenschaft können sie etwas älter werden.