(Erinaceus europaeus)

Ist Gefahr im Verzuge geht der Igel in Abwehrhaltung und rollt sich zu einer Kugel zusammen.
(Fotograf : Fotonatur.de / Tanja Askani)

Der bei uns heimische Braunbrust- oder Westigel ist nahezu jedem Kind bekannt. Sein in Deutschland durchaus häufiges Vorkommen, oft auch im eigenen Garten, erweckt den Eindruck, als sei der Igel nicht gerade eine gefährdete Spezies. Allerdings sieht dies in einigen europäischen Ländern schon anders aus. Dort steht der Igel bereits auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten. Allein in Deutschland fallen jährlich viele tausend Igel dem Straßenverkehr zum Opfer. Ältere Schätzungen reichen bis zu 500.000 überfahrenen Igeln pro Jahr. Die durch den Verlust der Mutter verwaisten Jungtiere gehen oft ein. Nur durch Zufall werden sie von Natur- oder Tierfreunden gefunden und durchgefüttert. In Deutschland ist der Igel durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt.

Aussehen:

Dieser reizende kleine Spießgeselle, der über die Hügel und durch Wald und Flur trappelt, ist unverwechselbar.
Und das liegt nicht zuletzt an seiner typischen Stupsnase, die ihm ein wahrhaft spitzbübisches Aussehen verleiht. Im Gesicht und auf dem Bauch hat er ein braunes bis gräuliches Fell. Ein Igel erreicht eine Körperlänge von 24 bis 28 Zentimetern und kann bis zu 1500 Gramm wiegen, wobei Männchen in der Regel etwas schwerer sind als die Weibchen.
Sein wohl „hervorstechendstes“ Merkmal, sein Stachelpanzer, unterscheidet diesen Stachelritter äußerlich deutlich von jedem anderen bei uns heimischen Säugetier. Sein Nadelgewand besteht aus etwa 7000 bis 8000 Stacheln. Die zirka zwei Zentimeter langen, nadelspitzen Stacheln treten in Bündeln strahlenförmig neben dem struppigen Fell aus und überziehen den gesamten Rücken. Jeder Igelstachel wächst nahezu im rechten Winkel aus einer halbrunden Basis heraus. Unweit der Basis hat jeder Stachel einen schmalen, stark gebogenen Hals. Das garantiert dem Igel das Überleben, falls er einmal aus großer Höhe fallen sollte, denn die Stacheln sind so abgewinkelt, dass sie seine Haut dann nicht durchlöchern. Was für eine geniale Konstruktion! Meisterhaft ist unser kleiner Freund dadurch auch vor den meisten Fressfeinden geschützt.

Kulturfolger mit festen Wurzeln in Europa
(Fotograf : Fotonatur.de / Kurt Gansner)

Der in Deutschland vorkommende Braunbrust- oder Westigel ist mit Ausnahme des nördlichen Skandinaviens auf dem ganzen europäischen Kontinent vorzufinden. In den Alpen lebt er bis in 2000 Metern Höhe.

Der Igel zählt mittlerweile zu den Kulturfolgern, da er in Siedlungsnähe oft bessere Lebensbedingungen vorfindet als auf bereinigten landwirtschaftlichen Flächen. Er benötigt sichere Unterschlupfmöglichkeiten wie zum Beispiel Strauchhecken oder Holzstöße.

Die typische Stupsnase verleiht ihm ein wahrhaft spitzbübisches Aussehen
(Fotograf : Fotonatur.de / Tanja Askani)

Verhalten:

In der Dämmerung bekommt der Igel gewöhnlich Hunger. Sein Abendessen besteht im wesentlichen aus Insekten und Würmern. Unser heimischer Heckenbewohner ist ein Einzelgänger, der jedoch Artgenossen in seinem Revier zulässt. Das Revier eines Igelmännchens kann relativ klein sein und einen Durchmesser von nur 200 bis 300 Metern aufweisen. Das Aktionsterrain kann jedoch bei Männchen auch mehr als 100 Hektar groß sein, das eines Weibchens bis zu 30 Hektar.
Der Igel hat ein feines Gehör und einen ausgeprägten Geruchssinn, was bei einem Blick auf die spitze Schnauze und die feuchte Nase unschwer zu erraten ist. Der Sehsinn ist dagegen nicht so gut ausgebildet.
Ist Gefahr im Verzuge geht der Igel in Abwehrhaltung und rollt sich zu einer Kugel zusammen. Kräftige Muskeln ziehen seine stacheltragende Haut sowohl an den Seiten als auch vorn und hinten über dem gesamten Körper fest zusammen, fast so, als würde man einen Lederbeutel oben zusammenziehen. Wie ein Schutzpanzer umschließt der Mantel aus pieksenden Stacheln Kopf, Schwanz, Beine und Bauch des Igels. In dieser „Igelstellung“ kann das Tier geraume Zeit verharren.
In den Sommer- und Herbstmonaten frisst sich der Igel eine Nahrungsreserve an, mit der er während seines Winterschlafs bis zu sechs Monate auskommen kann. Der Körper nutzt während dieser Zeit nur die wesentlichsten und lebenserhaltenden Funktionen. Der Igel befindet sich also in den kalten Monaten in einer Art Energiesparmodus, in dem er während seines Winterschlafs 20 bis 40 Prozent seines Körpergewichts verliert.
Das Tier besitzt eine spezielle Drüse, die während des Winterschlafs die Körpertemperatur reguliert. Sollte die Körpertemperatur während des Winterschlafs zu tief sinken, bewirkt diese Drüse ein Ansteigen der Temperatur, so dass der Igel munter wird und sich einen wärmeren Schlupfwinkel suchen kann. Mecki hat sich während des Winterschlafs allerdings nicht so eingeigelt, dass er von der Außenwelt nichts mehr mitbekommt. Er nimmt Geräusche in unmittelbarer Nähe wahr und reagiert mit leichten Körperbewegungen.
Ein bemerkenswertes Phänomen stellt das „Jacobsonsche Organ“ und das mit ihm verbundene Verhalten dar. Entdeckt ein Igel einen ihm unbekannten Geruch, wird versucht die Geruchsquelle zu entdecken. Der Gegenstand, der den Geruch verursacht, wird dann so lange bekaut bis ein schaumiger Speichel entsteht, den sich der Igel unter großen Verrenkungen auf den Rücken spuckt. Der Grund für dieses Verhalten ist bisher ungeklärt.

Nahrung:

Man kann den Igel nahezu als reinen Fleischfresser bezeichnen. Zumindest ernährt er sich zu etwa 100 Prozent von Insekten und anderen Kleintieren. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Regenwürmer, Laufkäfer und verschiedene Larven, die der Igel unter der Erde findet. Ein besonderer Leckerbissen stellen Ohrwürmer, auch bekannt als Ohrenkneifer, dar. Darüber hinaus findet man Mäuse, Schnecken, Frösche, Kröten, Tausendfüßer, Spinnen und andere Insekten auf dem Speiseplan dieses stacheligen Gesellen. Obst und Gemüse frisst der Igel nicht.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Igel paaren sich von Ende April bis Mitte August, wobei nach dem ersten Wurf von Mai bis Juli durchaus noch ein zweiter folgen kann. Das Igelweibchen bringt nach einer Tragzeit von nur etwa 35 Tagen 4 bis 7 Junge zur Welt. Die Jungen werden meist zwischen Juli und September geboren. Zum Zeitpunkt der Geburt sind sie blind und taub, wiegen 12 bis 25 Gramm und besitzen bereits etwa 100 weiße Stacheln in der geschwollenen Rückenhaut. Nach 2 Wochen öffnen die Jungen Augen und Ohren. Ihr weiches Haar wird schließlich nach und nach durch Stacheln ersetzt. Außerdem lernen sie, sich ganz und gar zusammenzurollen und ihre Stacheln aufzustellen. Werden sie allerdings gestört, bevor sie das können, springen sie plötzlich in die Luft und geben scharfe Zischlaute von sich. Der Überraschungseffekt schlägt so manchen Feind in die Flucht.
Die Zahnbildung beginnt ab der 3. Lebenswoche. Mit drei ein halb Wochen verlassen die Jungigel zum ersten Mal ihr Nest. Ihre Beute fällt in den ersten Lebenswochen sehr mager aus, so dass die Mutter ihre Jungen bis zur sechsten Lebenswoche zusätzlich säugt.

Natürliche Feinde hat der Igel kaum. Außer einigen Greifvögeln und Eulen gelingt es nur selten auch einmal einem Marder oder einem Fuchs, einen Igel zu töten. Die größten Ursachen für die Dezimierung der Igelbestände stellen in Deutschland der Straßenverkehr und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft dar. Auch die private Anwendung von Giftstoffen im eigenen Garten (beispielsweise Schneckenkorn) fordert zahlreiche Opfer unter den Igeln.