(Lepus europaeus)

Feldhase; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Feldhase; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Der Feldhase ist wohl eines der Tiere, das die Phantasie der Menschen durch die Jahrhunderte hindurch bis heute mit am stärksten beflügelt hat. „Schon den Germanen galt er [der Osterhase] als Symbol der Fruchtbarkeit.“ So schreibt Wulf Petzoldt im Wochenendmagazin der Fellbacher Zeitung. „So richtig ins Brauchtum hat sich der eierbringende Osterhase erst im 16. Jahrhundert eingenistet. Bis dahin lieferte er sich ein heftiges Rennen mit anderen österlichen „Gabenbringern“. Vielleicht gewann Meister Lampe diesen Wettlauf dann, weil er von allen Tieren hierzulande das fruchtbarste ist und somit am besten zum alleinigen Symbol für Fruchtbarkeit taugte.“

Aussehen:

Der Feldhase besitzt auf der Oberseite ein braunes und auf der Unterseite ein weißes Fell. Seine Körperlänge kann bis zu 65 Zentimeter betragen. Der Feldhase hat auffallend lange Beine und Ohren und besitzt eine gelbe bis bernsteinfarbene Iris. Die Pupillen sowie die Ohrspitzen sind beim Feldhasen schwarz gefärbt. Er kann bis zu 5 Kilogramm schwer werden und sein Gewicht beträgt so mehr als das doppelte als das eines Wildkaninchens. Da viele unserer Mitmenschen sich mit der Unterscheidung dieser beiden Tiere, Feldhase und Wildkaninchen, schwer tun, sind in der folgenden Tabelle einmal die wichtigsten und auffallendsten Unterscheidungsmerkmale dieser einheimisch wildlebenden Arten dargestellt. 

Unterscheidungsmerkmal Feldhase Wildkaninchen
Fellfarbe Oberseite rötlich-braun bis braun, Unterseite weiß graubraun, Unterseite etwas heller
Körperlänge bis zu 65 Zentimeter 35 - 45 Zentimeter
Körpergewicht bis zu 5 Kilogramm 1 - 2 Kilogramm
Vorkommen Ackerflächen, bevorzugt sind strauchreiche Ackerlandschaften Wald, Parks, Gärten, Friedhöfe, Ackerflächen
Lebensweise Ruht in einer Mulde (Sasse), gebärt dort auch die Jungen legt Baue an
ist eher ein Einzelgänger ist ein Rudeltier
auf Nahrungssuche gehen beide Arten in der Nacht auf Nahrungssuche gehen beide Arten in der Nacht
Weitere optische Unterschiede schlanker, langer Körperbau gedrungener, rundlicher Körperbau
lange Ohren (sind länger als der Kopf und oben schwarz gefärbt) relativ kurze Ohren (ein wenig kürzer als der Kopf und wie das Fell graubraun gefärbt)
auffallend lange Läufe relativ kurze Läufe (hoppelnder Gang)
Augenfarbe gelb bis bernsteinfarben Augenfarbe dunkelbraun
Feldhasen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Feldhasen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Lebensraum:

Feldhasen mögen offenes Gelände wie Ackerlandschaften und Wiesen. Sie benötigen jedoch auch Schutz (vor allem bei der Aufzucht der Jungen) vor Beutegreifern (zum Beispiel Mäusebussard) und vor nass kalter Witterung. Aus diesem Grund stellen halboffene Ackerlandschaften, in denen sich Ackerflächen und strauchreiches Gelände abwechseln, für den Feldhasen den optimalen Lebensraum dar. Man glaubt, dass die künstliche Umgestaltung dieser strukturreichen Landschaftsformen in den 1970er und 80er Jahren (Flurbereinigung) für einen starken Rückgang des Feldhasen in Deutschland geführt hat. Durch die Entfernung von Sträuchern fielen für den Hasen wichtige Schutz- und Futterressourcen weg.

Verbreitung und Gefährdung:

Der Feldhase ist in Rheinland Pfalz sowie im gesamten Bundesgebiet flächendeckend verbreitet. Allerdings schwanken die Bestandszahlen von Jahr zu Jahr teilweise bemerkenswert stark. Für die starken Schwankungen der Hasenzahlen gibt es verschiedene Ursachen. Einerseits wirken sich ungünstige Witterungsverhältnisse (besonders Regen und Kälte) äußerst negativ auf die Entwicklung von Junghasen aus. In der Aufzuchtsphase (Säugezeit etwa 30 Tage) sind trockene und warme Perioden für den Nachwuchs optimal. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, sondern ist die Witterung wie oben beschrieben nass und kalt, kommen meist nur wenige oder sogar keines der Exemplare eines Wurfs durch. Andererseits sind Junghasen beliebte Beutetiere von Fuchs, Dachs, Hund, Katze, Marder, von Greifvögeln und Rabenkrähen, durch die ihre Zahl ebenfalls dezimiert wird. Auch fallen Hasen immer wieder dem Straßenverkehr zum Opfer. Des weiteren sind für die immer wiederkehrenden Besatzschwankungen Parasiten und seuchenartige Krankheiten mitverantwortlich.

Verhalten:

Der Feldhase ist eher ein Einzelgänger. Kommen Feldhasen in einer Gruppe vor, so gibt es hier eine klare Rangordnung. Sein Ruhelager ist die sogenannte „Sasse“. Dies ist eine ausgescharrte Mulde, die sich meist auf freiem Feld befindet von wo aus der Hase das komplette Gebiet  rund um seine Sasse überwachen kann. Seiner Sasse nähert sich der Feldhase nur auf Umwegen, um seine Fressfeinde zu verwirren. Nähert sich dennoch ein Feind der Sasse bleibt der Hase erstarrt liegen und setzt auf seine durchaus gute Tarnung. Erst im letzten Moment ergreift der Feldhase die Flucht, die er dann in einem langanhaltenden Sprint vollzieht, bei dem er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen kann. Feldhasen sind in der Regel zur Dämmerungszeit und Abends aktiv, um nach Nahrung zu suchen.

Feldhase; Bild: Richard Hansen
Feldhase; Bild: Richard Hansen

Nahrung:

Der Feldhase ist ein reiner Vegetarier. Seine Nahrung ist dennoch sehr abwechslungsreich und besteht aus Kräutern, Gräsern, Getreide und Feldfrüchten, Knospen, Trieben und Rinde.
Eine Besonderheit beim Nahrungsverhalten des Feldhasen stellt die Aufnahme des sogenannten „Vitaminkots“ dar. Dieser Vorgang wird Koprophagie genannt.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Zur Paarungszeit im Spätwinter und Frühjahr kommen die Feldhasen an den sogenannten Rammelplätzen zusammen. Dann sind sie auch tagsüber aktiv und balgen mit den anderen Männchen um die Aufmerksamkeit der Häsinnen. 

Die Tragzeit der Häsin beträgt 42 bis 43 Tage. Sie bringt 3 bis 4 Mal im Jahr jeweils 1 bis 3 Junghasen zur Welt, die bereits behaart sind und sehen können. Die Häsin säugt ihre Jungen während der ersten 30 Tage einmal pro Tag. Sie ist tagsüber nur selten mit den Jungtieren direkt zusammen, ist aber meistens in ihrer Nähe.