(Sciurus vulgaris)

Eichhörnchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Eichhörnchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Fast schon beleidigend klingt der zoologische Gattungsname „vulgaris“ für eines der wahrscheinlich bekanntesten und putzigsten wildlebenden Tiere unserer Heimat - das Eichhörnchen. Durch sein niedliches Aussehen, seine zutrauliche Art und aufgrund seiner relativ häufigen Sichtungen in Parks und auf Gehwegen in Waldnähe, ist dieser kleine Nager zu einem wahren Sympathieträger des Menschen geworden. Schon in früheren Zeiten galt das gelehrige Eichhörnchen bei den Kindern als ein beliebter Spielkamerad, der sich schon damals gerne von ihnen füttern ließ.

Aussehen:

Der Körper des kleinen Nagetiers, ist 25 bis 30 Zentimeter lang. Hinzu kommt der etwa 20 Zentimeter lange, buschige Schwanz. In dem Werk Knauers Tierreich in Farben, Säugetiere wird auf Seite 122 gesagt: „Ein langer, buschiger Schwanz ist das Kennzeichen; er hat auch zum griechischen Namen Skiouros oder lateinisch Sciurus geführt, was ,der mit dem Schwanz sich Beschattende‘ bedeutet.“
Das Fell des Eichhörnchens weist nur in der warmen Jahreszeit die rotbraune, ja fast leuchtende Farbe auf. Im Herbst färbt sich sein Haarkleid in ein dunkleres rotbraun bis schwarzbraun. Die Bauchseite bleibt immer hell gefärbt, im Sommer ist sie auffallend weiß. Im Winter trägt das Eichhörnchen kleine Haarbüschel an den Ohren, die es im Sommer nicht besitzt. Diese werden auch Hörnchen genannt und wirken wie kleine Ohrenwärmer. Die Fellfarbe des Eichhörnchens ist auch ein Hinweis auf den Lebensraum, in dem es sich aufhält (siehe Lebensraum).

Eichhörnchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Eichhörnchen; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Es gibt etwa 300 Eichhörnchenarten auf der Welt, von denen in Deutschland jedoch nur das Europäische Eichhörnchen heimisch ist. Diese Art ist in Deutschland zwar nicht immer zahlreich aber doch flächendeckend vertreten und lebt sogar in Höhen bis 2000 Meter. Dort wo die Tiere vom Menschen gefüttert werden, wie zum Beispiel in Stadtparks, kann es zu massenhaften Vermehrungen kommen.

Lebensraum:

Wir finden den rotbraunen Gesellen in Parks, Laub-, Misch- und Nadelwäldern. Außerdem kommt er auch immer wieder in Gärten vor. In offeneren, sonnigeren Landschaften sowie in Laubwäldern trägt das Eichhörnchen ein helles, rotbraunes Fell. In den dunkleren und kühlen Nadelwäldern zeigt sich der flinke Nager in einem dunklen, zuweilen auch beinahe schwarz-braunem Farbton. Diese Farbvarianten ein und derselben Eichhörnchenart erklären Experten mit der Anpassung des Tieres an seinen jeweiligen Lebensraum.

Eichhörnchen auf einem bemoosten Baumstumpf; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Eichhörnchen auf einem bemoosten Baumstumpf; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Verhalten:

Die langen, kräftigen Finger des rotbraunen Einzelgängers haben sich als äußerst praktische „Kletterhaken“ erwiesen, mit deren Hilfe das kleine Tier sehr geschickt an Bäumen auf und ab klettern kann. Das Eichhörnchen nutzt seine Gabe dementsprechend aus und ist fast ausschließlich auf Bäumen zu finden. Die rotbraunen Kletterkünstler können außerdem sehr gut und weit springen. Mit ihren kräftigen Hinterbeinen stoßen sie sich von einem Ast ab, halten während des Fluges mit Hilfe ihres Schwanzes die Balance und breiten zusätzlich die Vorderbeine aus, um mit der Haut zwischen Ellenbogen und Körper einen höheren Luftwiderstand auszunutzen. Auf diese Weise können die sympathischen Baumbewohner Sprünge von bis zu fünf Meter Weite vollführen. Ist unser kleiner Freund auf dem Boden unterwegs, bewegt er sich hüpfend fort, wobei er sich immer kurz mit den Vorderbeinen auf der Erde abstützt. Ab und zu geht er in eine Sicherungsstellung und beobachtet, auf den Hinterbeinen stehend, die Umgebung.
In Wäldern lebende Eichhörnchen meiden den Menschen. Werden Sie von ihm beobachtet, klettern sie an der abgewandten Baumseite nach oben und verstecken sich mehrere Stunden lang in einer Astgabel oder ähnlichem. Das tagaktive Eichkätzchen, wie es auch von einigen genannt wird, kann man am besten in den frühen Morgenstunden oder in der Dämmerung beobachten. Einen echten Winterschlaf vollzieht das Eichhörnchen nicht. Es legt allerdings in der kalten Zeit des Jahres längere Ruhe- und Schlafphasen ein. Zwischendurch zieht es immer wieder los, um eines seiner winterlichen Nahrungsverstecke aufzusuchen und zu fressen.
Eichhörnchen verbringen viel Zeit mit der Fell- und Körperpflege, da sie oft von Ungeziefer und Parasiten heimgesucht werden. Sie reiben sich deshalb auch gerne in feuchtem Moos, das sehr viel Wasser aufnimmt, um sich von unerwünschtem Kleingetier zu befreien.

Nahrung:

Bevorzugt nimmt das Eichhörnchen Nüsse als Nahrung auf, die es mit seinen scharfen Zähnen aufknackt. Die Ernährung mit festen, harten Nahrungsmitteln ist für die Eichhörnchen von erhöhter Wichtigkeit, da sich die immer weiter nachwachsenden Zähne ansonsten nicht abnutzen. Unsere heimischen Baum bewohnenden Nager haben jedoch auch andere Vorlieben, was ihre Speisen anbelangt. Was ihre Palette an Nahrungsmitteln angeht gelten sie fast schon als Allesfresser. Haselnüsse, Zapfen von Fichten und anderen Nadelbäumen, Bucheckern, Eicheln, Obst, Pilze und Wurzelknollen sowie Vogeleier und Jungvögel stehen auf dem Speiseplan dieses kleinen Tausendsassas.
Findet das Eichhörnchen ein großes Futtervorkommen, sammelt es reichlich davon ein und vergräbt es dann in Nahrungsverstecken, die als Vorratskammern für den Winter dienen. Ist in der kalten Jahreszeit dann kaum noch Futter zu finden, macht sich das Eichhörnchen auf die Suche nach seinen unterirdischen Vorräten. Anders als viele Menschen denken, versucht das Eichhörnchen nicht, sich seine zahlreichen Verstecke zu merken, sondern es spürt sie bei Bedarf dank seines ausgezeichneten Geruchssinns auf. Anhand seiner durchschnittlichen Tagesleistung wurde errechnet, dass das Eichkätzchen in nur drei Monaten bis zu 10.000 Nüsse oder 3,5 Hektoliter Koniferenzapfen bunkern kann! Findet es einige Verstecke nicht mehr wieder, hat es sie eben einfach nicht mehr wieder gefunden. Mit Vergesslichkeit hat dies nichts zu tun. Irgendwann ist auch der größte Hunger einmal befriedigt. Auf jeden Fall trägt das Eichhörnchen so zu einer Verbreitung von Bäumen und Sträuchern bei, die aus den vergrabenen, nicht verzehrten Samen erwachsen.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Die Paarungszeit der Eichhörnchen findet von Ende Winter bis in den Frühsommer statt. Nur während dieser Zeit suchen die sonst einzelgängerisch lebenden Tiere einen Partner auf. Eichhörnchenweibchen werden zwei Mal im Jahr trächtig. Die fünf Jungen, die nackt und blind auf die Welt kommen, wiegen jeweils etwa 10 Gramm. Nach 15 Tagen beginnt ihnen ein erster, weicher Haarflaum zu wachsen, der am 19. Lebenstag vollständig und dicht ist. Nach etwa einem Monat schieben sich die ersten Nagezähne durch. Zu diesem Zeitpunkt öffnen die Kleinen auch ihre Augen. Im Alter von etwa zwei Monaten sind die Jungen selbständig und verlassen zum ersten Mal den heimischen Kobel.
Dieses Eichhörnchennest ist eine aus Ästen und Zweigen gebaute Hohlkugel. Sie befindet sich hoch oben in den Baumkronen. Der kunstvolle Rundbau dient den kleinen Nagern als Schlafplatz und Geburtsstätte. Der Kobel weist Eingänge von unten und an der Seite auf. Sein Durchmesser beträgt bis zu 50 Zentimeter, innen ist er etwa 20 Zentimeter breit. Ausgepolstert wird der Kobel mit Moos, Federn und Gras.