(Dama dama)

Damhirsch; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Damhirsch; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Die meisten unter uns verbinden mit dem Begriff Damwild breite Geweihschaufeln und ein geflecktes Fell. Als echtes Mitglied der Hirschfamilie war es vor der letzten Eiszeit in ganz Europa verbreitet und wurde in geschichtlicher Zeit aus dem Orient bei uns aus jagdlichen Gründen und zur Gewinnung von Wildfleisch eingebürgert. Ursprünglich war dieser kleinere Vetter unseres Rothirsches also bei uns heimisch. Ihr größtes Vorkommen in Deutschland gibt es heute in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg. In Rheinland-Pfalz kommt das Damwild nur in einzelnen Gebieten in größerer Anzahl vor.

Damhirsch gefleckt ...
Damhirsch gefleckt ...
... aber es geht auch anders.; Alle Bilder: Archiv Landesforsten Rheinlnland-Pfalz
... aber es geht auch anders.; Alle Bilder: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Aussehen:

Das hervorstechendste Merkmal der Damhirsche ist ihr mächtiges Geweih, dessen flach und breitflächig geformten Enden der Jäger als Schaufeln bezeichnet. Ein ausgewachsenes männliches Tier kann eine Schulterhöhe von einem Meter erreichen und bis zu 80 Kilogramm schwer werden. Weibliches Damwild (Tier oder Kahlwild) wiegt bis zu 40 Kilogramm. Damwild trägt im Sommer ein rostbraunes Haarkleid, mit einem schwarzen Aalstrich auf dem Rücken und weißen Flecken. Im Winter ist das Fell graubraun und die Flecken kaum zu erkennen. Der Haarwechsel vollzieht sich jeweils im Frühsommer (Juni) beziehungsweise Herbst (Oktober). Es kommt auch schwarz gefärbtes und weißes Damwild vor.

 

 

 

 

Damhirsch; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Damhirsch; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Damwild wurde in vielen Ländern eingebürgert, da es in Freiheit nur geringe Schäden im Wald anrichtet und sich gut in Gehegen halten lässt. Die Hirschart kommt in Europa, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Nordafrika, und auf den Fidschi-Inseln vor.
In Rheinland-Pfalz ist Damwild in freier Wildbahn in den folgenden Gebieten in größerer Zahl vertreten: Birkenfeld, Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn-Kreis, Cochem-Zell und Kusel. Da Damwild viel umherzieht, kommen einzelne Gruppen auch in anderen Bereichen des Landes vor.

Damwild liebt bewaldetes Gebiet mit großräumig angrenzenden parkähnlichen Landschaften, Feld- und Wiesenflächen.

Damhirsche; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Damhirsche; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Verhalten:

Damwild ist tagaktiv und lebt gesellig in Gruppen. Da bei der Nahrungssuche forstlich relevante Pflanzen vom Damwild nicht in so erheblichem Ausmaß wie vom Rotwild ausgewählt werden, wird diese Hirschart in größeren Beständen akzeptiert. Damwild wird aufgrund seiner, aus forstlicher Sicht unproblematischen Haltung, auch ausgesetzt, um jagdlichen Interessen nachzukommen.
Die viel umherziehende Hirschart lässt sich außerdem gut zur Wildfleischproduktion in Gehegen halten. Da hierdurch ein wesentlicher Schritt hin zur Domestikation vollzogen wurde ergibt sich gleichzeitig auch das Erfordernis rechtliche Vorgaben im Hinblick auf die artgerechte Haltung dieser Tiere einzuhalten.
Mit Ausnahme der zahlenmäßig sehr wenigen Luchse hat Damwild in Deutschland keine natürlichen Feinde. Selten fallen Kälber Füchsen zum Opfer. Höhere Opferzahlen sind dem Straßenverkehr zuzuschreiben. Der Grund dafür ist das häufige Umherziehen des Damwildes.

Nahrung:

Nahrungssystematisch stellt das Damwild einen Mischtyp dar. Einerseits wählt es seine Nahrung ebenso sorgfältig aus wie das Rehwild, wodurch es durchaus als Konzentratselektierer bezeichnet werden kann. Andererseits ist das Damwild ein Raufutterfresser, der Gräser und krautige Pflanzen zu sich nimmt. Zu seinem Speiseplan zählen außerdem: Früchte, Knollen, Futterpflanzen und Sträucher. Das Damwild richtet kaum Verbissschäden durch abbeißen von jungen Bäumen an. Die Rinde von Eschen und jungen Kiefern schält es nur ab wenn Futtermangel besteht.

Fortpflanzung und Entwicklung:

Die Brunft des Damwildes beginnt Ende Oktober und ist auch akustisch durch die hohen und relativ eintönigen Brunftrufe des Damhirsches vernehmbar. Damhirsche treffen auf bekannten Brunftplätzen mit den Tieren zusammen. Der Hirsch schlägt mit seinen Vorderbeinen eine Brunftkuhle in den Boden, in die er sich hineinlegt. Das weibliche Damwild sammelt sich um die Brunftkuhle des Hirschs.
Das im Juni gesetzte Junge (Kalb) ist meist ein Einzelkind. Es kommen jedoch auch Zwillingsgeburten vor und zwar häufiger als beim Rotwild. Kahlwild wird mit etwa 27 Monaten geschlechtsreif. Mit Beginn des dritten Lebensjahres (28 bis 30 Monate) ist der Zahnwechsel beim Damwild abgeschlossen.

Geweihbildung:

Das Hirschkalb baut im Frühjahr nach seiner Geburt erstmalig „Spieße“ auf. Der junge Hirsch wird dann Damspießer genannt.
Im nächsten Jahr entstehen Rosen (rundliche Verdickungen des Geweihs gleich über dem Schädel), Augsprosse und Mittelsprosse. Meist bildet sich dann noch eine Gabel am oberen Ende.
Im darauffolgenden Jahr beginnt die Schaufelbildung und das Geweih verbreitert sich. Der Damhirsch heißt dann auch Löffler und später, bei fortschreitender Geweihentwicklung, Halbschaufler. Ist das Geweih voll ausgebildet, spricht der Jäger vom Vollschaufler.
Eine Schaufelbreite von 20 Zentimetern ist möglich. Männchen mit einem solchen Geweih zählen zu den kapitalen Damhirschen.
Das Geweih wird jährlich (April) abgeworfen und wieder neu aufgebaut. Ende August wird das neue Geweih gefegt, wobei die das Geweih umgebende Hautschicht beispielsweise an jungen Bäumen abgerieben wird.