(Meles meles)

Der nachtaktive Dachs lebt in einer Familienstruktur mit bis zu 12 Artgenossen und legt ein unterirdisches Gangsystem an.
(Fotograf : Fotonatur.de / Kurt Gansner)

Der zoologisch zu den Mardern gehörende Dachs kommt in Deutschland seit einigen Jahren wieder vermehrt vor. Nach Fuchsbaubegasungen zum Zwecke der Tollwutbekämpfung in den 1960er und 70er Jahren galt der Dachs in Deutschland als nahezu ausgestorben. Dies resultierte aus dem Unwissen, welches in jenen Jahren noch vorlag, dass sich Dachse, Wildkaninchen und Füchse nicht selten einen Bau teilen. Der Dachs bewohnt dabei den unteren Bereich, Wildkaninchen und Fuchs halten sich im oberen Teil des Baues auf. Im Zuge der durchgeführten Baubegasungen wurden deshalb nicht nur mit Tollwut infizierte Füchse, sondern auch sehr viele Dachse versehentlich getötet. Die Dachsbestände erholten sich in ganz Deutschland nur langsam von diesen Maßnahmen. Heute ist Grimbart, wie der Dachs im Volksmund liebevoll genannt wird, als natürliches Mitglied unserer Umwelt in allen Teilen der rheinland-pfälzischen Wälder wieder vorzufinden. In manchen Teilen des Landes kommt er bereits wieder so häufig vor, dass er oftmals ein Opfer des Straßenverkehrs ist. Der Dachs wird entsprechend seiner Häufigkeit in ganz Rheinland-Pfalz bejagt.

Aussehen:

Der Europäische Dachs ist ein stattliches und sehr scheues Tier. Er erreicht eine Länge von rund einem Meter und eine Höhe von ungefähr 30 Zentimetern, das Durchschnittsgewicht liegt bei 12 Kilogramm. Er kann allerdings bis zu 20 Kilogramm schwer werden. Sein borstiges Haarkleid hat eine graue Färbung, wobei das Gesicht und der Bauch schwarz sind. Der Dachs hat schwarze kurze Beine und einen grauen Stummelschwanz. Die Füße mit jeweils fünf Zehen weisen starke Krallen auf.
Die drei breiten weißen Streifen im Gesicht sind sein Markenzeichen. Einer verläuft von der Schnauze über den Kopf und jeweils einer unterhalb der Ohren. Ihr Sinn und Zweck ist jedoch umstritten. Manche Menschen behaupten, der Dachs könne dank der Streifen seine Artgenossen auch in tiefster Nacht erkennen — allerdings weiß man, dass Dachse sich am Geruch erkennen. Was auch immer der Grund für die Streifen ist, sie machen dieses Geschöpf auf jeden Fall sehr ansehnlich.

Der Dachs kommt in ganz Europa, in weiten Teilen Asiens und in Teilen Nordamerikas vor. Es gibt ihn nicht in Südamerika, in Afrika sowie in Australien.

Der Lebensraum des Dachses reicht vom Flachland bis ins Mittelgebirge. Zur Anlage seiner „Dachsburg“ wählt er Laub- und Mischwälder. Die Dachsburg ist ein weit verzweigter Bau, dessen Tiefe bis zu 5 Meter und dessen Durchmesser bis zu 30 Meter betragen kann. Die Gesamtlänge des Röhrenlabyrinths kann bis zu 300 (!) Metern betragen. Man weiß von einigen Dachsbauten, dass sie mehr als 50 Eingänge aufweisen und gut 150 Jahre alt sein dürften. Solche Anlagen können mehrere Generationen einer Dachsfamilie beherbergen.

Verhalten:

Der nachtaktive Dachs lebt in einer Familienstruktur mit bis zu 12 Artgenossen und legt ein unterirdisches Gangsystem an, das Dachsburg genannt wird. Die Dachsburg verfügt über mehrere Etagen, von denen der Dachs meist die unteren bewohnt. Hierzu baut er sich einen sogenannten Kessel, der 60 Zentimeter hoch sein kann und mit Gräsern, Laub und Moosen ausgelegt wird. Die oberen Etagen „vermietet“ der Bauherr der Dachsburg nicht selten an Fuchs und Wildkaninchen. Zwischen den W G-Mitgliedern gibt es innerhalb des Baues keinen Streit, es herrscht eine Art Burgfrieden. An Ein- und Ausgängen der Dachsburg finden sich tief ausgetretene Furchen, das sogenannte Geschleif. Sind diese Anzeichen sehr frisch, kann man davon ausgehen, dass der Bau bewohnt ist. Der etwas plump wirkende Waldbewohner, der, wenn er sich durch das am Boden liegende Laub bewegt, unüberhörbar ist, gilt als standorttreu und entfernt sich nur selten über weitere Strecken von seinem Bau. In Sachen Hygiene nimmt es Grimbart recht genau. So verrichtet er sein Geschäft nur außerhalb der Dachsburg in sogenannten Dachs-Abtritten. Im Winter verhält sich der Dachs zwar relativ ruhig, er hält jedoch keinen richtigen Winterschlaf. Ab und zu verlässt er in dieser Zeit den Bau, um einen Dachs-Abtritt aufzusuchen und um Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen.
Eine Drüse unterhalb des Schwanzes sondert eine stark riechende Flüssigkeit ab, die der Dachs auf Grasbüscheln, Steinen oder Zaunpfählen absetzt, um sein Territorium zu markieren. Dachse salben sich sogar gegenseitig ein, um sich später wiederzuerkennen. Durch abgesetzte Duftmarken findet ein Dachs auch sehr leicht den Eingang seines Baues wieder, in den er dann rückwärts hineinrutscht.

Nahrung:

Auf der Suche nach Nahrung streift der Dachs des Nachts weit umher. Er ist kein Kostverächter, sondern ein wahrer Allesfresser. Wittert er junge Wildkaninchen, dann gräbt er sie aus, um sie zu fressen. Auch hebt er Wespennester aus, um an die Larven heranzukommen. Er sucht den Boden ab und frisst alles was genießbar und leicht zu erreichen ist. Dazu zählen: Wurzeln, Früchte, Samen, Pilze, Insekten, Schnecken, Frösche, Lurche, Gelege, Jungvögel und Kleinsäuger sowie Aas. Der Dachs kommt zeitweise auch ohne fleischliche Kost aus. Er verwüstet oft Teile von Ackerflächen, auf denen er zum Ärger der Landwirte in großer Menge reifes Getreide erntet. Andererseits können Regenwürmer, nach denen er im Boden herumsticht, manchmal bis zu 50 Prozent seiner Nahrung ausmachen.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:

Die Ranz findet im Juli und August statt. Bei trächtigen Dächsinnen beginnt die Keimentwicklung wie auch bei Steinmarder und Rehwild erst verzögert (Keimruhe). Die 2 bis 3 (maximal 5) Jungdachse, die im Frühjahr (März/ April) im Mutterbau geboren werden, sind weiß behaart und blind. Ihre Augen öffnen sie nach 3 bis 4 Wochen. Die Dächsin säugt ihre Kinder 13 Wochen lang.
Wenn die Jungen etwa drei Monate alt sind, kommen sie aus dem Bau heraus und spielen vor dem Eingang. Sind die Kleinen draußen, sorgen Fähe und Rüde für frische Betten. Dachse sind sehr ordentlich und halten ihren Bau peinlich sauber. Das Auslüften des Bettzeugs im Frühjahr und Herbst ist zwar üblich, aber auch in jedem anderen Monat des Jahres möglich. Die Eltern zerren das alte, trockene Gras und den alten, trockenen Farn ans Licht und ersetzen es durch frisches Gras und frischen Farn — in einer Nacht sammeln sie bis zu 30 Bündel zusammen. Sie halten die Bündel zwischen Kinn und Vorderpfoten fest, kriechen rückwärts in einen Eingang hinein und rutschen ihn hinunter.
Den ersten Winter verbringen die Jungdachse mit der Mutter in der Dachsburg, in der sie zur Welt kamen. Erst danach verlassen sie ihre Geburtsstätte.
Dachse können zwar bis zu 12 Jahre alt oder sogar noch älter werden, häufig leben sie jedoch nur 2 bis 3 Jahre. Da sie erst im dritten Lebensjahr geschlechtsreif werden bedeutet das, dass manche Dachse nur eine Nachfolgegeneration heranziehen können.