Aufnahme von Schälschäden; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
Aufnahme von Schälschäden; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Was ist eine 'Forstfachliche Stellungnahme' (im Sprachgebrauch oft auch als "Waldbauliches Gutachten" bezeichnet) in Rheinland-Pfalz?
Die 'Forstfachliche Stellungnahme' stellt den Einfluss des Wildes auf die Waldvegetation in den einzelnen Jagdbezirken fest. In einem standardisierten Verfahren wird der Nachweis von Verbiss- und Schälschäden, die durch Rot-, Dam-, Muffel-, und Rehwild in Waldbeständen verursacht werden, geführt und die Schadenssituation im Jagdbezirk beurteilt. Zunächst werden nach einem Stichprobenverfahren forstliche Verjüngungsflächen und Jungbestände auf Verbiss- und Schälschäden untersucht. Auf der Grundlage der Aufnahmeergebnisse wird ein Gutachten für die einzelnen Jagdbezirke mit einer Darstellung der waldbaulichen Gefährdungssituation infolge Wildschäden durch die Forstämter erstellt. Dieses dient als Grundlage zur Festsetzung des Schalenwildabschusses durch die untere Jagdbehörde.

Wozu ist eine 'Forstfachliche Stellungnahme' erforderlich?
Die nachhaltige Waldbewirtschaftung stabiler und multifunktionaler Wälder erfordert ein natürliches Gleichgewicht von Wald und Wild. Dazu müssen die Wildbestände auf einen waldbaulich tragbaren Umfang begrenzt werden, der eine natürliche Waldverjüngung ermöglicht. Inwieweit dieses Ziel erreichbar ist, soll periodisch anhand des Zustandes von Forstpflanzen überprüft werden. Speziell die durch Rot-, Dam-, Muffel-, und Rehwild verursachten Verbiss- und Schälschäden sind Weiser zur Einschätzung der Gefährdung waldbaulicher Zielerreichung. Die 'Forstfachlich Stellungnahme' dient dazu, die berechtigten Ansprüche der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, insbesondere auch die Vermeidung übermäßiger Wildschäden, über eine Empfehlung zur Aufstellung beziehungsweise Festsetzung der Abschusspläne zu vertreten.
Die Notwendigkeit der Feststellung der Beeinträchtigung der berechtigten Ansprüche der Forstwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden ist gesetzlich im Landesjagdgesetz verankert (§ 31, Absatz 7). In ihrem Ergebnis hat die 'Forstfachliche Stellungnahme' Auswirkungen auf die Abschussplanungen.

Wie werden die Verbiss- und Schälschäden ermittelt?
Bei der Verbissschadenserhebung wird in einem bestimmten mehrjährigen Zyklus auf Verjüngungsflächen der entwicklungshemmende Leit- oder Terminaltriebverbiss des vergangenen Winters an den Hauptbaumarten aufgenommen, bei der Aufnahme von Schälschäden die frischen Schälschäden des vergangenen Jahres. Damit die Untersuchungsflächen nach objektiven Gesichtspunkten ausgewählt werden, wird ein Gitternetz (Raster) über die Waldfläche des Landes gelegt, dessen Koordinaten in Karten festgehalten werden. Die den Rasterpunkten nächst gelegene verbiss- beziehungsweise schälgefährdete Fläche wird stichprobenartig auf Schäden untersucht. Die einzelnen Aufnahmepunkte der Untersuchungslinie (Linientaxation) werden markiert, damit der ermittelte Prozentsatz geschädigter Bäume belegt werden kann. Dabei wird selbstverständlich berücksichtigt, ob Schutzvorkehrungen gegen Wildschäden getroffen wurden. Die Aufnahmen obliegt den örtlich zuständigen Forstbeamten. Aufgrund der Ergebnisse der Schadenserhebung wird beurteilt, ob das waldbauliche Betriebsziel gefährdet ist. Im Gutachten zum Einfluss des Schalenwildes auf das waldbauliche Betriebsziel schlagen die Forstämter der unteren Jagdbehörde, je nach dem Gefährdungsgrad, eine gegebenenfalls veränderte Abschussfestsetzung vor.

Zur landesweiten Verbiss- und Schälsituation in Rheinland-Pfalz
Ergebnisse der waldbaulichen Gutachten des Erhebungsjahres 2014 ReadSpeaker PDF vorlesen.