Qualifizierungsphase mit Stieleiche, Birke, Kiefer und Weide; Bild: Olaf Boehmer
Qualifizierungsphase mit Stieleiche, Birke, Kiefer und Weide; Bild: Olaf Boehmer

Die Qualifizierungsphase beginnt, sobald die jungen Bäume der Konkurrenzvegetation entwachsen sind und in einen intensiven Verdrängungswettbewerb zueinander eintreten.
Die Bäume wachsen nun immer rascher empor und das natürliche Aststerben setzt ein.

Das Ziel: In der Qualifizierung fördert Dichtstand die natürliche Differenzierung.

Genügend gute und gleichzeitig supervitale Jungbäume sollen zu wertholzfähigen Bäumen heranwachsen.
Das Aststerben soll in der Qualifizierungsphase möglichst rasch
voranschreiten.

Eiche, Birke und Buche reagieren unterschiedlich auf Beschattung; Bild: Olaf Boehmer
Eiche, Birke und Buche reagieren unterschiedlich auf Beschattung; Bild: Olaf Boehmer

Der Weg: Wer qualifiziert wen?

Nicht jede Baumart kann eine andere “qualifizieren”. Lichtansprüche und Beschattungsvermögen bestimmen die oberirdischen Wechselwirkungen
zwischen den Bäumen.
Der Seitendruck der Buche qualifiziert die Lichtbaumarten Eiche und Birke hervorragend, während umgekehrt weder Eiche noch Birke an der Buche Aststerben auslösen können.

Die Vitalsten werden gewinnen

In der Qualifizierung gilt alle Aufmerksamkeit den  Jungbäumen, welche die größte Vitalität aufweisen.
Nur der Verlust oder die Beeinträchtigung dieser Bäume  begründen waldbauliche Eingriffe. Alle Maßnahmen sind auf den Punkt konzentriert und nicht mehr schematisch und flächenhaft.

Reingehen und Hinsehen!

Es werden personenbreite Zugangslinien bei beginnendem Aststerben angelegt.
Unterschiedliche Wuchsdynamiken können so sicher erkannt und beobachtet werden.

Zugangslinien sind Grundvoraussetzung für sinnvolles Arbeiten Anlage bei Totastzone auf Augenhöhe; Bild: Olaf Boehmer
Zugangslinien sind Grundvoraussetzung für sinnvolles Arbeiten Anlage bei Totastzone auf Augenhöhe; Bild: Olaf Boehmer

Knicken und Ringeln

Eine Birke wird geringelt, knicken in der frühen Qualifizierung; Bild: Olaf Boehmer
Eine Birke wird geringelt, knicken in der frühen Qualifizierung; Bild: Olaf Boehmer

Das Zurücknehmen unerwünschter sehr vitale Bäume (Protzen) geschieht in der frühen Qualifizierungsphase durch Knicken, zu einem späteren Zeitpunkt durch Ringeln mittels Schälmesser und Drahtbürste, aber nur, wenn dadurch im Umfeld ein anderer, wertversprechender Baum gesichert werden kann. Aushiebe jeglicher Art bringen zu viel Licht, stören die Astreinigung und unterbleiben daher. Unterschiedliche Wuchsdynamiken können so sicher erkannt und beobachtet werden.

Sonderfall Ausästung

Wenn eine ausreichende Anzahl guter Jungbäume mit natürlicher Astreinigung nicht erwartet werden kann (die Bäume stehen nicht dicht genug, Äste sterben nicht ab), der Baum aber sonst alle Qualitätsanforderungen  erfüllt, dann können ersatzweise Ästungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dabei werden entweder komplette Astquirle oder einzelne, besonders wüchsige Grünäste entfernt. Diese Maßnahme ist möglich bis zu Astdurchmessern von 2,5 bis 3 Zentimeter, diese Wunden werden noch rasch gesund überwachsen.
Vorsicht! Das Entfernen zu vieler Grünäste kann den Baum aus dem Wuchsgleichgewicht bringen.

Ausästung an Buche -
Ausästung an Buche -
Entfernung besonders wüchsiger Grünäste; Beide Bilder: Olaf Boehmer
Entfernung besonders wüchsiger Grünäste; Beide Bilder: Olaf Boehmer