300 Jahre Nachhaltigkeit - Ein Begriff schreibt Geschichte
Von der  “nachhaltenden Nutzung“ des Holzes zum Leitbild der heutigen Gesellschaft!

18. Jahrhundert Hans Carl von Carlowitz schreibt mit „Sylvicultura Oeconomica“ und benutzt erstmals den Begriff „nachhaltende Nutzung
Anfang 19. Jahrhundert Der „Wertevertrag“, d.h. das optimale Verhältnis zwischen Reinertrag und Verzinsung von Boden, Arbeit und Holzertrag, wird zum neuen Nachhaltigkeitskonzept der Forstwirtschaft. Große Forstwissenschaftler wie Heinrich Cotta (1763 – 1844) stehen für diesen methodischen Ansatz. Gerhard Ludwig Hartig (1764 – 1837) ergänzt dieses Konzept um die Berücksichtigung des „Vorteils“ für kommende Generationen.
Mitte 19. Jahrhundert Wald wird zunehmend als „Natur-System“ begriffen
Anfang 20. Jahrhundert Blickwinkel auf die ökologisch-funktionale Vernetzung des Waldes mit anderen Natursystemen (z.B. Wasser, Boden) und ihre Wechselwirkungen
Mitte 20. Jahrhundert Entwicklung eines „multifunktionalen“ Nachhaltigkeitsverständnis. Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozial-gesellschaftlicher Faktoren
1972 „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome wird zum Manifest einer wachstumskritischen Ökologiebewegung. Es beschreibt Nachhaltigkeit erstmals in einem nicht forstwissenschaftlichen Kontext.
1987 Die UN-Kommission für Entwicklung und Umwelt veröffentlicht den „Brundtland-Bericht“. Er wird zum Ausgangspunkt der Nachhaltigkeitsdebatte in der internationalen Öffentlichkeit. Wirtschaftswachstum soll umweltfreundlich sein, wird aber grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Vielmehr solle globales Wachstum die Armutsprobleme der Welt beseitigen.
1992 Der erste globale Krisengipfel zur Nachhaltigkeit der Weltressourcen findet in Rio de Janeiro statt. Die Rio-Konferenz, Konferenz der UN über Umwelt und Entwicklung (UNCED), ist bis heute von entscheidender Bedeutung! Beherrscht wurde die Konferenz vom Nord-Süd Konflikt zwischen dem Wunsch nach industrieller Entwicklung des Südens und dem Ziel der Beseitigung globaler Umweltprobleme von den Industriestaaten. Wichtige Ergebnisdokumente sind die „Rio-Deklaration“ und die „Agenda 21“. Die erste internationale Wald-Deklaration wurde unterzeichnet.
1993 Ministerkonferenz in Helsinki zum nachhaltigen Forstmanagement in Europa. „...die Behandlung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen gewährleistet, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.“ (Helsinki-Resolution H1, Punkt D)

Im Rahmen des Folgeprozesses zur Ministerkonferenz von Helsinki wurden Kriterien und Indikatoren der Nachhaltigkeitsprüfung verabschiedet. Die sechs gesamteuropäischen Kriterien für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung lauten:

  1. Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und ihr Beitrag zu globalen Kohlenstoffkreisläufen
  2. Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von forstlichen Ökosystemen
  3. Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktionen der Wälder (Holz und Nichtholz)
  4. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der biologischen Diversität in Forstökosystemen
  5. Erhaltung und angemessene Verbesserung der Schutzfunktionen bei der Waldbewirtschaftung (vor allem Boden und Wasser)
  6. Erhaltung anderer sozio-ökonomischer Funktionen und Bedingungen
1993 1. UN-Waldschutzkonferenz in Jakarta, Indonesien.
2010 Waldschutzkonferenz von Oslo beschließt die Gründung einer internationalen Waldschutzorganisation mit eigenem UN-Sekretariat für Waldschutz.
2013 Jubiläumsjahr „300 Jahre Nachhaltigkeit“